Irina Ebauer ist Marbachs neue Ortsvorsteherin. Foto: Birgit Heinig

Seit einer Woche ist Irina Ebauer offiziell die neue Ortsvorsteherin von Marbach. In Gedanken ist sie es allerdings schon seit Februar. Da wurde sie erstmals gefragt, ob sie sich dieses Engagement vorstellen könnte.

Damals war die 39-jährige Mutter von drei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter noch in Teilzeit beim Ordnungsamt des Landkreises beschäftigt.

 

Nach Rücksprache mit ihrem Mann und den zwei glücklicherweise vor Ort lebenden Großelternpaaren entschloss sich Irina Ebauer zur Kandidatur und wurde am 26. September von den Marbacher Ortschaftsräten dann auch gewählt.

Auf Empfehlung eines ehemaligen Büronachbarn im Landratsamt, Ortschaftsrat Matthias Lachnit, erhielt Irina Ebauer von ihrer Vorgängerin Diana Kern-Epple die Anfrage, ob sie ihr im Amt nachfolgen würde. „Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent“, sagt Irina Ebauer.

Sie erbat sich deshalb Zeit, um sich mit den Aufgaben einer Ortsvorsteherin vertraut zu machen. Mit dieser Lösung vor Augen verlängerte Diana Kern-Epple ihre 20-jährige Amtszeit gerne um ein paar Monate. Es folgten viele Gespräche mit Bürgern, Vereinsvertretern, anderen Ortsvorstehenden sowie Hospitationen in der Ortsverwaltung und bei Ortschaftsratssitzungen.

Frau vom Fach

Dass Irina Ebauer gelernte Verwaltungsfachangestellte und Betriebswirtin (VWA) ist, sich in Verwaltungsrecht und dem Behördenalltag auskennt und dass auch der Gemeinderat für sie kein unbekanntes Terrain ist, erstatte sie dort doch während der Coronapandemie als Vertreterin des Gesundheitsamtes Bericht, machte ihr die Entscheidung zwar leichter, von der Fülle der Themen, die einen Ort betreffen können, wurde sie dennoch schier überwältigt.

Ihre To-do-Liste

Gleichwohl empfindet sie den „Sprung ins kalte Wasser“ als Ansporn und powert los. Am Tag vor ihrer Vereidigung vergangene Woche ließ sie sich vom Landratsamt vorerst beurlauben, damit sie jetzt mit voller Kraft eintauchen kann in die Lenkung von Marbachs Geschicke. Und da steht einiges auf ihrer To-do-Liste. Ein Jugendraum steht aus, die Konzeption der schulischen Ganztagsbetreuung muss umgesetzt und die Stelle eines Hausmeisters ausgeschrieben werden, die Straßen gehören saniert, auf dem Turnhallendach könnte ein PV-Anlage Platz finden und, und, und.

Fast in trockenen Tüchern ist die Gründung eines Nachbarschaftshilfevereins. „Das wird dann wohl mein erstes Projekt“, sagt Irina Ebauer und lacht ein strahlendes Lächeln.

Jetzt wieder Ordner

Ihre großen Augen blitzen, wenn die ehemalige Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule und Organisatorin des evangelischen Krippenspiels ihren derzeitigen Tagesablauf schildert. Da geht es darum, Kontakte zur Stadtverwaltung zu knüpfen, aber auch auszuprobieren, wo welcher Schlüssel passt und mit der Technik im Rathaus auseinanderzusetzen. Letztere, genaugenommen die Digitalisierung, geht ihr in der Ortsverwaltung allerdings nicht weit genug. Schon vor zehn Jahren habe sie im Landratsamt mit der e-Akte gearbeitet, jetzt müsse sie gerade zur handgeführten Datenarchivierung, sprich zu Ordnern, zurückkehren, bedauert sie. „Das kann so nicht bleiben“.

1989 nach Villingen

1989 kam Irina Ebauer mit Eltern, Großeltern und Schwester aus Kasachstan nach Deutschland, besuchte in Villingen die Johanna-Schwer-Kindertagesstätte, die Warenbergschule und erreichte an der Karl-Brachat-Realschule die Mittlere Reife. Nach der Ausbildung am Landratsamt wurde sie 2005 von der Kämmerei übernommen. Es folgten Einsätze im Sekretariat der Albert-Schweitzer-Schule, dem Gesundheits- und dem Ordnungsamt.

Seit 2008 in Marbach

Seit 2008 leben Irina Ebauer und ihre Familie in Marbach. Trotz Alternativen haben sie sich entschieden, genau hier ein Eigenheim zu bauen, weil es hier alles gibt, was sie brauchen: zwei Ringzuganbindungen, eine vielfältige Vereinslandschaft, ein kleiner Nahversorger, der Metzger kommt wöchentlich vorbei, es gibt einen Arzt, Kindergarten, Schule und Spielplatz und die Kinder finden ihre Freunde in der direkten Nachbarschaft, zählt Irina Ebauer Marbachs Vorteile auf.

Wichtige Bürgernähe

Trotz des dörflichen Lebens, sei der Ort zukunftsorientiert und das solle mit ihr als Ortsvorsteherin auch so bleiben. Dabei sei ihr, wie sie betont, Bürgernähe sehr wichtig und sie wünsche sich, dass sich noch mehr Marbacher und Marbacherinnen für das Wohl ihres Lebensmittelpunktes engagieren.

Bei ihrer ersten Sitzung als Ortsvorsteherin, zu der, wie sie bedauert, nur ein einziger Bürger kam, gab sie ihre Unsicherheit vor den Rätinnen und Räten freimütig zu und erbat danach Rückmeldungen. Die Kritik fiel durchweg positiv aus. „Sachlich, fachlich und nicht zu lang“ will Irina Ebauer fortan Ortschaftsratssitzungen gestalten – und Marbach dabei weiter voranbringen.