Tom Smith, der Sänger der Editors, hat in der Schorndorfer Manufaktur sein Soloalbum und die großen Hits seiner britischen Band präsentiert.
Gerade mal zwanzig Jahre ist es, dass die britische Band Editors das erste Konzert ihrer allerersten Deutschlandtournee ausgerechnet in der Schorndorfer Manufaktur spielte. Der Saal sei sehr voll gewesen, hieß es nach diesem 21. Januar 2006 in der Besprechung unserer Zeitung, und „die Editors, denen man noch eine halbe Ewigkeit hätte zuhören wollen, zeigten in ihrem gerade einmal eine Stunde währenden, leider viel zu kurzen Auftritt auf eindrucksvolle Weise, dass man ihnen eine gloriose Zukunft prognostizieren darf“.
Zwanzig Jahre und knapp zwei Monate später betritt Tom Smith, der Sänger der Editors, abermals die Bühne der Manufaktur. Über tausend Konzerte mit den Editors weist die Konzertstatistik mittlerweile aus, diesmal kommt der Brite allerdings nach Schorndorf, um dort das erst dritte Konzert seiner allerersten Solotournee zu spielen.
Tom Smith in der Manufaktur Schorndorf: Ein Kreis schließt sich
Der Saal ist jedenfalls wie damals sehr voll, das Konzert ist sogar ausverkauft. Vorschusslorbeeren hat Smith sich mit den Editors ja auch hinreichend erarbeitet, sieben Alben hat die Band seit ihrem Debüt „The Back Room“ veröffentlicht, zum Schorndorfer Auftritt zur Eröffnung der „The Back Room“-Tournee gesellten sich drei weitere Konzerte in Stuttgart (zuletzt 2018 im Wizemann) und fünf beim Southside-Festival, wo die Band rund um ihren Mitgründer Smith im Jahr 2024 letztmals spielte. Und die Erwartungshaltungen dürften beim Gros des Publikums im teilbestuhlten Schorndorfer Saal auch klar gewesen sein: den Vorsteher der Editors im etwas intimeren Rahmen zu Gesicht bekommen, wo er mehr oder weniger sein komplettes erstes, im Dezember erschienen Soloalbum nebst den größten Hits der Editors spielen würde.
Enttäuscht worden ist das Publikum schon diesbezüglich nicht. Neun der zehn Songs seines Debüts „There is nothing in the Dark which isn’t there in the Light” hat Smith am Freitagabend tatsächlich gut verteilt über den Auftritt gespielt, dazu in der Tat alle großen Editors-Hits, ebenfalls wohldosiert verteilt, kulminierend in „Munich“ kurz vor dem Ende und „Smokers outside the Hospital Door“ als letztem Stück. Eine Coverversion gab es schließlich an diesem üppigen Soloabend auch noch, notorischerweise von Bob Dylan, „It ain’t me Babe“
Tom Smith in Schorndorf – Soloabend zu zweit
Wobei das mit dem Soloabend nicht so ganz stimmt, denn als Partner, dem man mit Fug und Recht die Bezeichnung kongenial zuschreiben kann, hat er sich den Multiinstrumentalisten Nick Willes mitgebracht, der früher schon mal kurzfristig bei den Editors aushalf und lange Jahre bei der britischen Progressive-Rock-Band The Enid spielte. Smith und Willes interpretieren die Stücke als Duett, mehrheitlich mit Smith an akustischen und Willes an elektrischen Gitarren, und sie tun dies wohltönend sonor und aufgeräumt. Die Klänge ihrer Instrumente ergänzen sich formidabel, die Editors-Songs erklingen klug reduziert, über alles schmiegt sich Smith‘ unaufgeregter und trotzdem eindringlicher Bariton.
Fast zwei Stunden spielen die beiden, fad wird dies zu keinem Zeitpunkt dieses durchweg runden Abends, und am Ende haben sich die Erwartungen erfüllt. Jene des Publikums, das natürlich auch wegen des Glanzes der Editors gekommen ist und „seine“ Hits serviert bekommen hat. Jene von Tom Smith vermutlich auch, dem gewiss schon vorher klar war, dass er für jeden der großen Songs seiner Band dicken Applaus einheimsen durfte und für jeden seiner eigenen nicht ganz so dicken - weil sein Solomaterial nun mal schon gut, aber nicht so sehr gut wie die Stücke der Editors ist. Und schließlich auch jene des Autors dieser Zeilen, der zufällig auch schon der Autor der eingangs zitierten Konzertkritik von vor zwanzig Jahren war: denn mit seiner Prognose, dass Tom Smith und die Editors gloriosen Zeiten entgegen blicken dürfen: da hat er Recht behalten.