Manuel Hagel musste Kritik von der Grünen-Abgeordneten Zoe Mayer einstecken – die CDU wirft ihr Skandalisierung mit acht Jahre alten Aufnahmen vor. Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH

Der CDU-Spitzenkandidat verliert seit der Sexismus-Diskussion um ein altes Video an Beliebtheit. Das zeigen exklusive Leserdaten. Nutzt das am Sonntag Cem Özdemir?

Kurz vor der Landtagswahl am Sonntag sinkt die Beliebtheit von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel unter Menschen aus Baden-Württemberg. Das zeigt eine Auswertung von rund 5000 Antworten, die Teilnehmende am Wahlhilfe- und Umfrage-Tool „Party Check“ gegeben haben.

 

Beteiligt hatten sich insbesondere Leserinnen und Leser unserer Zeitung sowie weiterer Titel innerhalb der Neuen Pressegesellschaft (u.a. Stuttgarter Zeitung, Südwest-Presse, Schwarzwälder Bote). Es handelt sich also nicht um eine Zufallsstichprobe, die Ergebnisse sind nach Gewichtung aber für die baden-württembergische Bevölkerung repräsentativ.

Sexismus-Diskussion um Manuel Hagel seit dem 24. Februar

Seit der am 24. Februar anlaufenden Diskussion um das acht Jahre alte „Rehaugen“-Video von Regio TV Schwaben erhält Hagel auf der Beliebtheitsskala von den Teilnehmenden eine deutlich schlechtere Bewertung.

Hagels Konkurrent Özdemir (Grüne) ist demnach wesentlich beliebter. Aber auch er hat im Wochenvergleich fast genauso stark an Beliebtheit eingebüßt wie der CDU-Spitzenkandidat.

Politologe: Hagel-Video schadet

Die Befragten hatten angegeben, wie viel sie von den beiden Spitzenkandidaten halten – auf einer Skala von minus fünf (sehr wenig) bis plus fünf (sehr viel). Verglichen mit der Woche vor der Video-Diskussion sanken Hagels Werte um etwas mehr als 0,5 Punkte auf nun minus 0,7. Özdemirs Werte sanken von 2,9 auf knapp 2,4. Die Lücke zwischen den beiden bleibt also groß.

Das Video werde Manuel Hagel „eher schaden“, hatte der Politikforscher Rainer Faus vergangene Woche vermutet. Dies aber weniger, weil CDU-Wähler es sich nun etwa anders überlegen könnten. Faus vermutete, dass es Jüngere sowie Wahlberechtigte aus dem linken und grünen Spektrum zur Wahl mobilisiere – um einen Ministerpräsidenten Hagel zu verhindern.

Özdemir laut „Party-Check“ unter Konservativen beliebter

Ist es so gekommen? Wenn man in die „Party-Check“-Daten die Wahlabsicht der Befragten mit einbezieht, ist das Ergebnis für Manuel Hagel sogar noch negativer. Er verlor in der Woche nach der Videodiskussion sowohl bei Wählerinnen und Wählern von Parteien rechts der Mitte (CDU, FDP, AfD) als auch bei jenen links der Mitte (Grüne, SPD, Linke) an Beliebtheit. Özdemirs Werte in beiden Gruppen blieben dagegen in der vergangenen Woche konstant beziehungsweise legten unter konservativen Wählerinnen und Wählern leicht zu.

Wer angegeben hat, eine andere Partei zu wählen oder nicht zur Wahl zu gehen, ist in dieser Auswertung nicht enthalten. In dieser Gruppe ist Cem Özdemirs Beliebtheit in den vergangenen zwei Wochen ebenfalls zurückgegangen.

„Skandal“ durch Hagel-Video – oder eher Gleichgültigkeit?

Die Ergebnisse sind durch Gewichtung für die Bevölkerung von Baden-Württemberg nach Alter, Geschlecht und Bildungsgrad repräsentativ, entsprechen aber nicht einer vollkommen zufälligen Stichprobe. Knapp die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger haben laut anderen Befragungen seit Bekanntwerden indes noch gar nichts von dem umstrittenen Hagel-Video gehört.

Bei manchen sorgte das Hagel-Video offenbar für Stirnrunzeln (Symbolbild). Foto: IMAGO/Depositphotos

Unsere Befragungsergebnisse stammen aus dem Wahlhilfe-Tool „Party Check“ der Universitäten Potsdam, Mannheim, Mainz und Greifswald. Unsere Zeitung kooperiert mit den Einrichtungen für den „Party-Check“.

Die Zahlen deuten in eine ähnliche Richtung wie eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa. Demnach habe das Video bei knapp der Hälfte der Befragten ihr Bild von Hagel negativ beeinflusst. Details zur Einschätzung unter den Wählerinnen und Wähler verschiedener politischer Lager wurden nicht geschildert.

Dieser Artikel erschien erstmals am 4. März 2026 und wurde am 5. März aktualisiert.