Simone Simon und Hund Leon trainieren Mantrailing. Bundessiegerprüfung dieses Jahr in Donaueschingen. So funktioniert die Spurensuche.
Riesenschnauzer Leon wedelt freudig mit dem Schwanz und reckt die Nase in die Luft. Gleichzeitig lässt er Besitzerin Simone Simon nicht aus den Augen. Noch schnell ein Leckerli, dann legt sie ihm das Geschirr an. Das ist das Zeichen, dass es gleich losgeht. Leon ist ein sogenannter Mantrailer – ein Personenspürhund. Bei der heutigen Übung soll er Simons Tochter Nicola anhand des Geruchs eines von ihr benutzten Tuchs finden.
Das Duo bereitet sich derzeit auf die Bundessiegerprüfung im Mantrailing vor, die dieses Jahr in Donaueschingen stattfindet. Die beiden sind ein erfahrenes Team. Es ist schon die vierte gemeinsame Prüfung auf diesem Level, 2022 gewannen sie sie sogar. Gute Teamarbeit ist beim Mantrailing entscheidend.
Seit zehn Jahren geht Simon dem Sport nach und hat ihn im Donaueschinger Verein der Hundefreunde bekannt gemacht. „Beim Mantrailing verfolgen Hunde die Spur einer Person anhand ihres individuellen Geruchs“, erklärt die 53-Jährige aus Furtwangen. „Zum Beispiel durch Hautzellen, die wir verlieren.“
Die Hunde bekommen dafür einen Geruchsartikel zum „Anriechen“, starten die Suche an einem Ort, wo eine Person sich zuletzt aufhielt und folgen dann ihrer Spur. So auch Leon, der sich sofort auf die Suche macht. Auch nach zehn Jahren ist Simone Simon noch fasziniert, was Hundenasen leisten können.
„Ich finde das wahnsinnig spannend und frage mich immer wieder, wie sie das schaffen“, sagt sie begeistert. „Ich habe das Gefühl, das macht ihnen richtig Spaß.“ Riesenschnauzer seien gut im Suchen, hätten als Diensthunde einen hohen Finderwillen und bräuchten viel Auslastung.
Ein offizieller Rettungshund ist Leon nicht. „Dafür fehlt mir die Zeit“, sagt Simon. Für sie steht der Sport im Vordergrund. Vier bis fünf Stunden wöchentlich trainiert sie die Verbindung zwischen Mensch und Tier, die es beim Mantrailing braucht.
„Eigentlich führt der Hund“, sagt Simon. „Aber als Mensch muss ich seine Signale richtig lesen, wie sich sein Verhalten und seine Haltung ändert. Die Leine ist die Verbindung.“ Der Halter müsse lernen, wie er dem Hund bei Problemen helfen könne, ohne ihn zu stören.
Das erfordere viel Geduld, Zeit und vor allem gegenseitiges Vertrauen. „Beide müssen ruhig bleiben und den Entscheidungen des anderen vertrauen.“ Besonders herausfordernd ist die Personensuche bei schwierigen Bedingungen wie starkem Gefälle, Wind oder Regen. Aber auch Fußgänger oder Autos müssen Hunde ausblenden können.
Bei der Bundessiegerprüfung müssen Leon und Simone Simon ihr Können unter Beweis stellen. „Das Wetter wird die größte Herausforderung sein“, sagt die Trainerin. 45 Minuten haben sie Zeit, auf einem unbekannten Trail durchs Stadtgebiet eine versteckte Person zu finden. Am Ende muss Leon klar anzeigen, wenn er sie ausfindig gemacht hat.
Die Übung meistert der Riesenschnauzer schon mal einwandfrei. Nach wenigen Minuten hat er Nicola Simon gefunden und setzt sich zum Anzeigen vor sie. Zur Belohnung gibt es ein weiteres Leckerli.
Vorfreude total
„Ich freue mich total auf die Prüfung“, sagt Simone Simon und strahlt. „Es ist schön, alle mal wiederzusehen.“ Nur fünf der Starter kommen aus Baden-Württemberg, der Rest reist von weiter weg an.
Das Heimspiel sei zwangsläufig ein Vorteil, sagt Simon. Trotzdem sorge die Gastgeber-Rolle auch für Nervosität. „Es war ein brutaler Aufwand“, gesteht die 53-Jährige. Die Rekrutierung von genug Helfern, die Ausarbeitung von 16 ungefähr gleichen Trails und wöchentliche Zusatztrainings haben den Verein im Vorfeld viel Energie gekostet.
Erwartungen an ihre eigene Leistung hat Simon aber nicht. „Es sollen einfach so viele wie möglich mit Wertung durchkommen“, sagt sie. In den vergangenen Jahren seien die Richter sehr streng gewesen und hätten Prüfungen auch bei kleinen Fehlern direkt abgebrochen. Simon hofft, dass das dieses Jahr anders ist.
Letztendlich stehe aber der Spaß im Vordergrund. Für den neunjährigen Leon ist es möglicherweise die letzte große Prüfung. Das Siegerteam von 2022 will deshalb noch einmal alles geben.
Siegerprüfung
Der Wettbewerb
Die jährliche Bundessiegerprüfung im Mantrailing gilt als höchste nationale Leistungsprüfung. Sie findet am 9. und 10. Mai, ab 10 Uhr, in Donaueschingen statt. 16 Hunde bewältigen pro Tag jeweils eine Strecke von einem Kilometer, sowohl in Donaueschingen als auch in Bad Dürrheim. Zwei externe Richter beurteilen Kriterien wie Anriechen, Spurverfolgung, Teamwork, Anzeigeverhalten sowie Zeit und vergeben bis zu 100 Punkte. Wer sich die Prüfung anschauen will, kann zum Verein der Hundefreunde Im Haberfeld 102 kommen und sich dort Informationen über die jeweiligen Trails abholen.