Als Kanzler der Beamten-Kaderschmiede in Ludwigsburg wurde er nicht wiedergewählt. An seiner neuen Wirkungsstätte kämpft Henrik Becker nun mit alten Problemen.
Der Slogan ist ungleich griffiger als der Name. „Managers made in Mannheim“, steht oben auf der Homepage der Hochschule der Wirtschaft für Management, kurz HdWM. Als kleine, aber feine private Kaderschmiede wirbt sie damit, die Führungskräfte von morgen auszubilden.
Derzeit könnten die etwa 260 Studierenden eine ganz besondere Lektion lernen: darüber, wie wichtig eine passende Besetzung von Spitzenpositionen ist – und was andernfalls alles drohen kann. In Mannheim nämlich tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen dem erst im Juli angetretenen Präsidenten Henrik Becker (52) und dem Großteil der 17 Professorinnen und Professoren. Wer ihn gewinnt, ist noch nicht ausgemacht, aber zu den Verlierern gehört schon jetzt die Reputation der Hochschule.
Wiederwahl in Ludwigsburg spektakulär gescheitert
Die Öffentlichkeit würde das wohl nur mäßig interessieren, wäre Becker nicht einschlägig ausgewiesen. Schon als Kanzler der Beamtenhochschule in Ludwigsburg hatte er Professoren gegen sich aufgebracht – so sehr, dass seine sicher geglaubte Wiederwahl nach nur einer Amtszeit spektakulär scheiterte. Vor allem im Umgang mit Menschen wurden dem promovierten Juristen erhebliche Schwächen attestiert. Machtbewusst, auf Formalien bedacht und wenig verbindlich – so wurde er geschildert. Als er ging, atmeten in Ludwigsburg viele auf. In Mannheim scheint sich das Muster nun zu wiederholen, allerdings im Zeitraffer. Wenige Monate im Amt genügten Becker, um eine veritable Revolte gegen sich zu provozieren. Das Gros der Professoren möchte ihn offenbar schleunigst wieder loswerden, per Abwahlinitiative. Man habe das Vertrauen in ihn verloren, heißt es in einem Hilferuf an das Stuttgarter Wissenschaftsministerium. Ganz anders als die geschätzte Vorgängerin führe er nicht partizipativ, sondern zusehends „autokratisch“. Der Sachverstand der Professoren sei kaum gefragt, die Hochschule als Ort der freien Wissenschaft in Gefahr.
Ministerium hält sich zunächst zurück
Auch bei einer privaten Hochschule, erläutert das Ministerium, müsse der Senat mit Professoren, Mitarbeitern und Studierenden „maßgeblichen Einfluss auf Bestellung und Abberufung“ der Leitung haben. Bisher sei das in der Grundordnung gewährleistet gewesen, die neueste Fassung prüfe man derzeit, pausiere aber bis zur Klärung des Konflikts. Dabei stehen dem Juristen Becker in Mannheim viele Nichtjuristen gegenüber, die mit den diffizilen Rechtsfragen augenscheinlich überfordert sind. Inzwischen haben sie sich den Beistand einer Fachanwältin gesichert, die den Präsidenten in der Abwahl-Causa als „befangen“ betrachtet und vor Machtmissbrauch warnt. Wann die geforderte Sondersitzung des Senats stattfindet, welche Punkte auf der Tagesordnung stehen – darum wurde hinter den Kulissen heftig gerungen.
Doch inzwischen hat der Machtkampf eine neue Stufe erreicht: Einer der Professoren aus dem Senat wurde fristlos gekündigt, ohne Begründung, offenbar als abschreckendes Exempel für die anderen Rebellen. Anders als zwei Kollegen, die gerade – nicht zufällig – einen Betriebsrat gründen, war er nicht vor dem Rauswurf geschützt. Der Fall dürfte nun vor dem Arbeitsgericht landen.
Zuvor hatte bereits eine leitende Verwaltungsmitarbeiterin kurzfristig ihren Job verloren. Die Hintergründe sind öffentlich noch nicht näher bekannt, sollen aber ein zentraler Auslöser der Unruhe an der Hochschule sein. Vor dem Arbeitsgericht akzeptierte die Frau dieser Tage einen Vergleich, wie eine Justizsprecherin ohne genauere Angaben mitteilte.
„Klima der Angst“ in Mannheim
Niemand wolle als nächstes in den Bannstrahl des Präsidenten geraten, heißt es nun, in Mannheim herrsche ein „Klima der Angst“. Aber lässt sich das schwer gestörte Vertrauen so wiederherstellen? Selbst wenn Becker sich noch geraume Zeit im Amt halten kann, dürfte sich das allmählich auch der neue Träger der Hochschule fragen. Im Juli wurde die HdWM, bisher zum „Internationalen Bund“ gehörend, Teil der „Global Education Network Group“, eines internationalen Verbundes mit Indern und Kanadiern an Schlüsselpositionen. Mit den Feinheiten des deutschen Hochschulrechts dürften sie nicht sonderlich vertraut sein. Eines aber, hoffen die Professoren, sollten sie verstehen: Wenn die Krise weiter eskaliere und die Ursache bestehen bleibe, riskiere die Hochschule ihre Ruf – und am Ende womöglich sogar ihre Existenz.