Das Sportgericht des Fußballbezirks Ostwürttemberg ermittelt nun gegen Siegfried Schall. Foto: © Pixel-Shot - stock.adobe.com

Die nächste Eskalationsstufe wird gezündet: Jetzt wird gegen den zurückgetretenen Staffelleiter Siegfried Schall ein Sportgerichtsverfahren eingeleitet.

Als Siegfried Schall die E-Mail vom Sportgericht des Fußballbezirks Ostwürttemberg bekommen hatte, musste er sich erst einmal hinsetzen. „Ich dachte, jetzt kommt das Urteil vom Wolfgang Ottmar“, sagt der Schiedsrichter aus Wart, der bis vor gut zwei Monaten unter anderem als Staffelleiter im Bezirk Nordschwarzwald tätig war. Er hatte in dieser Funktion eine Spielmanipulation aufgedeckt, die der Bezirksvorsitzende Wolfgang Ottmar zunächst vertuschen wollte. Schall, der wegen des Skandals von seinen Ämtern im Bezirk zurücktrat, klagte Ottmar deshalb sportgerichtlich an. Doch um dieses Verfahren ging es in der E-Mail des Sportgerichts Ostwürttemberg keineswegs. Stattdessen wurde nun ein eigenes Verfahren gegen Schall eröffnet – wegen „sportwidrigen Betragens“. Schall schüttelt da nur mit dem Kopf: „Da war ich erst einmal geschockt und habe mich gefragt, wie das denn sein kann. Als ich die Anklagepunkte gelesen habe, dachte ich, ich wäre im falschen Film.“

 

Methode im alten Bezirk?

Knackpunkt ist ein Satz in der Stellungnahme, die Schall nach seinem Rücktritt im März veröffentlicht hatte. Mit folgenden Worten kritisierte er, dass Ottmar die Einleitung eines Sportgerichtsverfahrenes gegen einen Verein, der eine Spielberechtigung manipuliert hatte, verhindern wollte: „Vielleicht war es ja die Methode des Vorgänger-Bezirks, um bei seinen Vereinen beliebt zu sein.“

Während es Schall bei dieser vagen Andeutung ließ, hatte der Schiedsrichter Gerhard Stocker von der SG Vöhringen diesen Vorwurf in dieser Woche ganz konkret formuliert. Ottmar, der zuvor in Vöhringen als Jugendkoordinator tätig war, habe demnach schon dort Spielberichte falsch ausgefüllt. Und: Das Sportgericht des alten Bezirks Nördlicher Schwarzwald sei laut Stocker stets untätig geblieben.

Laut den Anzeigeerstattern habe Schall mit seinem Satz darauf angespielt. In ihrer Begründung schreiben sie: „Herr Schall hatte niemals einen Einblick in die Rechtsprechung des Bezirks Nördlicher Schwarzwald.“ Der Warter hätte sich somit „sportwidrig betragen, indem er wissentlich und vorsätzlich“ die Anzeigenerstatter „in der Presse öffentlich verleumdet und beleidigt“ habe.

Auf Anfragen reagiert

In einem zweiten Anklagepunkt wird Schall die „Benutzung der Tagespresse in verbandsschädigender oder beleidigender Form“ vorgeworfen. Das sei ein Verstoß gegen Paragraph 60 der Rechts- und Verfahrensordnung des Württembergischen Fußballverbands. Schall zur Last gelegt werden soll hierbei offenbar, dass er Anfragen unserer Redaktion beantwortet hat.

Die fünf Anzeigeerstatter treten als „Mitglieder des ehemaligen Bezirks Nördlicher Schwarzwald“ auf. Zu ihnen gehören der frühere Bezirksvorsitzende Edgar Pakai, Spielleiter Martin Stede und die drei Sportgerichtsmitglieder Robert Trautwein, Willi Graf und Karl-Eugen Schiller.

Nach Rücktritt gemeldet

„Ich kann absolut nicht verstehen, warum sich der frühere Bezirksvorsitzende da jetzt einmischt und bedrängt fühlt. Sein Name wurde nie genannt“, sagt Schall. Auch die Initiative von Robert Trautwein, der ebenso Vorsitzender des Sportgerichts im neuen Bezirk Nordschwarzwald ist, kann der ehemalige Staffelleiter nicht nachvollziehen. „Er selbst hatte nach meinem Rücktritt bei mir angerufen und wollte wissen, was da genau mit der Spielmanipulation gelaufen ist. Der war überhaupt nicht im Bilde und stellt jetzt eine Anzeige“, frotzelt Schall.

Ausschluss aus allen Ämtern

Die fünf Anzeigenerstatter fordern in der Verfahrensbegründung, dass Schall auch von seinen Ämtern bei der Schiedsrichtergruppe Calw zurücktritt. Konkret heißt es: „Reaktion auf die unhaltbaren Anschuldigungen gegenüber den ehrenamtlichen Mitarbeitern eines, wenn auch nicht mehr bestehenden, Fußballbezirks kann nur der Ausschluss des Herrn Schall aus allen Ämtern im WFV-Bezirk Nordschwarzwald (inklusive Schiedsrichtergruppe Calw) sein. So etwas müssen wir uns nicht bieten lassen.“

Kein Respekt vor Ehrenamt?

Schall schüttelt da nur ein weiteres Mal mit dem Kopf: „Die Schiedsrichtergruppe Calw hat mit all dem überhaupt nichts zu tun. Es ist eine Unverschämtheit, jemanden aus dem Ehrenamt klagen zu wollen. Diese Leute haben keinen Respekt vor dem Ehrenamt.“ Ohnehin findet der Warter: „In diesem Bezirk stimmt etwas nicht. Es wäre alles nicht so weit gekommen, wenn bestimmte Personen einfach gesagt hätten: ’Ja, das war so.’ Ich habe jetzt nichts mehr zu verlieren. Verlierer ist der Bezirk Nordschwarzwald und seine Vereine, die darunter leiden.“