Der Manipulationsskandal im Fußballbezirk Nordschwarzwald ist auch über Ostern nicht zur Ruhe gekommen. Gegen den Bezirksvorsitzenden Wolfgang Ottmar und drei weitere Vorstandsmitglieder wurde nun eine Anzeige beim Sportgericht wegen Manipulation und Verletzung der Amtspflichten erstattet.
Jetzt könnte es im Manipulationsskandal des Fußballbezirks Nordschwarzwald richtig spannend werden. Denn: Nun wird sich wohl das Sportgericht erneut mit dem Fall beschäftigen müssen, nachdem gegen den Bezirksvorsitzenden Wolfgang Ottmar und die drei Vorstandsmitglieder Uli Bernhard, Matthias Pakai und Martin Stede eine Anzeige erstattet wurde – vom zurückgetretenden Staffelleiter Siegfried Schall. „Ich wollte erst noch abwarten, ob personelle Konsequenzen gezogen oder Fehler eingeräumt werden, bevor ich das mache“, sagt Schall. Beides ist bislang nicht passiert.
Eine falsche Identität
Das Sportgericht des Bezirks Nordschwarzwald hatte es mit seinem Urteil vom 27. März als erwiesen angesehen, dass ein Verein aus dem Kreis Calw eine Spielberechtigung manipuliert hatte und so einen seiner Spieler unter falscher Identität spielen ließ. Schall war zu diesem Zeitpunkt noch Staffelleiter der betroffenen Liga und wollte dagegen vorgehen. Aus einem E-Mail-Verkehr, der unserer Redaktion vorliegt, geht hervor, dass Ottmar und Bezirksspielleiter Martin Stede dies verhindern wollten. Man schwärze die Vereine nicht an, schrieb unter anderem Ottmar. Schall trat daraufhin als Staffelleiter zurück und machte den Fall öffentlich. „Bei Betrug mache ich nicht mit“, sagte der Warter, der auch als Schiedsrichter tätig ist. Kurz darauf leitete das Sportgericht dann plötzlich doch ein Verfahren gegen den Verein ein und bestätigte Schalls Vorwürfe.
Seitdem rumort es – hinter den Kulissen. Eine öffentliche Stellungnahme gab der Bezirksvorstand noch nicht zu diesem Thema ab. Auch eine neuerliche Anfrage unserer Redaktion wurde nicht beantwortet. Dafür werden indirekt reichlich Giftpfeile abgeschossen. „Alles wird umgedreht. Ich werde als Querulant dargestellt und durch den Dreck gezogen“, sagt Schall, der es immer noch nicht fassen kann, dass seit seinem Rücktritt vor mehr als einem Monat niemand vom Bezirksvorstand mit ihm Kontakt aufgenommen hat. „Man hat sich nie bei mir gemeldet“, bedauert Schall. Er Befürchtet, dass der Manipulationsskandal stattdessen einfach ausgesessen werden soll.
Mit der Anzeige beim Sportgericht des Bezirks will Schall genau das verhindern. Die Vorwürfe: „Manipulation in Verbindung mit Fußballspielen durch Duldung von unrichtigen Eintragungen sowie die vorsätzliche Verletzung von Amtspflichten im Rahmen ihrer Funktion im organisierten Sport.“ Kontrollpflichten seien „gezielt unterlaufen“ worden. Als Beweise legte Schall dem Sportgericht sein eigenes Urteil vom 27. März und den besagten E-Mail-Verkehr mit Ottmar und Stede vor.
Bislang keine Reaktion
Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt Schall, dass mit der Anzeige automatisch die Einleitung eines Sportgerichtsverfahrens einher gehe: „Sie müssen diesen Vorwürfen jetzt nachgehen.“ Allerdings: Eine Rückmeldung vom Sportgericht hat der Warter noch nicht erhalten – nach nun fast einer Woche. „Ich habe noch einmal geschrieben, dass ich um eine Bestätigung des Erhalts meiner Anzeige bitte, aber es kam noch keine Antwort“, sagt Schall. Seine Prognose: „Ich vermute, dass das alles abgeschmettert wird.“