Das Sportgericht hatte das Urteil bereits am 27. März gefällt. Die Akte hielt der Bezirksvorstand aber unter Verschluss. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Der zurückgetretene Staffelleiter Siegfried Schall lag also richtig: Das Sportgericht des Fußballbezirk Nordschwarzwald hat einen Verein aus dem Kreis Calw wegen Manipulation bestraft. Das Urteil konnte der Bezirk jedoch lange unter Verschluss halten.

„Ich bin wirklich schwer enttäuscht vom Bezirk und immer noch nicht darüber hinweg, dass dieser Betrug erst verfolgt wurde, nachdem er öffentlich wurde. Vor allem frage ich mich, was sie dazu bewegt hat. Wurde der Druck von den Vereinen so groß?“, sagt Siegfried Schall nach Bekanntwerden der Sportgerichtsurteils gegen einen Verein aus dem Kreis Calw, der – nun nachweislich – eine Spielberechtigung gefälscht und so einem Spieler eine falsche Identität gegeben hat.

 

Von Ottmar zurückgepfiffen

Schall war lange Jahre als Staffelleiter tätig – früher im alten Bezirk Böblingen/Calw, jetzt im neuen Bezirk Nordschwarzwald. Als er von der Manipulation in einer seiner Ligen Wind bekam und dagegen vorgehen wollte, wurde er vom Bezirksvorsitzenden Wolfgang Ottmar zurückgepfiffen. Der Bezirk schwärze seine Vereine nicht an – äußerte er in einem Schriftverkehr, der auch unserer Redaktion vorliegt. Schall trat daraufhin von all seinen Ämtern zurück und machte den Fall öffentlich. Bei Betrug mache er nicht mit, betonte der Warter.

Keine 24 Stunden später leitete der Bezirk dann doch ein Sportgerichtsverfahren gegen den beschuldigten Verein ein und kündigte dies auch in einer E-Mail an alle Vereine an. Das Urteil, das bereits am 27. März gefällt wurde, hielt der Bezirk jedoch unter Verschluss. Dabei hatte er noch zu Saisonbeginn angekündigt, transparent sein zu wollen. Ottmar selbst schrieb im August nach Veröffentlichung von zwei Sportgerichtsurteilen (ebenfalls beide im Kreis Calw), dass künftig derartige Vorfälle auch der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden: „Es soll niemand an den Pranger gestellt werden, aber den Hinweis, dass Dinge manchmal nicht so laufen, wie man sich das gerne vorstellt, wollen wir schon geben.“

Strafe: 300 Euro

Das jetzige Urteil des Sportgerichts bestätigt Schalls Vorwürfe. Der beschuldigte Verein erhielt eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro. „Eigentlich sollte man das unbedingt transparent machen“, findet Schall. Und auch personelle Konsequenzen müsste es seiner Meinung nach geben. „Wenn niemand den Hut nimmt, werde ich weiter recherchieren“, kündigt der Warter an. Denn er hat Hinweise erhalten, dass es „weitere Mauscheleien“ gegeben habe.

Der Bezirksvorstand selbst schweigt eisern. Auch nach Bekanntwerden des Sportgerichtsurteils sagte Ottmar am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion: „Dazu werde ich nichts sagen.“ Angesprochen auf den Vorwurf, dass er persönlich die Einleitung eines Sportgerichtsverfahrens gegen den nun verurteilten Verein verhindern wollte, antwortete er lediglich: „Es wird von uns keine Stellungnahme geben.“