Oberndorf bemüht sich seit Jahren, dem Mangel an Kitaplätzen beizukommen. Bauliche Erweiterungen sollen Luft verschaffen. Aber ist das genug?
Eine Entspannung beim Bedarf zeichnet sich bislang nicht ab. Die Geburtenzahlen sind auch 2024 in fast allen Oberndorfer Stadtteilen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – am stärksten dabei in der Kernstadt (14 Geburten mehr als 2023) und in Bochingen (elf Geburten mehr).
Stand Februar haben 898 Oberndorfer Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, zuzüglich weiterer Kinder, die bis Ende Juli geboren werden, wurde im Gemeinderat aufgezeigt. 663 Plätze standen im Kindergartenjahr 2024/2025 zur Verfügung, im aktuellen sind es 713 Plätze, die sich auf 35 Gruppen (davon sechs Krippengruppen mit 58 Plätzen) verteilen.
25 Gruppen sind altersgemischt und könnten – so empfiehlt es der Kommunalverband für Jugend und Soziales – Kinder, die noch unter drei Jahren sind, aufnehmen, erklärte Christoph Rümenapp, Amtsleiter für Bildung und Sport. Diese würden dann allerdings zwei Plätze belegen.
Lindenhof und Kernstadt mit größtem Bedarf
Auf den Wartelisten für 2025/2026 stünden derzeit 86 Kinder. Am größten ist der Bedarf auf dem Lindenhof (43 wartende Kinder) und in der Kernstadt (21). Vergleichsweise kurz ist die Warteliste in Altoberndorf und Hochmössingen. In Aistaig und Beffendorf gibt es sogar noch Restkapazitäten.
Angesichts dieser freien Kapazitäten (16 Plätze) werde die Warteliste sicherlich kürzer, stellte Rümenapp im Gemeinderat in Aussicht. Der Kindergarten Rosenberg nehme aufgrund von Personalmangels zudem bislang fünf Kinder weniger auf als geplant. Diesbezüglich stehe man in Kontakt.
Die Maßnahmen der Stadt gegen den Mangel an Kitaplätzen sollen bald Früchte tragen. Die WABE auf dem Lindenhof wird aktuell von 70 Kindern besucht. Dort sollen die Gruppen sukzessive erweitert und weitere 74 Plätze geschaffen werden.
Die Kindergartenerweiterung in Bochingen soll im Herbst fertig sein. Nach der Fertigstellung werden die drei bestehenden Gruppen in den Neubau umziehen. Mit der Ertüchtigung des Altbaus – der Bezug ist aktuell im Januar 2026 geplant – sollen 32 weitere Plätze (zehn Krippenplätze, 22 altersgemischte) geschaffen werden.
Von Entspannung keine Spur?
Von einer Entspannung der Situation kann aus Sicht der FWV im Gemeinderat trotzdem keine Rede sein. Die bisherigen Anstrengungen hätten das Problem allenfalls gemildert, es sei aber dennoch akut angesichts der hohen Bedarfsnachfragen bei einem gleichzeitig geringem Angebot, meinte Dieter Rinker.
Die „äußerst starren und im Kitagesetz verbindlichen Rahmenbedingungen“ liefen den örtlich notwendigen flexiblen Betreuungsformen oftmals zuwider, führte er im Gemeinderat aus.
Mehr Flexibilität nötig
Rinker bat im Namen der FWV darum, zu prüfen, inwieweit das von der KVJS und kommunalen Landesverbänden entwickelte Rahmenkonzept KitaFlex zu einer Verbesserung in Oberndorf beitragen könne. Die Idee: alle Möglichkeiten einer Flexibilisierung zur Ausweitung des Betreuungsangebots zu nutzen, etwa durch eine Anpassung des Mindestpersonalschlüssels und der Verfügungszeiten.
Bürgermeister Matthias Winter gab zu bedenken, dass größere Flexibilität sich auch auf den Personalschlüssel auswirke und zu einer Mehrbelastung führen könnte.
Der Gemeinderat stimmte der Bedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2025/26 ohne Gegenstimme zu.