Vier Unternehmen aus dem Tal berichten, inwiefern sich der Mangel an Azubis bei ihnen zeigt und was sie tun, um junge Menschen für ihre Betriebe zu begeistern.
Rund 200 000 Stellen im Handwerk sind laut Zentralverband des deutschen Handwerks aktuell deutschlandweit unbesetzt. Es fehlt vor allem an Nachwuchs – viele ältere Mitarbeiter gehen in Rente, gleichzeitig blieben im vergangenen Jahr 16 213 Lehrstellen unbesetzt, teilt die Bundesagentur für Arbeit mit.
Auch an einigen Handwerksbetrieben im Kinzigtal tut man sich schwer, Auszubildende zu finden. Die Firma Benz in Gengenbach stellt Werkzeug- und Maschinentechnik her. Normalerweise haben sie dort ihre Ausbildungsplätze für das kommende Jahr immer bereits im November oder Dezember besetzt, erzählt Katharina Jehle aus der Unternehmensverwaltung im Gespräch mit unserer Redaktion. In diesem Jahr sei nur eine der sieben Stellen bisher besetzt.
„Wir sind erst vor einem Jahr nach Gengenbach umgezogen, und man merkt einfach, dass uns die Bekanntheit fehlt, die wir zuvor in Haslach hatten“, erklärt Jehle. Um interessierte Azubis auf sich aufmerksam zu machen, setzt die Firma auf Ausbildungsmessen, auch bei sich vor Ort veranstalten sie einen Ausbildungstag. „Tendenziell wird sich das bestimmt auch wieder änder“, ordnet Jehle den Mangel ein. „Es wird auch sicher wieder bessere Zeiten geben.
Es fehlen Azubis im Bereich der Metallberufe
Ganz anders sieht es bei Hauer Holzbau aus Haslach aus. Herbert Hauer erzählt unserer Redaktion, dass er sich über fehlenden Nachwuchs keine Gedanken zu machen braucht. „Wir nehmen immer nur einen Azubi jedes Jahr, aber dieses Jahr haben wir für diesen Platz sogar mehr Anfragen bekommen als in den Jahren zuvor.“
Als Rekrutierungsstrategie setzt Hauer Holzbau auf lokale Bekanntheit: „Wir tun eigentlich nichts um Bewerber auf uns aufmerksam zu machen, die kommen von ganz alleine“, freut sich Hauer. „Wir sind so in der Nische tätig, dass es für viele einfach interessant ist, und vor allem machen wir viel noch per Hand.“
Aktuell sind auch die Ausbildungsplätze bei der Firma Leipold in Wolfach besetzt. Das Unternehmen stellt Drehteile für Autos, Flugzeuge und andere Maschinen her. Für das Ausbildungsjahr, dass im September diesen Jahres beginnt, fehlen aber noch Nachwuchskräfte im Bereich der Metallberufe, erklärt Sebastian Ruf im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist im Unternehmen für die kaufmännischen und gewerblichen Ausbildungen verantwortlich.
„Es stellt sich schwieriger dar, diese Berufe zu besetzen – aber das ist schon seit ein paar Jahren so.“ Der Prozess sei von Jahr zu Jahr verschieden, in diesem Jahr etwas zäher als sonst, so Ruf. „Solange das interessierte Publikum da ist, werden die Plätze auch besetzt. Wir sind damit zufrieden, aber es ist eben kein Selbstläufer“, räumt er ein. Auch Lücken in der Besetzung seien in Zukunft denkbar.
Um dem entgegenzuwirken, engagiert sich das Unternehmen auf Ausbildungsmessen – diese Woche eine in Wolfach, kommende Woche direkt die nächste in Hausach. „Außerdem arbeiten wir viel über Praktika und unsere Partnerschule“, erzählt Ruf. Auch Werbung schalten sie, nutzen zusätzlich moderne Kanäle über die sozialen Medien, um junge Menschen auf ihre freien Ausbildungsplätze aufmerksam zu machen. „Früher war es mal anders, da hatten wir die Plätze im Herbst schon alle besetzt“, erinnert sich Ruf – „aber das ist schon länger nicht mehr so“.
Auch bei der Firma Eisen-Schmid in Hausach läuft es mit den Auszubildenden nicht so ganz rund. „Bisher haben wir zwar jedes Jahr Azubis bekommen, aber die Rekrutierungen sind deutlich schwieriger geworden“, erklärt Prokurist Bernd Mik im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Bedürfnisse der Azubis sind gestiegen – sie wollen ein Handy, Freitags schon heimgehen, nur 32 Stunden arbeiten. Das sind Benefits die sich nicht jeder Betrieb leisten kann.“
Mit sozialen Medien gegen den Fachkräftemangel
Die Einstellung gegenüber Arbeit und Schule hätten sich verändert, berichtet Mik. Vor allem bemerke er steigende Fehlzeiten in der Berufsschule, die sich wiederum negativ auf die Ausbildung auswirken würden. „Die Bedürfnisse der jungen Menschen sind gestiegen, ihre Qualität lässt nach. Wir bekommen genug Auszubildende, aber ob sie die Ausbildung auch abschließen ist eine andere Sache“so Mik.
Nichtsdestotrotz sei das Unternehmen sehr zufrieden mit ihren aktuellen Azubis, und es mangele auch nicht an ihnen. Die Bewerberanzahl habe sich in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren nicht geändert. Vor kurzem haben sie ihre Rekrutierungsstrategie geändert, weg von klassischer Werbung und hin zu Online-Plattformen. „Wir schalten Anzeigen zum Beispiel auf Sportportalen, und wir drehen Kurzvideos über den Arbeitsalltag als Azubi bei uns aussieht“, erzählt Mik.
Das Konzept funktioniere bisher sehr gut. Zusätzlich werden Flyer in den Nachbargemeinden verteilt, auf denen wiederum auch Kurzvideos über einen QR-Code verlinkt sind. In einem Umkreis von 25 Kilometern um die Firma herum werden die Flyer verteilt, um dafür zu sorgen, dass sich auch in Zukunft noch motivierte Mitarbeiter finden.
Das sind die beliebtesten Plätze
Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat für das Jahr 2025 in Baden-Württemberg ermittelt, dass Kraftfahrzeugmechatroniker, Industriemechaniker und Zerspannungsmechaniker die beliebtesten Ausbildungsberufe unter Männern waren, während es bei Frauen Zahnmedizinische Fachangestellte, Kauffrau für Büromanagement und Industriekauffrau.