Dem aus Winterlingen stammenden Kinder- und Sachbuchautor Manfred Mai ist zu seinem 75. Geburtstag eine Ausstellung seines Gesamtwerks in der Winterlinger Gemeindebücherei gewidmet.
Das Motto der Ausstellung lautet „Von Winterlingen in die Welt“. Es ist eine Reise nicht mit dem Flugzeug, sondern rückblickend und Ressourcen schonend mit dem Stift.
Manfred Mai wurde am 15. Mai 1949 geboren, das Grundgesetz wurde am 23. Mai unterzeichnet und damit die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Diese Zusammenhänge haben Einfluss auf des Leben Mais. Mai erfährt in seiner Kindheit in den 1950er-Jahren die Härte des Lebens auf einem Bauernhof. Er bekommt das Denken und Empfinden einer wortkargen Gesellschaft auf der Alb mit, die sich mit Gefühlen schwer tat, eine Kanzlerdemokratie à la Adenauer gut hieß und den ersten sozialdemokratischen Regierungschef als Katastrophe betrachtete.
Nach der Volksschule während der Malerlehre kommt es zur ersten Erkenntnis und zum Schlüsselerlebnis. Als Lehrling absolviert Mai einen Acht-Stunden-Arbeitstag und nicht die zehn Stunden, die sein Meister gefordert hatte. Martin Lenz unterstreicht diese Lebensabschnitt mit dem Lied „Endlich ans Unendliche“. Den in thematische Abschnitte aufgeteilten Abend begleitet Lenz musikalisch mit Stücken wie „Schau dich um“ und „Schwobaland“. Das Gedicht „Voll im Trend“ offenbart die Gefahren des sich immer schneller drehenden Karussells des Konsumrausches und des Gefangenseins in den Trends.
„Versorged“ wurde der „Bua“ durch den Kauf eines Computers, was Mai ruhig stellte und den Eltern ihre Ruhe ließ. Ein Stubenkamerad bei der Bundeswehr weckt sein Interesse an Literatur. Mai beschäftigt sich mit Politik. Er wollte lernen. In ihm reift der Wunsch, Lehrer zu werden. Doch es ist nicht einfach, zum Studium zugelassen zu werden. Er muss seinen Prüfer überzeugen, der wenig von einem Maler und Lackierer hält. Durch Hartnäckigkeit gelingt es Mai; er macht seinen Abschluss des ersten und später des zweiten Staatsexamens 1977. Als vor Tatkraft strotzender Junglehrer übernimmt er an der Meßstetter Realschule die von allen Lehrern gefürchtete Klasse 9 b. Die Klasse will den Junglehrer scheitern lassen. Zwei Jahre geht das so. Mai beginnt aus seelischer Not zu schreiben – als Ventil. Gedichte und Geschichten nahmen Formen an – eines davon: „Komm wir gehen auf Weltwundersuche“. Die Schüler fassen zu ihm Vertrauen. Mai geht mit der Klasse trotz „Verbots“ der Schulleitung auf Klassenfahrt nach Burghausen.
Inzwischen sind Mais Bücher in mehr als 25 Sprachen übersetzt. 2007 veröffentlichte er seinen ersten Roman für Erwachsene mit dem Titel „Winterjahre“. Zahlreiche Auszeichnungen folgten wie „Der Preis des Fördervereins Schwäbischer Dialekt 2020“. Am liebsten schreibt er mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur. Er möchte seine Zielgruppe anregen, sich selbst und ihre persönliche Umwelt immer wieder neu zu sehen und zu hinterfragen. Die Themen Zusammenleben und Auseinanderleben, Empfinden und Selbstreflexion spiegeln sich in 150 Bücher seit 1978 wieder. „Hinter den Texten und Liedern steht oftmals ein halbes Leben“, resümiert Mai. Das Repertoire der Werke ist mannigfaltig und reicht vom Gedicht, über seine Biografie, Geschichtsbücher bis hin zum Themenbereich Geografie.
Ein Urgestein der heimatlichen Sprache
Manfred Mai ist auch ein Urgestein der heimatlichen Sprache. Beim Gast Roland Single, einem Meister der schwäbischen Mundart, läutete plötzlich das Telefon. Die zu früh heim gekehrte und völlig grundlos eifersüchtige Ehefrau will wissen, wo ihr holder Gatte ist. Manfred Mai kann sie beruhigen. Das alles in Mundart.
Was gibt ihm Kraft, was gibt ihm Mut?: seine Frau und seine Töchter. Strahlend berichtet er von seinen Enkeln, die ihm Lebensfreude schenken.
Am Ende des amüsanten, lehrreichen und rückblickenden Abends überreichte Kathrin Schuster stellvertretend für die Bücherei ein Präsent. Ein liebevoll und einfallsreich dekoriertes Büffet hatte ihre Mutter hergerichtet. Es lud zum genüsslichen Verweilen ein.
Die Ausstellung ist bis 31. Juli in der Winterlinger Gemeindebücherei zugänglich.