Der Starcoach und sein deutscher Mittelfeldmotor: Pep Guardiola (li.) und Ilkay Gündogan Foto: imago//Andrew Yates

Der Erfolg von ManCity definiert sich übers Geld, was eigentlich zu einer Champions-League-Sperre hätte führen müssen. Nun aber steht City vor dem Rückspiel gegen Gladbach vor dem Viertelfinal-Einzug. Zurecht?

Stuttgart/Manchester - Nein, so sagte das Pep Guardiola kürzlich: „Dieser Satz war nicht sarkastisch gemeint.“ Dieser Zusatz war dem Startrainer von Manchester City wichtig, denn Guardiola sieht seinen Club, der an diesem Dienstag in der Champions League gegen Borussia Mönchengladbach ran muss (21 Uhr), von Vorurteilen verfolgt. „Wir haben diese Geschichte, die uns immer begleiten wird: Der einzige Grund, warum wir Spiele gewinnen, ist das Geld“, sagte der Katalane.

 

„Wir haben viel Geld, um unglaubliche Spieler zu kaufen“

Was passiert war? Guardiola hatte nach dem 2:0-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel gegen Mönchengladbach auf die Frage nach den Ursachen für die jüngste Siegesserie gesagt: „Wir haben viel Geld, um eine Menge unglaublicher Spieler zu kaufen.“ Und genau dieser Satz, so stellte das Guardiola klar, sei weder spitz noch sarkastisch oder sonst wie gemeint gewesen, denn: „Es ist die Wahrheit.“ Einen Titel könne man auch zufällig gewinnen – für Konstanz wie bei City aber benötige man eben Klassespieler, ergänzte Guardiola. Und diese kosteten nun mal Geld.

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Guardiolas Sätze würden unspektakulär klingen und so gar nicht neu in diesem vom Geld geprägten internationalen Spitzenfußball, in diesem Geschäft mit teils immer neuen Investoren, Transferrekorden (zumindest vor Corona) und dem Gehälterwahnsinn, und das nicht nur bei den großen Superstars der Szene. Ein Trainer eines reichen Clubs spricht also übers Geld: Nichts Ungewöhnliches ist das. Normalerweise.

Bei Manchester City aber bekommen Guardiolas Sätze eine besondere Note. Weil die Geschichte dieses Clubs eine besondere ist. Speziell die jüngere.

Geldstrafe statt Champions-League-Sperre

Erinnerungen ans vergangene Jahr kamen nach den jüngsten Guardiola-Äußerungen übers Geld hoch, ans Frühjahr, und dann an den Sommer. Zur Erinnerung: Guardiolas ManCity hätte in dieser Saison eigentlich gar nicht an der Königsklasse teilnehmen dürfen. Wegen Verstoßes gegen die Regeln des Financial Fair Play (FFP) verhängte das Kontrollgremium der Europäischen Fußball-Union (Uefa) eine zweijährige Europapokalsperre gegen City samt saftiger Geldstrafe. Der Entscheid wurde dann aber Sommer vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) kassiert: Es gab keine Sperre mehr und eine geringere Geldstrafe – sehr zur Freude Guardiolas, der damals von einem „guten Tag für den Fußball“ sprach.

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Diese Meinung hatte der Starcoach exklusiv in der Fußballwelt, von den Beteiligten bei ManCity mal abgesehen. Und wenn sich dieser Guardiola nun hinstellt und sagt, dass man eben viel Geld habe, um eine Menge unglaublicher Spieler zu kaufen, dann muss das für all jene Clubs, die serös wirtschaften und die Vorgaben des Financial Fair Play einzuhalten versuchen, wohl fast wie blanker Hohn klingen. Von den Empfindungen des gemeinen Fußballfans ganz zu schweigen.

175 Millionen Euro für neue Spieler

Manchester City jedenfalls ließ es ordentlich krachen nach dem Freispruch im Sommer. Der Sperre war City knapp entgangen, man war also doch wieder dabei in der Champions Legaue – und zack, gab es vor der aktuellen Saison die nächste Transferoffensive mit Ausgaben in Höhe von mehr als 175 Millionen Euro.

Der Cas entschärfte die Strafe im vergangenen Sommer damals signifikant, weil die zentralen Vorwürfe – unerlaubte finanzielle Zuwendungen – entweder nicht hinreichend bewiesen werden könnten oder verjährt seien. Zehn Millionen Euro musste City am Ende zahlen. Das sind nicht mehr als Peanuts für den Verein, der seit dem Jahr 2008 von Scheich Mansour aus Abu Dhabi fürstlich finanziert wird und der das Fußballjahr 2018/19 mit einem Rekordumsatz von fast 590 Millionen Euro abgeschlossen hat.

Das große Ziel? Der Titel in der Königsklasse

Wohin das alles führen soll mit dem vielen Geld, ist klar: Spätestens seit dem Amtsantritt von Pep Guardiola 2016 gibt es nur ein großes Ziel, und das heißt Champions-League-Sieg. Aber es gibt wohl nur wenige Konkurrenten und Fußballfans, die City nun den großen Triumph nach den Geschehnissen des vergangenen Jahres gönnen. Die Skyblues, die Himmelblauen, sind für viele nur noch ein rotes Tuch.

Denn noch immer sind die Vorbehalte gegen diesen Club groß. Noch immer gibt es nach dem umstrittenen Cas-Urteil Berichte und Gerüchte, wonach die mehr als 200 Millionen Euro an City-Sponsorengeldern der beiden in Abu Dhabi registrierten Unternehmen Etihad Airways (Fluggesellschaft) und Etisalat (Telekommunikation) aus dem Haus des milliardenschweren Kronprinzen Scheich Mansour stammen sollen. Trotz „eklatanter Missachtung“ der Uefa-Investigationen, so urteilte der Cas im Juli 2020, habe es zwar nicht genügend Beweise gegeben, um die Ergebnisse der Uefa zu untermauern. Aber „völlig falsch“ sei der Vorwurf der finanziellen Unregelmäßigkeiten auch nicht.

Es bleibt also zumindest ein Gschmäckle. Allgemein, bei ManCity. Und speziell bei Pep Guardiola, nach dessen jüngsten Aussagen übers Geld.