Der Stuttgarter Autohersteller steht beim Absatz stabil da – doch im wichtigsten Markt der Welt schwimmen ihm die Felle davon. Das kostet nun den zuständigen Vorstand Detlev von Platen den Job.
Auch wenn der Rauswurf von Porsche-Vizechef Lutz Meschke die spektakulärste Entscheidung des Aufsichtsrats vom Wochenende ist – auch die faktische Entlassung von Vertriebsvorstand Detlev von Platen zeugt von Unzufriedenheit bei dem Stuttgarter Autohersteller.
Von Platen ist bei Porsche verantwortlich für den Vertrieb und damit auch für die Absatzzahlen, die ausgerechnet im größten Automarkt der Welt steil abwärts gehen. In China musste das Unternehmen im vergangenen Jahr einen drastischen Rückgang um 28 Prozent hinnehmen. Den starken Rückgang erklärt das Unternehmen vor allem mit der schwierigen Wirtschaftslage in der Region. Offenbar sieht man aber auch interne Gründe.
Innerhalb von zwei Jahren sank die Zahl der verkauften Porsches in China von 93 000 auf 57 000 Fahrzeuge – der prozentuale Rückgang hat sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt. Das hat im Aufsichtsrat offenbar zu der Überzeugung geführt, dass es nicht ausreicht, den Kopf auf der zweiten Führungsebene auszutauschen. Deshalb hat er nun in ungewohnter Deutlichkeit die faktische Entlassung von Platens ausgesprochen.
Immense Bedeutung für die Region Stuttgart
Allerdings ist Porsche nicht das einzige Unternehmen, das in China massiv Marktanteile verliert. Auch Mercedes und BMW haben gewaltige Probleme, ihre vom Verbrenner gewohnten Marktanteile in China auf die E-Mobilität zu übertragen.
China hat auch für die Region immense Bedeutung. Sowohl Mercedes als auch Porsche bauen ihre luxuriösesten Elektrofahrzeuge ausschließlich in der Region Stuttgart – Porsches E-Flaggschiff Taycan entsteht in einer hochmodernen Fabrik in Zuffenhausen, der Mercedes EQS in der Factory 56 in Sindelfingen. Beide haben den Betrieb derzeit auf nur eine Schicht reduziert.
Allerdings steht Porsche in Summe recht stabil da – insbesondere in Deutschland und im Rest Europas konnte man die Verkaufszahlen deutlich steigern. Ein starkes Augenmerk legt Porsche auch auf Märkte wie Südostasien, die potenziell einen gewissen Ausgleich für China schaffen können.