Noch einmal bei einem Konzert ihrer Lieblingsband dabei sein: Das war der Herzenswunsch einer 49-Jährigen aus Albstadt, die an Multipler Sklerose (MS) leidet. Die Malteser haben es ihr ermöglicht.
An der Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose leidet eine 49-jährige Albstädterin. Die Krankheit sorgt für eine chronische Entzündung des zentralen Nervensystems. Und: Sie endet tödlich. Bei der 49-Jährigen ist die Krankheit bereits weit fortgeschritten, sitzen ist nur noch mit Hilfe und nur für eine sehr begrenzte Zeit möglich. Die früher im „voXXclub“-Fanclub aktive Frau ist heute größtenteils ans Bett gefesselt.
Eine mehrstündige Fahrt zum Open-Air-Konzert, das ihre Lieblingsband beim Freudenstädter „Schwarzwald Air“ gab: eigentlich undenkbar. Doch nicht unmöglich: Dank des Herzenswunsch Krankenwagens der Malteser Neckar-Alb, der Menschen in ihrer letzten Lebensphase noch ermöglicht, einen Herzenswunsch zu erfüllen.
Der Fanclub gibt den Anstoß und das Management hilft mit
Mitglieder des „voXXclub“-Fanclubs hatten die Herzenswunschfahrt initiiert und mit Heike Klinger, der Koordinatorin des Herzenswunsch-Krankenwagens der Malteser Neckar-Alb, in enger Zusammenarbeit mit dem Management der Band im Vorfeld geplant und alles Nötige arrangiert. „Der Fanclub hat vorbildlich agiert. Es fällt Angehörigen oft schwer, sich eine solche Fahrt vorzustellen und um Hilfe zu bitten. Aber wir erfüllen solche Herzenswünsche von Herzen gern – sofern es medizinisch noch möglich ist“, sagt Thomas Linhart, Dienststellenleiter der Malteser in Albstadt.
Spender finanzieren das Geschenk
Die Rettungssanitäter Adrian Schmid und Daniel Thony, ehrenamtlich bei den Maltesern aktiv, übernahmen Fahrt und medizinische Betreuung der 49-Jährigen bei ihrem wohl letzten Konzertbesuch. Für die Frau entstanden keine Kosten – die Fahrten sind spendenfinanziert und stehen jedem offen, der kurz vor seinem Lebensende noch eine kleine Reise oder einen Ausflug unternehmen will, dafür aber medizinische Betreuung oder gar einen Liegendtransport braucht.
Auch die Mitglieder des „voXXclub“-Fanclubs hätten ohne die Malteser keine Möglichkeit gesehen, ihr beliebtes Klubmitglied zum Konzert zu begleiten: „Aufgrund ihres Gesundheitszustandes hätte diese Fahrt niemand privat übernehmen können.“
Das Management sorgt für freie Bahn und für Sichtschutz
Bei der Ankunft in Freudenstadt hatte das Band-Management alles in die Wege geleitet: Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sorgten für freie Bahn, um die Frau in der Fahrtrage des Krankentransportwagens zu einer Bühne, speziell für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Handicap, zu bringen. Zugleich wurde sie von Security-Mitarbeitern vor allzu aufdringlichen oder auch nur neugierigen Blicken der übrigen Konzertbesucher geschützt.
Auch für die Helfer ist es ein Erlebnis
Auch DRK-Helfer, die den Sanitätsdienst beim „Schwarzwald Air“ übernahmen, unterstützten das HWK-Team der Malteser nach Kräften. „Wir wurden regelrecht umsorgt und sehr positiv aufgenommen“, berichten Schmid und Thony unisono. Und auch wenn ein langer Konzertbesuch nicht möglich war, war die Freude über das Erlebnis bei der 49-Jährigen sichtlich groß – trotz aller Beschwerden.
Nach sechseinhalb Stunden war der Einsatz für den Herzenswunsch-Krankenwagen nach der Rückreise beendet. Für Adrian Schmid war es gleich in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Einsatz – der 26-Jährige, im Hauptberuf Elektroinstallateur – unterstützte als ehrenamtlicher Malteser erstmals eine Herzenswunsch-Fahrt. „Es ist unheimlich schön und wichtig, den Menschen solche Erlebnisse noch ermöglichen zu können“, freute sich Schmid. www.malteser-neckar-alb.de/hwk