Barbara Steinleins Haus ist voller Kunst: Bei ihren Bildern lässt sie sich auf keinen Stil festlegen. Foto: Verena Parage

Vielseitigkeit zeichnet Barbara Steinlein aus. Allerdings gibt es durchaus Konstanten: So gestaltet sie seit etwa zehn Jahren immer ein Motiv zur Jahreslosung.

Barbara Steinleins Werdegang ist so abwechslungsreich wie ihre Kunst. Mal sehen ihre Gemälde aus als bestünden sie aus einzelnen Pixeln, mal gleicht ihr Seerosenteich denen von Monet. Mal entdecken Betrachter auf einer mit kräftigen Farbtönen bemalten Leinwand sitzende Menschen, mal einen Cowboy oder sie erblicken auf einem anderen Werk den gekreuzigten Christus.

 

Malerei Die Schömbergerin malt, wie sie arbeitet: Auf einen Stil lässt sie sich nicht festlegen. Seit 2019 ist sie als Heilpraktikerin, Osteopathin, Homöopathin und systemische Beraterin selbstständig. „Das find ich toll“, meint die 59-jährige. Absehbar indes war es nicht.

Als ihre drei Kinder klein sind, bleibt sie zu Hause, erzählt Steinlein. In dieser Zeit studiert sie Erziehungswissenschaften an der Fernuni Hagen. „Ich brauche was für meinen Kopf“, meint sie schmunzelnd. Dabei hat sie bereits berufsbegleitend ein Studium in Grafikdesign absolviert.

Fürs Kunststudium fehlt ihr der Mut

Die Kunst begleitet Barbara Steinlein seit jeher. Im Gymnasium belegt sie in der Oberstufen den Kunstleistungskurs. Doch um das Fach auch zu studieren, dazu fehlt ihr der Mut: „Das habe ich mich nicht getraut“, erzählt sie. Also führt der Weg der gebürtigen Heidelbergerin erst einmal in die Medizin, als ausgebildete Arzthelferin und medizinisch-technische Assistentin und dann beruflich wie privat in den Nordschwarzwald. Seit 1989 ist sie in Schömberg zu Hause.

Im Nordschwarzwald, genauer bei einem Künstler in Bad Wildbad, habe sie „richtig das Malen gelernt“. Steinlein beschreibt ihren Stil als irgendwie abstrakt und kräftig. Momentan wählt sie für all ihre Bilder Acrylfarben, angefangen hat sie aber mit Aquarell. Das sei ihrer Technik auch anzumerken. Der Wald ist das Motiv, mit dem sie sich derzeit am meisten beschäftigt.

In Kursen gibt Steinlein ihr Wissen weiter

Botschaften Seit etwa zehn Jahren gibt die Schömbergerin ihr Wissen in Malkursen weiter. Genauso lange dürfte es her sein, dass sie für die evangelische Kirchengemeinde die Jahreslosungen künstlerisch umsetzt. Von ihren Gemälden zu den Bibelworten gibt es immer auch Postkarten, die die Botschaft mit Steinleins Motiv im wahrsten Sinne des Wortes in die Welt hinaustragen. Die aktuelle Losung stammt aus 1. Thessalonicher 5,21: „Prüft alles und behaltet das Gute.“

In Sachen Jahreslosung ist Steinlein der Zeit voraus. Immer im Januar nimmt sie sich die Losung fürs darauffolgende Jahr vor. Montagelang gehe sie dann schwanger damit. Behält den Vers im Hinterkopf, besucht große Kunstausstellungen und Messen wie die Art Karlsruhe und lässt sich inspirieren.

Zur aktuellen Losung hat sie so ein Gemälde von einer Frau erschaffen, die eine Waage in Händen hält. „Das Gewichtigere ist unten“, beschreibt Steinlein. Dieses Gewicht hält die Frau in Händen, vor ihrem Herzen. „Damit es in der Nähe es Innersten ist.“ Denn das Gute, das solle man an sich heranlassen. So wie die Jahreslosungen den Menschen etwas zu sagen haben, so hat die Kirche der Gesellschaft etwas Wichtiges zu geben. Davon ist Barbara Steinlein überzeugt. Einsamkeit etwa sei ein großes Thema in der Gesellschaft. „Ich finde, dass da die Kirche etwas dagegen setzen kann.“

Die erste Ausstellung steht noch aus

Engagement Auch deshalb engagiert sie sich ehrenamtlich, war früher Kirchengemeinderätin und hat eine Seelsorgeausbildung. In ihrer Praxis erlebt sie ebenfalls immer wieder, dass viele Menschen – auch die, die keine Christen sind – sich für Spiritualität interessieren.

„Ich glaube nicht, dass die Bedürfnisse von Menschen in der materiellen Welt alle abgebildet werden“, sagt Barbara Steinlein. Mit ihren Interpretationen der Jahreslosung versucht sie aber genau das. Das sei für sie auch eine Form, die Menschen zu erreichen. „Da habe ich auch einen Auftrag“, meint die Künstlerin.

Zweimal im Jahr gibt sie Malkurse beim evangelischen Bildungswerk nördlicher Schwarzwald im Haus der Kirche in Calw und dort ihre Kenntnisse weiter, zuletzt am 22. Mai.

Die Teilnehmer malten dabei Steinleins Bild eines Seerosenteichs nach: Trotz des einen Motivs entstehen Schritt für Schritt völlig unterschiedliche Kunstwerke, sagt die Schömbergerin. So habe sie selbst auch seinerzeit in Bad Wildbad das Malen gelernt.

Im Laufe der Zeit hat Barbara Steinlein sehr viele Bilder geschaffen. Und auch wenn in ihrem Haus und den Wohnungen ihrer inzwischen erwachsenen Kinder viele davon hängen: Genug für eine eigene Schau hat sie nie behalten. „Eine Ausstellung strebe ich schon an“, meint sie aber lachend – im Haus Bühler in Schömberg, eventuell Ende nächsten Jahres. Es wäre ihre erste.