Yvonne Sell-Wolpert will mit ihren Bildern vor allem Fröhlichkeit versprühen. Foto: Sophie Holzäpfel

Die Rosenfelder Künstlerin Yvonne Sell-Wolpert erschafft Kunstwerke aus Stickereien. Vom 10. bis zum 12. April öffnet sie ihre Schaffensstätte für Besucher.

Vieles hängt bei ihr am seidenen Faden. Mit Nadel und Garn fängt Yvonne Sell-Wolpert Emotionen ein, verleiht ihrer Kreativität Ausdruck, ja, hält Vergängliches fest. Bücher über Pop-Art, die Bauhaus-Epoche und ihre Lieblingskünstler wie Gerhard Richter stapeln sich im Regal.

 

Neben, vor und hinter ihr: Quadrate. In allen Farben. Kleine und große, glitzernde und schlichte. „Ich liebe Quadrate.

Das Geradlinige und Genaue“, sagt die gelernte Verwaltungsfachangestellte. Zur Fadenmalerei kam Sell-Wolpert über ihre Großmutter.

Farbenmeer im Großformat

„Meine Oma war sehr begabt, sie konnte alles, was Handarbeiten angeht.“ Erst nach ihrem Tod, beim Ausräumen des Hauses, habe sie erfahren, dass ihre Großmutter Weißstickerei-Arbeiten verkauft hat. Darunter werden alle Stickarbeiten zusammengefasst, die traditionell mit weißem Garn auf weißem Stoff ausgeführt werden. „Ich habe mit Figuren angefangen und erst mal Sachen nachgestickt. Das war mir aber irgendwann zu langweilig“, sagt Sell-Wolpert. Knapp 20 Jahre ist das her. Mittlerweile schlingt sie Fäden zu farbenprächtigen Kunstwerken. Am Wochenende öffnet sie ihr Atelier für Besucher. Dort zeigt sich die ganze Bandbreite ihrer Arbeiten (siehe Infobox).

Die Rosenfelderin entwirft alles selbst. Die Ideen kommen ihr meist während des Stickens. „Ich arbeite auf verschiedenen Untergründen – seit einiger Zeit vor allem auf Leinwand.“ Ihre Arbeiten sind Fadenmalerei: Bilder, die nicht mit Farbe, sondern mit Garn entstehen. Die Fäden übernehmen dabei die Rolle des Pinselstrichs – mal dicht gesetzt, mal locker geführt, immer entlang einer eigenen, freien Komposition.

„Ich will mit meinen Bildern vor allem Fröhlichkeit versprühen“, sagt Sell-Wolpert. Ihre Überzeugung: Alle Farben passen zueinander. Auch leuchtende, grelle Farben beißen sich nicht. Eine Ausnahme gibt es für sie: „Schwarz und dunkelblau würde ich jetzt nicht miteinander kombinieren.“

Jedes ihrer Bilder hat einen eigenen Rahmen. „Erst dann sind sie fertig. Das Bild bekommt durch den richtigen Rahmen ein Gesicht.“ Bei der Auswahl legt sie Wert auf Beschaffenheit, Struktur und Farbe. Bei manchen ihrer Kunstwerke wirkt der Rahmen ergänzend, bei anderen tritt er bewusst in den Hintergrund.

Etwa bei „Jahre“: Auf 1,10 Meter erstreckt sich ein Farbenmeer. Wie der Titel des Gemäldes bereits erahnen lässt, hat die Künstlerin jahrelang daran gearbeitet. „Für andere Bilder brauche ich einen Monat, aber an diesem habe ich ewig gearbeitet.“ Es sei eines ihrer persönlichen Lieblingswerke, sagt sie und lächelt. Sie setzt darin leuchtend orangene, türkisfarbene und azurblaue Rechtecke nebeneinander. Die Farbspur scheint ins Unendliche zu führen. Manchmal verwendet sie Perlen, Knöpfe oder sogar gläserne Figuren: In „Butterfly“ etwa sitzt ein Schmetterling aus Glas auf türkis-gelbem Untergrund mit grünen Elementen. „Ich wollte seine Farben im Bild aufgreifen.“

Ihre erste Ausstellung in Böblingen liegt mehr als 14 Jahre zurück. „Die Resonanz damals hat mich gewundert.“ Viele Besucher konnten damals kaum glauben, dass es sich um Stickereien handelt, erinnert sie sich. Handarbeit wird häufig noch mit Kissen oder Decken assoziiert – nicht mit Kunst, so die Rosenfelderin. Genau mit dieser Erwartungshaltung spielt Sell-Wolpert. „Das ist es vielleicht auch: dass ich mit meiner Kunst etwas Neues erschaffen will.“ Seither hat sie ihre Werke immer wieder ausgestellt.

„Man kann mit dieser Technik etwas ganz anderes machen.“ Die Arbeit in ihrem Atelier habe eine beruhigende Wirkung. In diesen Stunden sei sie ganz für und bei sich. Nun steht für die Rosenfelderin eine Premiere an: Erstmals beteiligt sie sich an den Europäischen Kunsthandwerkstagen. Vor ihrem Atelier hat sie bereits Staffeleien aufgebaut, im Inneren stehen schon Getränke und Kekse parat.

Für die Teilnahme beworben hat sie sich über die Webseite. Ihre Bekannte, die Reutlinger Schmuckdesignerin Barbara Kollross, habe sie davon überzeugt, es zu versuchen. Vor sechs Wochen erhielt sie die Zusage der IHK: „Ich habe mich riesig gefreut.“ Seitdem habe sie ihre komplette Freizeit auf das bevorstehende Wochenende ausgerichtet. „Ich würde mir wünschen, dass Menschen kommen, die sich dafür interessieren.“ Ja, dass ihre Bilder den Betrachtern ein gutes Gefühl vermitteln. „Und vielleicht ergibt sich dadurch auch die Möglichkeit, mal wieder eine große Ausstellung zu machen“, schickt die Künstlerin noch mit einem Lächeln hinterher.

„Yvonne’s Fadenmalerei“ geöffnet

Künstlerin Yvonne Sell-Wolpert öffnet die Türen ihres Ateliers im Brahmsweg 3 in Rosenfeld am kommenden Wochenende im Rahmen der Europäischen Kunsthandwerkstage. Die Europäischen Kunsthandwerkstage werden von der Industrie- und Handelskammer (IHK) organisiert und bieten bundesweit die Gelegenheit, Kunsthandwerk live zu erleben und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Am Freitag, 10. April, haben Besucher von 14 bis 18 Uhr die Möglichkeit, ihre Bilder anzuschauen und mit der Künstlerin zu sprechen. Am Samstag und Sonntag ist das Atelier von 11 bis 18 Uhr geöffnet.