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Make love Sex-Nachhilfe vom SWR gibt’s nur nachts

Von
Therapeutin Henning besucht ein sexloses Pärchen in Böblingen Foto: SWR

Stuttgart - Niemals sollte der Mensch glauben, er habe ausgelernt. Schlummernde Begabungen können auch noch im fortgeschrittenen Alter erweckt werden. 63 – was sind schon 63 Jahre? So alt ist im Schnitt der Zuschauer des SWR-Fernsehens, das an diesem Mittwoch um 22 Uhr den Sexunterricht für Erwachsene unter dem Titel „Make Love – Liebe ­machen kann man lernen“ startet. Jetzt geht’s lo-ho-os. Seit Tagen stimmen die Boulevardblätter mit Schlagzeilen wie „Schniedel-Casting auf Facebook“ und „So echt war TV-Sex noch nie“ auf diesen medialen Schocker ein.

Die Sex-Therapeutin Ann-Marlene Henning, 48, die unverkrampft durch die Doku führt, war bereits am Mittwochvormittag Gast bei „SWR 1 Leute“. Der Stuttgarter Sender will mit dem MDR „crossmedial“ aufklären, also in Radio, Fernsehen und Internet gleichzeitig. Wie beim Yoga, hat Frau Henning gesagt, könne man den Weg zum Orgasmus erlernen. Was ist das für ein Vergleich? Beim Yogakurs, den ich vor Jahren besuchte, mussten wir uns Matte an Matte drehen und biegen. Und jetzt sollen wir auf Kommando alle im Halbkreis Beckenbodengymnastik machen? Womöglich so eigenwillig, wie dies im Trailer für die Serie ein unter Erektionsstörungen leidender Mittsechziger tut?

Ist aber lustig, wie die forsche Ann-Marlene Henning auf Fremde in der Stadt zurennt und sie fragt: „Haben Sie guten Sex?“ Man sieht verlegen dreinblickende Menschen. Sex wird überschätzt, scheinen ihre Blicke zu sagen, aber wär’ nicht schlecht. Man sollte sich nie über Namen lustig machen. Der amerikanische Sex-Experte, den Frau Henning befragt, heißt Dr. Schnarch. Eingeschlafen ist das Sexualleben von Jessica und Oli aus Böblingen, die nicht mal 30 sind. Stellvertretend sollen sie in der Serie lernen, wie’s wieder funktioniert. Immer dieses Böblingen! Die dortige Kindergesangsgruppe hat, ohne singen zu können, einen Hit im Internet gelandet – und jetzt folgen zwei, die Sex nicht mehr kennen, aus eben ­diesem Gäu. Sie tun dies sehr offen und haben Glück, nicht vorgeführt zu werden.

Nicht nur im Fernsehen zeigt die Lehrerin Henning Tricks und Technik, sondern auch auf der Internetseite www.makelove.de, die nur nachts von 22 bis 6 Uhr freigeschaltet wird. Die Jugendschützer des SWR haben dies verlangt. Damit ­wollen die Verantwortlichen vorbildlich Schüler schützen, die tagsüber schon mit den Filmchen von Youporn auf ihren Smartphones ausgelastet sind. Aber auch uns Erwachsenen wird’s nicht leicht gemacht. Der mediale Wirbel ums Liebemachen im Öffentlich-Rechtlichen ist so groß, dass du mehrere Anläufe brauchst, um nachts auf diese Webseite zu kommen.

Nach etwa zehn Versuchen – im Dienste der Recherche! – habe ich’s auf www.makelove.de geschafft, um auf überraschendes Wissen zu stoßen wie „Mit gestutzten Schamhaaren wirkt ein Penis länger“. Dem Böblinger Pärchen wird empfohlen, den Beckenboden zu finden. Am einfachsten spüre man ihn, wenn man so tut, als müsse man sich das Pinkeln verkneifen.

Da heißt es immer, Sex sei die natürlichste Sache der Welt. Und wenn die Menschen allein mit der Natur sind, geht’s daneben. Aber Achtung, die dänische Sexlehrerin rennt in unsere Runden und will wissen, ob wir guten Sex haben. Dabei weiß jeder: Wer am meisten mit Sex protzt, hat keinen. Nicht alle sind so ehrlich wie die beiden Böblinger. Aber jetzt sucht die Nation ihren Beckenboden. Was die Make-Love-Doku bezwecken soll, ist klar: Make Quote! Laut Umfrage sind nur 51 Prozent der Deutschen zufrieden mit ihrem Sexualleben. Diese Quote darf ruhig noch etwas steigen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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