Zum traditionellen Familienfest am 1. Mai färbte sich der Rheinfelder Kastanienpark in solidarischem Rot. Betont wurde die Bedeutung dieses Tages für Arbeitnehmer.
Verschiedene Gewerkschaften nutzten am Freitag die Gelegenheit, zum Tag der Arbeit gemeinsam in die Öffentlichkeit zu gehen.
Im Kastanienpark vor dem Rheinfelder Rathaus positionierten sie sich für ihre Werte und nahmen dazu im Gespräch auch gerne Stellung. Denn noch immer seien die Gleichstellung von Frau und Mann oder die Toleranz gegenüber Menschen, die sich nicht im binären Rollenverständnis finden, nicht überall angekommen. Doch auch die originäre Aufgabe – der Kampf für Arbeitnehmerrechte – füllt weiterhin die Agenda.
OB Eberhardt lobt Verdi
In seinem Grußwort dankte Rheinfeldens Oberbürgermeister Klaus Eberhardt namentlich der Gewerkschaft Verdi, die für die Zufriedenheit der Rathausmitarbeiter kämpfe. Die IGBCE sei mit den Betrieben engagiert, produktiv zu bleiben. „Die Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital. Damit sie ihre Rechte und Lebensqualität beibehalten, dafür setzt sich der Erste Mai ein“, erinnerte der SPD-Oberbürgermeister.
„Polykrise“ schlägt durch
Der Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Daniele Cipriano, sprach als Hauptredner von der Fortsetzung der „Polykrise“ durch den Krieg im Iran, der dort Tod und weltweit für Teuerung sorge. Das führe zu Anspannungen und Verunsicherung. „Uns fehlen verlässliche Rahmenbedingungen durch die Politik“, beklagte Cipriano und betonte die Forderung des DGB: „Erst die Jobs, dann die Profite.“ Dazu gehören für ihn Bekenntnisse zu den Standorten. Ein wichtiger Punkt sei das seit dem 1. Mai geltende Bundestariftreuegesetz, das öffentliche Aufträge nur noch an Firmen vergeben lässt, die tarifliche Löhne bezahlen.
Jede zweite Überstunde wird nicht vergütet
Angesichts von rund 1,3 Milliarden Überstunden im Jahr 2022, wovon mehr als die Hälfte nicht bezahlt worden seien, kritisierte er die Forderung von Politik, Arbeitgebern und Medien nach noch mehr Arbeitsleistung. „Hände weg vom Acht-Stunden-Tag“, rief er den rund 250 Besuchern energisch zu. Hierzu verteilten die Organisatoren auch Postkarten, adressiert an das Berliner Kanzleramt, und ließen Ballons in die Luft steigen.
An die Gesundheit denken
Auch gesundheitliche Aspekte sprächen für die Beibehaltung des Acht-Stunden-Tags, sagte Cipriano. In diesem Zusammenhang kritisierte er die aktuellen Pläne und Beschlüsse zu Änderungen im Gesundheitssystem. „Das ist eine Belastung statt Entlastung. Wir brauchen eine bezahlbare Gesundheit für alle.“ Dies sei mit den Vorschlägen der Gewerkschaften möglich. Er forderte ein Ende der Debatten über den Sozialstaat, denn dieser sorge für die Sicherheit der Menschen.
Alleinstehende sind von Altersarmut bedroht
Den Abschluss der Veranstaltung bildete der Austausch von ehrenamtlichen Gewerkschaftsvertretern, moderiert von IGBCE-Bezirksleiterin Sonja Dif. Stephanie Lamprecht (IGBCE) kritisierte, dass nur mit verlässlicher Kinderbetreuung Frauen in die Vollbeschäftigung zurückkehren können. Dies sei für Alleinstehende ein wichtiger Punkt im Kampf gegen die Altersarmut. Hierzu ergänzte Cipriano als Verdi-Vertreter, dass alleine lebende Menschen durch die Kosten für Wohnraum zunehmend belastet würden.
Ralf Wittmann (IBGCE) kritisierte, dass viele Firmen bisher ihr Geld in Dividenden anstatt in die eigene Entwicklung gesteckt hätten. Er lobte das Tariftreuegesetz, dass das Geld nun vor Ort auch reinvestiert werden könne.