Zum 199. Mal seit Kriegsbeginn am 26. Februar 2022 in der Ukraine haben sich Menschen in Trossingen zur Mahnwache. Foto: Kohler

Es ist ein Zusammenkommen vor dem Rathaus für Demokratie und Freiheit sowie Solidarität für Menschen, die nicht in Freiheit leben.

Schon zwei Tage nach Kriegsbeginn in der Ukraine, am 26. Februar 2022 wurde auf Initiative der BI Schura die erste Mahnwache auf dem Rudolf-Maschke-Platz mit rund 50 Menschen abgehalten. Seither finden jeden Freitag – mit zwei Ausnahmen an Karfreitag und einem Weihnachtsfeiertag – Mahnwachen statt.

 

Vier Jahre nach Kriegsbeginn in der Ukraine war es am 27. Februar die 199., zu der rund 40 Menschen zusammengekommen waren. Es waren Menschen, die sich wie Wolfgang Steuer vom „Trossinger Forum Demokratie und Grundrechte“ gegen „rechts“ wandten. „Wir stehen da für Demokratie und Freiheit, sowie Solidarität für Menschen, die nicht in Freiheit leben“, betonte Steuer. „Unsere Stimme für den Frieden, unser Mitgefühl den Opfern der Kriege“, stand auf dem Plakat in der Mitte des Rathausplatzes, daneben Kerzen und weiße Rosen.

Mit Bannern, Fähnchen und Plakaten brachten die im Kreis Stehenden ihre Solidarität zum Ausdruck. So stand auf den Plakaten zu lesen: „Menschenwürdig ist, jungen Menschen ein Leben zu geben, statt es ihnen in Kriegen zu nehmen oder sie zu verstümmeln“ und auch „Besser lange verhandeln als schießen und töten und zerstören“. Auch einige junge Ukrainer waren anwesend. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von drei jungen Musikstudenten des Hohner-Konservatoriums, mit Musik aus ihrem Heimatland, der Ukraine. Auch ihr Dozent, Wladimir Maretschko ist gebürtiger Ukrainer.

„Am 24. Februar 2022 begann Putin die spezielle Militäroperation mit einem blutigen Krieg, brutal, ohne Achtung der Menschenrechte“, blickte Wolfgang Steuer zurück. „Wir stehen hier aus Protest gegen Krieg und militärischer Gewalt“, aber auch in Solidarität für Menschen, die geflohen seien. Er erinnerte auch daran, dass im Krieg Journalisten einen hochgefährlichen Job ausüben. So sei es schwer zu verkraften, dass eine ukrainische Journalistin in russische Gefangenschaft gekommen, dort schwer gefoltert und umgekommen sei.

Nachdem eine Postkarte von Margot Friedländer, einer erst kürzlich verstorbenen Überlebenden und Zeitzeugin des Holocausts, mit der Aufschrift „Ihr müsst Menschen sein, nichts weiter“, die Runde gemacht hatte, sagte Wolfgang Steuer: „Die Mahnwachen gehen weiter – jeden Freitag um 17.30 Uhr hier auf dem Rathausplatz. Jeweils 30 Minuten Stille, unterbrochen durch kleine Redensbeiträge und gelegentlich Musik.“