Frostiger Frühling auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Der März 2013 hat als Frühlingsmonat versagt. In der Fotostrecke sehen Sie weitere Impressionen vom vereisten Brunnen und Bilder unserer Leserfotografen, die trotz der Kälte Frühlingsboten gefunden haben. Foto: dpa

Frühling ist’s – nur leider hat es niemand gemerkt. Der März, aus Meteorologensicht der erste Frühlingsmonat, kam 2013 recht winterlich und grau daher. Schnee, Graupel, frostige Temperaturen. Wer eigentlich im Garten werkeln wollte, saß notgedrungen neben der Heizung. Dort sitzt er immer noch.

Stuttgart - Das wichtigste Startsignal für den Frühling ist jedes Jahr aus der Wilhelma zu vernehmen, wenn dort die Blüten der Magnolien aufplatzen. „Oft ist das schon Mitte März der Fall“, sagt Wilhelma-Sprecherin Karin Herczog. Doch auch der Normaltermin Ende März ist im größten Magnolienhain Europas lautlos verstrichen. „Da rührt sich noch nicht so richtig viel“, sagt Karin Herczog. Ihr hätten aber Mitarbeiter der Parkpflege wenigsten etwas Hoffnung gemacht: „Mitte April ist diesmal das früheste realistische Datum für die Magnolienblüte.“ Geduld ist also gefragt.

Mit der Geduld und teilweise auch mit den Nerven am Ende sind indes viele Gärtnereibetriebe. Thomas Vohrer, der als Geschäftsführer des Württembergischen Gärtnereiverbands für über 800 Mitgliedsbetriebe spricht, von denen die Hälfte Zierpflanzen produziert, berichtet aktuell von „erheblichen Absatzproblemen“. Besonders bei den etwa 300 Betrieben „hat es im Verlauf der Frühjahrsblüte dramatische Einbrüche gegeben“. Schuld daran ist die fehlende Sonne. „Denn die Sonne ist unser bester Verkäufer.“

Unter schützendem Glas wurden in den vergangenen Wochen hektarweise Primeln, Stiefmütterchen, Bellis, Narzissen oder Ranunkeln zum Blühen gebracht, nur die Nachfrage blieb aus. „Wegen Kälte, Schnee und Nachtfrösten war der Kunde bisher nicht motiviert, etwas in den Garten zu pflanzen“, betreibt Rüdiger Walz Ursachenforschung. Der Gärtner, der in Weilimdorf mit 17 Mitarbeitern auf 2,5 Hektar Frühjahrsblüher in Gewächshäusern kultiviert, bleibt auf vielen seiner Pflanzen sitzen. „Die Ware liegt wie Blei in den Läden.“ Seinen eigenen Verlust schätzt er auf 30 bis 40 Prozent der Produktion.

„Es gibt Betriebe, die jetzt bis zu sechsstellige Verluste schreiben“

Rüdiger Walz steht damit nicht allein. Als Vorsitzender der Fachgruppe Zierpflanzenbau im Gärtnereiverband Württemberg und stellvertretender Bundesvorsitzender weiß er, dass es viele Kollegen noch härter getroffen hat. „Wir haben europaweit, sprich in Frankreich, England und Polen, das gleiche Bild.“ Am schlimmsten aber sei es wohl in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Richtig schlimm hätte es aber auch einige Kollegen in Württemberg erwischt, meint Thomas Vohrer. „Es gibt Betriebe, die jetzt bis zu sechsstellige Verluste schreiben“, sagt der Geschäftsführer des Gärtnereiverbands: „Es wird zurzeit für einen teuren Kompost produziert.“

Für Gärtner und Gartenfreunde war der März diesmal auch deshalb besonders unerquicklich, weil bereits der Vormonat Februar alles andere als angenehm war. Mit nur 34 Sonnenstunden war er so trübe und dunkel wie kein Februar seit 1951.

Wettertechnisch war denn auch der eben zu Ende gegangene März wenig mehr als ein schlechter Scherz. Abgesehen von ersten Drittel präsentierte sich der angebliche Frühlingsmonat deutlich unterkühlt. Wo in Normaljahren die Sonne lacht und die Temperaturen den Sprung über die 20-Grad-Marke schaffen, blieb diesmal oft nur das kalte Grauen. Das Resultat lässt frösteln: Während die langjährige Durchschnittstemperatur bei 5,3 Grad Celsius liegt, schaffte es der März 2013 gerade mal auf 2,9 Grad. Verglichen damit präsentierte sie der Monat im Vorjahr mit 8,9 Grad geradezu mollig.

Spärlicher Sonnenschein

Trotzdem gab es seit 1950 auch kühlere Märzausgaben. 1958 lag die Durchschnittstemperatur bei nur 1,4 Grad Celsius. Gemeinsam mit dem März 1964 schaffte es die aktuelle Ausgabe des Monats auf Platz sieben der Kälterangliste. Das lag auch am spärlichen Sonnenschein. Mit 102 Stunden wurden lediglich 82 Prozent des Normalwerts erreicht. Bei den Niederschlägen ging es noch sparsamer zu. 21,9 Liter pro Quadratmeter bedeuten nur 55,9 Prozent des Normalwerts von 39 Liter.

An insgesamt neun Tagen kam der Niederschlag im März in Form von Schnee und Graupel herunter. Eine weitgehend geschlossene Schneedecke wurde nach dem 13 März und dann wieder am 26. März registriert. Emotional den Tiefpunkt dürfte der März 2013 am letzten Tag erreicht haben. Der Ostersonntag, der gleichzeitig den Beginn der Sommerzeit markierte, zeigte sich von seiner garstigen Seite. So mancher Osterspaziergang fiel ganz aus. Wer sich trotzdem vom warmen Ofen weg und hinaus wagte, durfte sich im Nebel und im kalten Sprühregen einen anschließenden Glühwein verdienen.