Führt unkontrollierter Wettbewerb und die Ignoranz des Märkte- und Zentrenkonzepts in Lörrach zu besseren Lösungen? Sicher nicht – das lässt sich belegen.
Bei der voraussichtlichen Entwicklung des Koechlin-Areals und der Debatte um die Zukunft des Kalbacher-Geländes in der Schlachthofstraße kommt den stadtplanerischen Leitplanken des Märkte- und Zentrenkonzepts (MZK) eine wichtige Funktion zu.
Seit über 25 Jahren belastbar und erfolgreich
Wie zuletzt häufiger der Fall, ist das MZK in den städtischen Gremien Anfechtungen ausgesetzt. Dabei hat es sich in den vergangenen rund 25 Jahren als äußerst belastbar und erfolgreich erwiesen. Insbesondere angesichts der für die Kalbacher-Fläche im Raum stehende Investitionssumme – im Ausschuss war die Rede von 40 Millionen Euro – wird Druck auf die Stadt ausgeübt.
Die Verwaltung läuft Gefahr, als investitionsfeindlicher Verhinderer wahrgenommen zu werden und mit dem MZK ein Instrument anzuwenden, das angesichts der Herausforderungen der Zeit zu unflexibel sei.
Märkte- und Zentrenkonzept schafft Verlässlichkeit
Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Das MZK hat sich als zentrales Instrument der Einzelhandelssteuerung bewährt: Es legt fest, nach welchen Kriterien Einzelhändler in Lörrach angesiedelt werden und bildet damit eine Basis der kommunalen Stadtplanung. Diese bietet Investoren und Betrieben damit Verlässlichkeit.
Bewertung der Sachlage auf solider Grundlage
Die Verwaltung hat am Donnerstagabend abermals deutlich gemacht, dass ihre Bewertung der Sachlage auf Grundlage des MZK keine Frage individueller Vorlieben städtischer Mitarbeiter ist. Die Bewertung orientiert sich zum einen an einer datenbasierten Analyse. Und zum anderen entlang geltender Rechtsprechung.
Wenn ein Anbieter profitiert, wird ein anderer verlieren – in Lörrach
Aber selbst unabhängig davon, dass die bislang öffentlich gemachten Überlegungen für das Kalbacher-Areal so offenbar nicht umgesetzt werden dürfen, könnte allen Beteiligten klar sein, dass immer mehr unkontrollierter Wettbewerb nicht automatisch zu immer besseren Ergebnissen führt. Darüber hinaus gilt – auch Stadtrat Thomas Hengelage hat dies betont: Kaufkraft ist endlich. Wenn ein Anbieter profitiert, wird ein anderer verlieren – in ein und derselben Stadt.
Das MZK ist ein Stabilitätsfaktor, der Erfolg für eine Stadt gesamthaft als Langfristprojekt denkt und nicht auf den schnellen Effekt setzt. Es basiert auch auf dem Leitgedanken, auch Mal „nein“ zu sagen, wenn es perspektivisch Sinn ergibt.
Ein zu großer Markt in Haagen könnte Henle in Brombach gefährden
Beispiel Haagen: Würde auf dem ehemaligen Quelle-Areal ein Lebensmittelmarkt zugelassen, der deutlich über die von der Stadt festgelegte Größe hinaus geht, könnte dies den Brombacher Markt der Familie Henle gefährden und in Tumringen „Kaisers Gute Backstube“ sowie den benachbarten „Vita-Biomarkt“ und die Metzgerei Hug. Wäre das im Sinne Lörrachs? Nein. Das Fehlen verlässlicher Rahmenbedingungen würde die Investitionsbereitschaft langfristig eher mindern und gleichzeitig die Unsicherheit erhöhen.
Darüber hinaus zeigt das Beispiel Haagen, dass Stadt und MZK keineswegs so unflexibel sind, wie gelegentlich behauptet wird. Dort hält die Kommune für die Nahversorgung auch einen Markt für möglich, dessen Verkaufsfläche 800 Quadratmeter überschreitet – wenn die städtebauliche Anbindung überzeugt.
Lörrach könnte sich abermals dynamisch weiterentwickeln
Unterm Strich aber gilt vor allem mit Blick auf die innenstadtnahen Möglichkeiten: Nimmt man eine großzügigere Flughöhe ein, ist es ermutigend, wie dynamisch die Entwicklung der Lerchenstadt weitergehen könnte. Auf dem alten Klinik-Gelände befindet sich ein spannendes Wandel-Areal in unmittelbarer Innenstadtnähe. Und auch auf dem Koechlin-Gelände wird nun ein Entwicklungsprozess mit Gewerbe, Dienstleistung, Bildung und Wohnen angestoßen. Zudem könnte dort im etwas weiteren Innenstadtumfeld ein neues Großkino entstehen. Und dann ist da ja noch im Nordosten das neue Zentralklinikum...
Das gesamte Gebiet südlich der Innenstadt zwischen Basler und Wiesentalstraße könnte sich wandeln. Und Lörrach abermals einen Schritt nach vorne machen. Wichtig ist unterdessen, dass auch die Firma Kalbacher ihre Fläche entwickeln kann. Und zwar so, das es im gesamtstädtischen Kontext verträglich ist.