Seit Sommer ist Florian Sieber neben Wolfrad Bächle Märklin-Geschäftsführer. Foto: Reich

Im März hat Deutschlands größter Spielwarenkonzern Simba Dickie den Modellbahnbauer Märklin gekauft. Seit Sommer ist Florian Sieber dort  neben Wolfrad Bächle Geschäftsführer.

Im März hat Deutschlands größter Spielwarenhersteller Simba Dickie den Modellbahnbauer Märklin gekauft.  Seit Sommer ist Florian Sieber dort  neben Wolfrad Bächle Geschäftsführer. 
 
Göppingen - Herr Sieber, als Sternzeichen sind Sie Löwe. Diese sollen „siegessicher, intuitiv und schöpferisch“ sein. Was trifft auf Sie zu?
Ich glaube zwar nicht an Horoskope, denke aber, dass ich bei Spielwaren eine ganz gute Intuition habe. Mein Vater ist Chef des Spielwarenherstellers Simba Dickie. Mein Zimmer war früher voll von Spielwaren. Da mir das Thema in die Wiege gelegt worden ist, habe ich ein ganz gutes Händchen dafür und viele Ideen, wie ein erfolgreiches Spielzeug aussehen muss. Siegessicher bin ich auch: Mit Märklin sind wir auf dem richtigen Weg.
Löwen sollen auch Schwächen haben. Sind Sie „wichtigtuerisch, exzentrisch, dramatisch“?
Ich bin sicher nicht ohne Makel, aber diese Eigenschaften treffen nicht auf mich zu.
Welchen Makel haben Sie denn?
Darüber muss ich nachdenken. Kann ich diese Frage zurückstellen?
Na gut. Sie haben von Ihrer Kindheit gesprochen. War das eine unbeschwerte Zeit, oder war schon früh klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihres Vaters treten sollen?
Mein Vater hat versucht, manche Stellhebel so zu bewegen, dass ich mich in die richtige Richtung entwickle. Er hat mir aber keine bestimmte Laufbahn aufgezwungen.
Und jetzt sind Sie mit 28 Jahren Chef bei Märklin. Empfinden Sie es eher als Fluch oder als Segen, der Sohn von Ihrem Vater zu sein?
Der Job ist eine tolle Gelegenheit, mich weiterzuentwickeln. Gerade in einem Unternehmen wie Märklin kann ich viel lernen. Allerdings bin ich auch plötzlich mit vielen Bereichen konfrontiert, die man nicht an der Uni lernt wie etwa Verhandlungsführung oder Personalthemen. Ich stehe aber nicht allein da.

Wir werden das ursprüngliche Umsatzziel nicht erreichen

Ist Märklin das Testgelände, auf dem Sie für die Rolle als Nachfolger Ihres Vaters in der Simba-Dickie-Gruppe üben können?
Das wäre eine schlechte Idee. Die Aufgabe ist sehr anspruchsvoll und die Verantwortung für die Mitarbeiter und die Marke Märklin groß. Als Familienunternehmer sieht mein Vater auch darin eine große Verantwortung, sein Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation zu führen. Daher hat er die Weichen für die Simba Dickie Group schon früh gestellt und langfristig geplant. Ich bin der älteste Sohn meines Vaters, mein Bruder ist acht Jahre jünger, und meine Schwester hat sich bisher für eine Karriere jenseits der Gruppe entschieden. In viele Aufgaben bin ich schon seit meiner Schulzeit und während der Ausbildung hineingewachsen. Mein Vater hat im Stammsitz in Fürth bereits kommuniziert, dass ich sein designierter Nachfolger bin.
Ihr Vater ist jetzt 57 Jahre alt. Meinen Sie, er wird eines Tages loslassen können?
Ich habe das Gefühl, er will es anders machen als sein eigener Vater. Mein Großvater hat seine Arbeit wirklich geliebt. Das ist großartig, hat aber auch negative Seiten. Er konnte nicht loslassen, er konnte sich nicht wirklich entspannen. Diesem Beispiel will mein Vater nicht folgen. Wir haben aber kein fixes Datum, wann eine Übergabe stattfinden soll. Das wird sich alles ergeben. Im Moment konzentriere ich mich voll und ganz auf meine Aufgabe in Göppingen.
Gefällt es Ihnen hier?
Ja. Allerdings ist Göppingen natürlich etwas kleiner als Nürnberg oder Fürth, und mein Freundeskreis ist weit entfernt.
Umso leichter fällt es Ihnen, rund um die Uhr zu arbeiten.
(Lacht) Das stimmt. Wenn ich abends platt nach Hause komme, freue ich mich nur noch auf mein Bett.
Märklin wurde 2009 vom Insolvenzverwalter Michael Pluta auf Kurs gebracht und in den vergangen Jahren von Stefan Löbich geführt. Wie wollen Sie eigene Spuren hinterlassen?
Michael Pluta und der Insolvenzgeschäftsführer Kurt Seitzinger haben einen guten Job gemacht. Allerdings sind sie keine Branchenprofis. Unsere Produktkenntnisse und Erfahrung in der Spielwarenbranche müssen wir nutzen, um den richtigen Produktmix für die Zukunft zu formen. Dort müssen wir ansetzen, und ich kann auf eine tolle Mannschaft bei Märklin bauen. Was Märklin etwa mit der Kinderlinie „My World“ begonnen hat, müssen wir optimieren.
Was heißt das?
Es fehlt noch an Spielwert. Es reicht nicht, wenn das Kind einen Kreis hat, auf dem die Eisenbahn rumfährt, aber sonst nicht viel passiert. Wir wollen den Kindern die Möglichkeit geben, ihr ganzes Zimmer mit Schienen vollzupflastern, damit sie ihre eigene kreative Welt erschaffen können. Wir denken da an Bahnhöfe, Häuschen oder vielleicht Figuren. Wir wollen das Produkt mehr zur Spielware machen und uns von der Modelleisenbahn lösen. Der Titel „My World“ (Meine Welt) trägt das Konzept ja schon im Namen. Es wurde bisher nur noch nicht konsequent umgesetzt.
Wie ist bisher das Geschäftsjahr verlaufen?
Recht stabil. Der Umsatz wird etwas höher ausfallen als 2012. Damals lagen die Umsätze bei 107 Millionen Euro.
Die Planung für 2013 sieht einen Umsatz von 112 Millionen Euro vor.
Wir werden das ursprüngliche Umsatzziel nicht erreichen. Wir haben uns im Sommer bewusst dafür entschieden, die Umsatzprognose zu senken. Hintergrund ist, dass bei Märklin in der Vergangenheit zum Jahresende hin verstärkt Rabatte an den Handel gegeben wurden, um die Planumsätze zu erreichen. Nur aufgrund dieser Rabatte hat man es geschafft, die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Wir nehmen die Rabatte aber als sehr negativ wahr.

"Durch Rabatte schaden wir der Marke"

Warum?
Unsere Sammler ärgern sich, wenn sie am Anfang des Jahres eine hochwertige Lokomotive für ein paar Hundert Euro kaufen, und am Ende des Jahres wird sie 20 Prozent günstiger angeboten. Wir dürfen den Wert unserer Produkte nicht durch Rabatte zunichtemachen. Dadurch schaden wir der Marke und verlieren unsere Glaubwürdigkeit. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, dass wir künftig auf die Umsätze aus solchen Notverkäufen verzichten.
Jetzt gibt es gar keine Rabatte mehr?
Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg möchten wir unseren Händlern vorteilhafte Einkaufsbedingungen bieten. Dort müssen wir den Kunden Anreize bieten, damit sie so früh wie möglich ihre Bestellungen aufgeben. Nur so erhalten wir eine rechtzeitige ­Informationsgrundlage, die uns hilft, eine optimale Produktionsmenge festzulegen.
Herr Sieber, nun hatten Sie Zeit zum Nachdenken. Welche Schwächen haben Sie?
(Lacht) Schade. Ich dachte, Sie würden es vergessen. Momentan habe ich das Problem, dass ich mich auf alle Themen gleichzeitig stürzen will. Ich muss mich zielgerichtet auf bestimmte Themen konzentrieren und Prioritäten setzen.
Sie können schlecht delegieren?
Daran muss ich noch etwas arbeiten, ja.
Ähneln Sie da Ihrem Vater?
Mein Vater beschäftigt sich sehr gern im ­Detail mit vielen Themen. Das finde ich aber gut, da er viel Erfahrung hat. Er hat das Unternehmen erfolgreich gemacht.
Bewundern Sie Ihren Vater?
Definitiv. Er hat das Unternehmen 1982 mit meinem Großvater gegründet und es in recht kurzer Zeit zum größten deutschen Spiel­warenhersteller gemacht. Das ist eine bemerkenswerte Leistung. Bei meinem Vater stand das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns immer an erster Stelle, er hat ganz klare ­Moralvorstellungen, von denen er nie abgewichen ist. Dafür schätze ich ihn sehr.
Also waren Sie stets ein fleißiger Mustersohn, oder haben Sie Ihren Eltern auch mal Kopfschmerzen bereitet?
(Lacht) Oh doch, solche Momente gab es einige. Während meiner Schul- und Studienzeit war ich nicht unbedingt der Fleißigste, ich hätte mich ein wenig mehr ins Zeug legen können.