Ungewöhnlich ja, überkandidelt nein: Der preisgekrönte Designer Peter Maly hat wieder für die Spaichinger Klaviermanufaktur Sauter gearbeitet.
Aus baden-württembergischer Sicht hat das Städtchen Spaichingen im Kreis Tuttlingen mindestens drei Besonderheiten: ein ehemaliger Ministerpräsident (Kretschmann) kam zur Welt, ein anderer (Teufel) war acht Jahre lang Bürgermeister. Und sodann baut Sauter, die älteste noch produzierende Pianomanufaktur der Welt, dort Klaviere und Flügel – seit 1819 zu „100 % made in Germany“, wie das Unternehmen stolz betont. Das unterscheidet Sauter von anderen, die zum Beispiel im fernen Osten fertigen.
Mickey-Mouse-Flügel von Steinway
Mit sämtlichen Mitbewerbern gemein haben die Spaichinger indes die Sorgen um die tiefgreifenden Veränderungen des Marktes. Gab es vor 100, 150 Jahren einst allein im Raum Stuttgart mindestens fünf Dutzend Klavierbauer, so listet der Bund deutscher Klavierbauer heute nur noch elf deutsche Hersteller auf – die zum Teil sehr zu kämpfen haben. Umso wichtiger ist es, mit neuem Äußeren neue Märkte zu erschließen. Steinway etwa hat – das ist kein Witz! – einen Mickey-Mouse-Flügel herausgebracht, Bechstein will mit Louis XV und ganz viel Gold punkten, Bösendorfer hofft, dass Audi- und Porsche-Fahrer auf Vollgas-Ästhetik stehen, und Schimmel führt eh mit Luigi Colanis Pegasus die ewige Hitliste der – vorsichtig ausgedrückt – ungewöhnlichsten Flügel an.
Doch während man sich die meisten dieser Instrumente nur bei Oligarchens zuhause vorstellen kann (es müssen schon sehr viel Geld und ein ganz spezieller Geschmack zusammenkommen), geht Sauter mit dem preisgekrönten Designer Peter Maly (89) einen anderen Weg: ungewöhnlich ja, überkandidelt nein. Seit 30 Jahren arbeitet Maly schon mit den Spaichingern zusammen, aus diesem Anlass wurde jetzt das Jubiläumsmodell „Alea“ präsentiert. Auf dass die Würfel für die Firma günstig fallen mögen.