Interessen der Kinder sollten in der Schulpolitik Vorrang haben. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

Mehr Macht für Eltern in der Schulpolitik? Bitte nicht, findet unsere Autorin Annika Grah.

Schon vor Weihnachten machte der Landeselternbeirat sich Luft: Die Lehrerverbände seien zu dominant, Eltern bräuchten ein Veto in der Schulpolitik. Ernsthaft? Man stelle sich vor, wo das hinführen würde, wenn jeder Verband in seinem Politikfeld ein Stoppschild hochhalten dürfte: Absoluter Stillstand. Demokratie funktioniert anders. Im Austausch miteinander und in der Diskussion und im Ringen um die beste Lösung.

 

Mehr Mitsprache ist keine Lösung

In dem Sinne ist die Forderung des Elternbeirats und die Klage über die zu starken Lehrerverbände entlarvend. Viel zu oft arbeiten Eltern und Lehrer, aber auch Eltern und Eltern, gegeneinander – anstatt zu sehen, dass gute Schulpolitik Lehrer und Schüler gleichermaßen berücksichtigt. Und viel zu oft hat eine Seite auch nur die eigenen – meist auch sehr kurzfristigen – Anliegen im Blick. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat recht, wenn er die mangelnde Kooperation zwischen Lehrern und Eltern beklagt.

Mehr Mitsprache wird das Problem nicht lösen, vor allem, wenn nur eine Seite mehr Gewicht bekommt, um ihre – vermeintlich (ge-)wichtigeren – Anliegen zu verteidigen. Gerade unter den Eltern haben diejenigen, die die (finanziellen) Ressourcen haben, sich zu beteiligen, nicht unbedingt die Interessen von allen im Gepäck. Mehr Miteinander würde hingegen auch dazu führen, dass auch die Interessen der weniger lauten Stimmen berücksichtigt werden.