Karina Nerpel und Hermann Feist freuen sich, dass die Villa Jamm nun über einen Konzertflügel verfügt. Foto: Redaktion

Kreative verlegen wieder für bis zu vier Wochen ihr Atelier in das historische Gebäude im Stadtpark. Das Jahresprogramm der Kulturinitiative enthält aber noch mehr.

Wer in diesen Tagen die Villa Jamm betritt, kann schon auf den ersten Blick erahnen, dass alles bereit ist für die neue Saison. Denn die Bilder für die Gemeinschaftsausstellung der neuen Residenzkünstler hängen bereits an den Wänden. In diesem Jahr sind es neun Kreative, die das denkmalgeschützte Gebäude im Stadtpark für bis zu vier Wochen zu ihrem Atelier machen. Eine Auswahl ihrer Werke ist während der gesamten Saison – vom 17. Mai bis zum 13. September – in der Villa zu sehen.

 

Auch alle anderen Vorbereitungen sind abgeschlossen, die neue Saison – die vierte der Kulturvilla – mit insgesamt 61 Veranstaltungen kann also beginnen. Zu verdanken ist das in erster Linie Hermann Feist, Vorsitzender der Kulturinitiative Villa Jamm, und seiner Stellvertreterin Karina Nerpel. Auf ihren Schultern lastete die meiste Arbeit, die erforderlich war, um das Programm auf die Beine zu stellen.

Kultur darf nicht elitär sein, ist Feist überzeugt

Bis zu seinem Ruhestand im Januar 2022 war Feist mehr als 30 Jahre Bezirkskantor an der Stiftskirche, war somit eine prägende Figur des kulturellen Lebens in Lahr – und ist es heute noch, nun als treibende Kraft der im Februar 2023 als Verein gegründeten Kulturinitiative Villa Jamm. Auf die Frage, weshalb ihm dieses Ehrenamt wichtig ist, betont er, dass die Villa in der Saison ein offenes Haus sei: Stadtparkbesucher könnten dort (zu den regulären Öffnungszeiten) vorbeischauen und mit den Künstlern ins Gespräch kommen. Die Gäste könnten zuhören, aber auch selbst kreativ werden, denn man werde wieder zahlreiche Mitmachangebote im Programm haben. So erhalten die Teilnehmer „Zugang zur eigenen Kreativität“, sagt Feist.

Ihm ist auch die Feststellung wichtig, dass Kultur „nichts Elitäres“ sein sollte, sondern im Leben aller Menschen eine bedeutende Rolle spielen kann – wenn man es ihnen möglich macht.

Karina Nerpel studierte Kunst sowie Religion und war bis zu ihrem Ruhestand vor drei Jahren Grundschullehrerin an der Eichrodtschule. Auf die Frage nach den Motiven für ihr Engagement in der Kulturinitiative antwortet sie, dass sie „der Gesellschaft etwas zurückgeben“ wolle. Der Kontakt mit Menschen gefalle ihr, früher mit ihren Schülern, nun mit dem Publikum und den Künstlern in der Villa Jamm. Es sei spannend, sich mit den kreativen Köpfen auseinanderzusetzen.

Nerpel, die in der regionalen Kunstszene über viele Kontakte verfügt, war wieder dafür zuständig, die Residenzkünstler an Bord zu holen. Für sie sind in der Villa wie gewohnt zwei Räume als Atelier vorgesehen, eines gleich links hinter dem Eingang – mit dem markanten roten Sofa –, das andere im ersten Obergeschoss. Währen der gesamten Saison werden so jeweils zwei Künstler in der Villa tätig sein.

Die regelmäßigen Besucher können sich dabei auf neue Gesichter freuen, hebt Nerpel hervor – demnach werden Künstler einziehen, die dort bisher nicht aktiv waren. Die meisten kommen aus der hiesigen Region. Den Anfang machen vom 21. Mai bis zum 14. Juni Peter Götz, ein kabarettistischer Zeichner aus Karlsruhe, und der freischaffende Kunstmaler Viktor Knack aus Freiburg.

Künstler haben die Chance, ihre Arbeiten zu verkaufen

Es sei nicht schwer gewesen, die Residenzkünstler zu verpflichten, so Nerpel, denn die guten Bedingungen in der Villa Jamm hätten sich herumgesprochen. Kreative könnten sich dort zahlreichen Menschen vorstellen, ihre Arbeiten zeigen und eventuell auch verkaufen. Außerdem erhalten sie eine Aufwandsentschädigung von 800 Euro.

Feist und Nerpel führten die Pressevertreter durch die Villa, deren Vergangenheit als Museum nicht zu übersehen ist. Denn noch immer gibt es Vitrinen mit ausgestopften Tieren oder der städtischen Mineraliensammlung. In den meisten Räumen fühlt man sich aber in eine Kunstgalerie versetzt – an den Wänden ist die Gemeinschaftsausstellung der neuen Residenzkünstler zu sehen .

Im Obergeschoss gibt es einen größeren Raum, der für Konzerte und andere Veranstaltungen gedacht ist. In seinem Zentrum steht ein hochwertiger Flügel, die neueste Errungenschaft der Kulturinitiative Villa Jamm. Das mehr als 100 Jahre alte Instrument ist ein Geschenk der Stadt Steinach, es wurde in der dortigen Musikschule eingesetzt.

Debra Schröter aus dem Kinzigtal hat den Flügel farblich neu gefasst – in einem Ton zwischen Grün und Türkis –, der Schutterwälder Klavierrestaurator Manuel Gillmeister die Mechanik vollständig überholt. Allerdings sind dafür Kosten von 8000 Euro aufgelaufen, die die Kulturinitiative Villa Jamm in dieser Saison durch mehrere Benefizkonzerte wieder hereinzuholen hofft.

Eine feste Einrichtung in diesem Sommer ist auch die Minibühne. Dabei zeigen freitags vom 12. Juni bis 10. Juli jeweils ab 16.45 Uhr junge Instrumentalisten im Saal der Villa (oder bei schönem Wetter auf einer der Terrassen) in einem kurzen Auftritt, was sie können. Betreut wird die Minibühne von Opernsängerin Tatjana Charalgina und Lehrerin Marion Marion Matter von der städtischen Musikschule.

Auch darüber hinaus ist sehr viel geboten – in der Villa Jamm sind Künstlergespräche, Lesungen, Workshops, Mitmachateliers, Märchenstunden und Schreibwerkstätten geplant. Alles bei freiem Eintritt, die Besucher müssen nur den Eintritt in den Stadtpark bezahlen. Das alles sei nur möglich, weil man gut unterstützt werde, betont Feist und nennt die Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg-Ortenau, die Bürgerstiftung Lahr – Reichswaisenhaus 1885, das E-Werk Mittelbaden, den Arena-Einkaufspark und namentlich Unternehmer Martin Herrenknecht. Ein Vorteil sei auch die gute Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt, dem Förderkreis Stadtpark, dem Verein Black Forest Power Women und dem Stadtparkteam.

Die Kulturvilla Jamm ist nach der Eröffnung am Sonntag donnerstags und freitags jeweils von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Eröffnungsfeier

Die Saison in der Kulturvilla Jamm startet am Sonntag, 17. Mai. Die Gemeinschaftsausstellung der Residenzkünstler beginnt dort um 11.15 Uhr mit der Vernissage. Außerdem wird Alexandru Hergane mit Klaviermusik den restaurierten Flügel einweihen, für den in diesem Jahr Konzerte und Benefiz-Matineen veranstaltet werden.

Karina Nerpel wird die Künstlerinnen und Künstler der neuen Saison vorstellen. Außerdem werden kurze Grußworte von Kulturamtsleiter Tobias Meinen für die Stadt, Hermann Feist für die Kulturinitiative und Worte von Künstlerin Debra Schröter zur Flügel-Renovierung Bestandteil der Vernissage und Eröffnung sein. Danach sind die Besucher zum Sektempfang und zum Rundgang durch die Dauerausstellung 2026 eingeladen.