In unserem Adventskalender befragen wir Menschen aus der Region zu ihren schönsten Weihnachtserinnerungen. Heute: die Chefin des Ortenau-Klinikums, Claudia Bauer-Rabe.
Weihnachten steht vor der Tür. Das Fest der Liebe sorgt Jahr für Jahr für besinnliche Stunden und – vor allem bei Kindern – für unvergessliche Momente. Heute erzählt uns Claudia Bauer-Rabe, Leiterin des Ortenau-Klinikums, was ihr das Weihnachtsfest bedeutet.
Frau Bauer-Rabe, Weihnachten in der Kindheit – welche Erinnerungen weckt das bei Ihnen?
Heiligabend immer zu Hause mit der Familie, mit den Eltern, mit zwei älteren Schwestern und den zwei verwitweten Großmüttern (in der Heimat in Trier, in der Innenstadt mit dem Blick auf den großen Dom). Mein Vater hat gekocht, meine Mutter hat im Wohnzimmer fast den ganzen Tag dem Christkind geholfen.
Das Spicken durchs Schlüsselloch war strikt verboten und leider auch nicht möglich (jemand hat etwas davor gehangen). Auch das Esszimmer war tabu, der Tisch musste perfekt von der Mutter gedeckt werden. Wir Kinder waren auf uns alleine angewiesen, wir durften spielen und uns selbst beschäftigen. Mit den Großmüttern ging es am Nachmittag in die Weihnachtsandacht, da wir aus einer katholischen Familie des Erzbistum Trier stammen.
Dort trafen wir unsere Freunde aus Kindergarten, Schule und Nachbarschaft. Nach der Rückkehr folgte gegen 18.00 Uhr die Bescherung nach dem Glöckchen-Klingeln durch das Christkind. Vor dem Geschenke-Auspacken musste aber noch brav „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen werden. Der Tannenbaum war immer riesig, mindestens drei Meter hoch in einer Altbauwohnung, hatte immer lila Kugeln und viel silbernes Lametta, was uns Kindern ein Leuchten in die Augen trieb, es war magisch.
Unsere Wunschzettel waren bescheiden, aber die meisten Wünsche wurden erfüllt, wir waren glücklich. An den Feiertagen ging es dann zu Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen, mit gutem Essen und vielen kontroversen Diskussionen zwischen den Erwachsenen. Wir Kinder waren selbstständig unterwegs, hatten viel Spaß und konnten Schabernack treiben. Die Plätzchen, die traditionell nach Großmutters Rezepten schon in der Adventszeit vor Weihnachten gemeinsam mit uns Kindern gebacken wurden, waren nach Weihnachten vertilgt. Der Duft der Weihnachtszeit von damals trägt noch heute.
Was war Ihr schönstes Weihnachtserlebnis?
Auf einer Skihütte 2018 in Österreich in Silberleiten auf dem Hochkrimml, mit der ganzen Patchwork-Familie fast 30 Personen zum Weihnachts-Skiurlaub mit 4 Generationen. Tief eingeschneit, wie im Märchen, super Weihnachtsglanz- und Lichter-Stimmung. Gemeinsame Vorbereitungen in der Küche Hand in Hand ohne Stress auch für die Bescherung.
Am Vormittag des Heiligabend wurde noch der Geburtstag eines Enkels gefeiert. Die großen Kinder und Teenies hatten viel Spaß beim Schnee-Engel machen. Wir alle haben uns täglich bei Schneeballschlachten gebattlet und konnten bei bestem Wetter täglich Skifahren, in unterschiedlichen Konstellationen, je nach Lust und Laune. Die Ur-Großeltern waren mit dem Ur-Enkel spazieren.
Wie werden Sie dieses Jahr Weihnachten feiern?
Tatsächlich wie seit 30 Jahren – mit unseren eigenen Kindern sehr traditionell nach dem Vorbild unserer Familien. Sehr gerne zu Hause im kleinen Kreis an Heiligabend nur mit unseren Kindern. Der Weihnachtsbaum wird seit vielen vielen Jahren gemeinsam mit den Kindern geschmückt, die Geschenke unter dem Baum gemeinsam drapiert, das Christkind hat anderweitig zu viel zu tun.
Als die Kinder noch klein waren, haben auch wir den Heiligabend mit dem Christkindl-Glöckchen eingeläutet und „Stille Nacht, Heilige Nacht“ gesungen. Wir gehen nicht mehr jedes Jahr zur Weihnachtsandacht, aber hin und wieder, da wir eine gemischt-konfessionelle Familie sind und den ökumenischen Gedanken leben.
Ab dem ersten Feiertag kommt die erweiterte Familie zum Gansessen. Mein Mann ist der Küchenchef, zaubert an Heiligabend das Menü und steht für das Gansessen am Folgetag den ganzen Tag vor dem Herd und am Ofen. So war es all die Jahre, seitdem wir im badischen leben.
Mal sehen, wie sich die Tradition nun mit unseren frischen Enkelkindern entwickelt. In diesem Jahr fahren wir in den hohen Norden nach Schleswig und lassen uns erstmals als frisch gebackene Großeltern von unseren Kindern verwöhnen. Ein neues Gefühl, nicht mehr die Verantwortung für ein weihnachtliches zu Hause zu tragen, aber die Zeit und Nähe für unsere Enkelkinder zu haben und das Fest durch Kinderaugen neu zu entdecken. Wenn die Bahn pünktlich ist, schaffen wir es vielleicht tatsächlich zur Weihnachtsmesse.