Knall auf Fall musste Lutz Meschke, Vize von Porsche-Chef Oliver Blume, das Feld räumen. Auch bei der Porsche SE muss er gehen. Der Abgang war unvermeidbar. Eine Analyse
Dass er sich für mehr hält als einen Finanzchef, konnte Lutz Meschke zum Schluss kaum noch verbergen. Jahrelang hatte er sich in die Rolle des Chefs über die Porsche-Kasse und die IT gefügt, doch je länger er warten musste, um Konzernchef Oliver Blume zu beerben, desto ungeduldiger wurde er.
Mit unglaublicher Willenskraft hatte Meschke über Jahre hinweg den Börsengang des Unternehmens angestoßen, gegen massive interne Widerstände vorangetrieben und schließlich zum Erfolg geführt. Doch aus dem längst avisierten Chefposten wurde nichts – auch nicht, als Konzernchef Oliver Blume zugleich Chef der Muttergesellschaft Volkswagen wurde und immer davon sprach, dass diese Doppelfunktion nicht auf Dauer angelegt sei.
Mit jedem Jahr festigte sich Meschkes Rolle als ewiger Kronprinz. Als das Hufescharren zu laut wurde und Meschke offenbar begann, an Blumes ambitionierter Elektrostrategie herumzukritteln (die Blume inzwischen selbst korrigiert hat), sah sich Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche offenbar gezwungen, sich zwischen beiden zu entscheiden – und stellte Meschke den Stuhl vor die Tür.
Wenig öffentliche Beachtung fand damals, das Meschkes Karriere im großen Reich von Porsche und VW damit keineswegs beendet war. Denn seinen Posten im Vorstand der Porsche SE durfte er behalten – damit gehörte er weiter zur Führung eines Unternehmens, das bis heute im Dax gelistet ist, dem wichtigsten deutschen Aktienindex – anders als der inzwischen abgestiegene Sportwagenhersteller.
Situation bei Porsche galt als nicht lange haltbar
Beobachter hielten das schon damals für eine unhaltbare Situation. Denn über seinen Posten bei der Porsche SE, die bei der von Blume geführten Volkswagen AG die absolute Mehrheit der Stimmrechte hält, hat Meschke zumindest indirekt weiter eine Kontrollfunktion über das Wirken Blumes, den er doch gerade erfolglos von seinem Chefposten bei der zu Volkswagen gehörenden Porsche AG hatte verdrängen wollen.
Auch die Haltung des Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche warf Fragen auf. Er ist nicht nur beim Sportwagenhersteller Porsche AG Aufsichtsratschef, sondern auch bei der Porsche SE. Kann er als Chefaufseher der AG das Vertrauen in Meschke verloren haben, es als Aufsichtsratschef der SE aber weiter besitzen?
Bei Porsche wird zwingende Konsequenz gezogen
Nun zeigt sich, dass Meschkes Zeit als Vorstandsmitglied der SE wohl nicht mehr war als eine Schamfrist, die einen gesichtswahrenden Ausstieg auf Raten ermöglichen soll. Meschkes Abgang ist nun die geradezu zwingende Konsequenz aus der zerrütteten Arbeitsbeziehung zwischen ihm und Blume.
Einzelheiten zu den Konditionen von Meschkes Ausscheiden sind nicht bekannt – klar ist nur, dass seine eiserne Willenskraft, die Porsche zu einem erfolgreichen Start aufs Parkett verholfen hatte, aus Sicht des Unternehmens auch seine Kehrseite hatte. Mit sagenhaften 11,6 Millionen Euro ließ sich Meschke für die Aufgabe seines Postens abfinden – so viel, dass der renommierte Unternehmensführungs-Experte Christian Strenger gegenüber unserer Zeitung an der Rechtmäßigkeit der Zahlung zweifelte.
Auch in eigener Sache verhandelte Meschke gut
Strenger, der als Gründungsmitglied und langjähriges Mitglied der Regierungskommission den Kodex für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) maßgeblich mitentwickelt hatte, ist der Meinung, dass die „nicht kodexgemäßen, zu hohen Abfindungen der Porsche AG eine übermäßige Belohnung für das Beiseitetreten nach dem kolportierten Machtkampf“ sei.
Auch bei der Porsche SE hat Meschke gut verhandelt und im Jahr 2023 eine dreimalige Gehaltserhöhung bekommen: Sein Festgehalt stieg um elf Prozent auf 600 000 Euro, der Zielbonus verdoppelte sich auf eine halbe Million Euro und der jährliche Versorgungsbeitrag verdreifachte sich gar auf 180 000 Euro. Im Jahr 2024 stieg sein Gehalt weiter - von 0,8 auf 1,1 Millionen Euro.
Als vorteilhaft für seine Verhandlungsposition dürfte sich nicht nur dieses außerordentliche Plus in der Vergütung erweisen, sondern auch der Umstand, dass sein Vertrag vorzeitig verlängert wurde – und bis Mitte 2030 laufen sollte.