Seit etwa einem Jahr ist Lukas Klingenberg Bürgermeister in Unterreichenbach. Im Interview blickt er auch auf sein erstes Jahr zurück – und verrät seinen schönsten Moment.
„Insgesamt ein gutes Jahr“, so beschreibt der Unterreichenbacher Bürgermeister Lukas Klingenberg das abgelaufene Jahr 2025. Das war auch sein erstes Jahr in dem Amt, das er als den abwechslungsreichsten Job beschreibt, den es in der öffentlichen Verwaltung gibt.
Ganz allgemein gefragt: War 2025 ein gutes Jahr für Ihre Gemeinde? Und warum oder warum nicht?
2025 war für die Gemeinde Unterreichenbach insgesamt ein gutes Jahr. Wir konnten gleich drei besondere Jubiläen feiern: Unser Musikverein sowie der Posaunenchor der evangelischen Kirche blickten auf jeweils 100 Jahre zurück, zudem feierte unser Kindergarten Unterreichenbach sein 75-jähriges Bestehen. Diese Jubiläen zeigen eindrucksvoll, wie lebendig und engagiert unser Gemeindeleben ist.
Gleichzeitig stehen wir – wie nahezu alle Kommunen – unter erheblichem finanziellem Druck. Immer mehr Aufgaben werden auf die Kommunen übertragen, ohne dass eine ausreichende Gegenfinanzierung erfolgt. Diese beiden Seiten prägen das Jahr 2025 sehr deutlich.
Was war 2025 der wichtigste Meilenstein für ihre Gemeinde?
Ein zentraler Meilenstein war, dass wir eine ganze Reihe wichtiger Projekte voranbringen konnten. Besonders hervorzuheben ist die Fertigstellung der Räumlichkeiten für die Ganztagsbetreuung an der Grundschule. Diese wird ab 2026 für Erstklässler verpflichtend angeboten werden müssen. Zudem konnten wir zwei dringend notwendige Ersatzfahrzeuge für die Feuerwehr bestellen und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit in unserer Gemeinde leisten.
Welches Projekt wird für Ihre Gemeinde 2026 das wichtigste sein?
Eines der wichtigsten Projekte wird 2026 die weitere Planung des Neubaus des Feuerwehrgerätehauses in Unterreichenbach sein. Daneben bleibt der Glasfaserausbau ein zentrales Zukunftsthema für Unterreichenbach, um unsere Gemeinde digital leistungsfähig und attraktiv zu halten.
Was wird 2026 die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?
Die größte Herausforderung wird weiterhin der enorme finanzielle Druck sein. Zwar erhält die Gemeinde rund 1,6 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes. Dieses Geld ist selbstverständlich willkommen, reicht jedoch bei weitem nicht aus, um die zahlreichen Pflichtaufgaben der Kommunen dauerhaft und auskömmlich zu finanzieren.
Ende Januar 2026 steht die erste Fahrt der Hesse-Bahn an. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Für Unterreichenbach wird die Hesse-Bahn keine direkte Verbesserung bringen. Unsere Gemeinde verfügt bereits über einen eigenen Bahnhof mit einer relativ guten Verbindung nach Stuttgart. Tatsächlich ist man von Unterreichenbach aus heute schneller am Stuttgarter Hauptbahnhof als künftig von Calw mit der Hermann-Hesse-Bahn.
Der Job des Bürgermeisters scheint in den vergangenen Jahren immer härter geworden zu sein. Was macht Ihnen beruflich am meisten zu schaffen – und was müsste sich ändern?
Ich bin nun seit einem Jahr im Amt und kann sagen: Der Job erfüllt mich voll und ganz. Natürlich ist es wichtig, auch einmal die eigenen Akkus aufzuladen und nicht jede Veranstaltung bis zum Schluss zu begleiten. Hierfür haben aber auch die Bürgerinnen und Bürger nach meiner Erfahrung auch Verständnis. Das Amt ist ein echter Fulltime-Job – gleichzeitig aber auch der abwechslungsreichste Job, den es in der öffentlichen Verwaltung gibt. Was sich dringend ändern müsste, sind die finanziellen und bürokratischen Rahmenbedingungen, unter denen Kommunen arbeiten müssen.
Immer öfter gibt es Widerstand gegen größere Projekte. Halten Sie das für legitim?
Es ist gut und wichtig, wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung äußern – das ist gelebte Demokratie. Ich sehe mich als Anwalt der Bürgerinnen und Bürger. Der Dialog sollte jedoch stets lösungsorientiert sein. Blockierender Widerstand ohne konstruktive Alternativen hilft am Ende niemandem weiter.
Ist die Erwartungshaltung der Bürger in der aktuellen Finanzlage realistisch?
Gerade die Bürgerinnen und Bürger in Unterreichenbach sind sehr bescheiden und wissen um die schwierige finanzielle Lage der Gemeinde. Der Zusammenhalt ist groß, und dafür bin ich sehr dankbar.
2026 wird der Landtag gewählt. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Landesregierung?
Ich wünsche mir, dass die finanziellen Rahmenbedingungen der Kommunen deutlich verbessert werden und gleichzeitig ein spürbarer Abbau der Bürokratie erfolgt. Die Kommunen brauchen wieder mehr Gestaltungsspielraum.
Und zu guter Letzt: Was war Ihr schönster Moment 2025?
Ein besonders schöner Moment war die Ehrung eines Paares, das seine diamantene Hochzeit feiern durfte. Zwei Menschen, die Höhen und Tiefen gemeinsam überstanden haben und noch immer zusammenhalten – solche Begegnungen zeigen, was wirklich zählt. Diese besonderen Momente darf man als Bürgermeister erleben, und sie machen dieses Amt so wertvoll.