Luisa Schulze sorgt für Stabilität im Abwehrzentrum bei den Frisch-Auf-Frauen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Luisa Schulze spielte mit ihrem Clubs immer um die Meisterschaft. Bei Bundesliga-Aufsteiger Frisch Auf Göppingen ist das anders. Vor dem Derby bei TuS Metzingen spricht die Handballerin über ihre Rolle und auch eine Enttäuschung in Sachen Nationalteam.

Luisa Schulze klatschte die trotz der Niederlage zufriedenen Fans in der EWS-Arena ab und kam dann zum Interview: „Ich hatte heute nicht meinen besten Tag, ließ zu viele Chancen liegen, aber wir können mit unserer kämpferischen Leistung gegen dieses Topteam zufrieden sein“, sagte die erfahrenstes Spielerin von Frisch Auf Göppingen nach dem 30:32 gegen Borussia Dortmund.

 

Es geht ums Drinbleiben

Sie gehört zu den erfolgreichsten Handballerinnen im Land. Ihre erste deutsche Meisterschaft feierte Luisa Schulze 2010 mit dem HC Leipzig. Es folgten drei weitere mit der SG BBM Bietigheim (2017, 2018, 2022), eine französische Meisterschaft mit Metz Handball (2023), eine norwegische mit Vipers Kristiansand (2024) und sechs weitere Pokalsiege. Immer ging es für die Kreisläuferin in ihrer Karriere um Titel und Triumphe. Bis zu ihrem Wechsel im vergangenen Sommer zu Frisch Auf. Mit dem Bundesliga-Aufsteiger geht es einzig und allein ums Drinbleiben. „Das ist natürlich eine ganz neue Aufgabe für mich, aber Kampf gegen den Abstieg kann auch cool sein“, sagt die 34-Jährige vor dem württembergischen Derby am 19. Oktober (19.30 Uhr/Öschhalle) bei der TuS Metzingen, die mit nur 1:7 Punkten gestartet ist.

Sponsoren machten Transfer möglich

Warum Luisa Schulze die neue Herausforderung überhaupt angenommen hat? Zum einen aus familiären Gründen. Sie wollte wieder zurück zu ihrer Ehefrau Saskia, mit der sie in Sachsenheim lebt. Zum anderen spielt das Unternehmen „Stromkreis“ aus Ilsfeld eine große Rolle. Dort ist Luisa Schulze seit 2022 Markenbotschafterin. Nur dank der Unterstützung des unabhängigen Energiedistributors und einiger lokaler Sponsoren war der Transfer überhaupt möglich.

Jetzt also Göppingen. Mit 2:4 Punkten in der Liga liegt das Team im Soll, nur das DHB-Pokal-Aus gegen Zweitligist HSV Solingen-Gräfrath tut weh. „Unser Trainer Nico Kiener macht einen super Job, er hat immer einen Plan, ist sehr kommunikativ, respektvoll und versucht auch mich immer wieder mit einzubeziehen. Ich fühle mich sehr wohl in dieser Handball-Hochburg. Wer hat schon wie wir 2600 Zuschauer gegen den BVB“, sagt die Abwehrspezialistin. Natürlich geht sie mit ihrer Erfahrung vorneweg, gibt Tipps, will Vorbild sein für die vielen jungen Spielerinnen im Team. „Ich bin vielleicht die Mutter der Kompanie, aber nicht die Oma, dafür bin ich zu jung geblieben“, sagt „Schmuuu“ mit einem Schmunzeln.

Alle nennen sie „Schmuuu“

„Schmuuu“ – so wird sie eigentlich von allen in der Handballszene genannt. Wie das kam? In der Jugend habe sie beim Krafttraining an der Sprossenwand unkorrekter Weise ein Bein abgestellt. „Eine Mitspielerin rief, das ist doch Schmu – es gab viele Lisas, Luises und Luisas, sodass die Trainerin überfordert war, und so hatte ich den Spitznamen weg – mit drei u am Ende“, sagt sie und wieder blitzt ein Lächeln auf.

Seit dieser Jugendzeit ging es steil bergauf – und mancher Rückschlag hat sie dabei nicht von ihrem Weg abgebracht. Der erste Einschnitt in ihrem Leben hatte sich bereits ereignet, als ihre Karriere noch gar nicht richtig begonnen hatte. Im Alter von knapp zehn Jahren überlebt sie nur knapp einen schweren Unfall im Auto ihrer Eltern. Sie erlitt einen Milzriss und Lungen- und Nierenquetschungen mit starken inneren Blutungen.

Zahlreiche Tattoos mit Bedeutung

Drei Wochen lag sie im Krankenhaus, die Eltern wurden in einer anderen Klinik behandelt, ihre Großmutter besuchte sie täglich. „Ich habe das alles verarbeitet und weggesteckt“, sagt die Handballerin. Geblieben ist ihr inniges Verhältnis zur Oma. Ihr Geburtsdatum hat sie sich in römischen Zahlen auf den Nacken tätowieren lassen. Es ist nicht das einzige Tattoo – ihr linker Arm ist proppevoll. Auch der Name Saskia fehlt nicht.

Ihre Partnerin hat sie 2021 geheiratet. Beide ernähren sich ausschließlich pflanzenbasiert. Bereits 2016 stellte Luisa Schulze auf vegane Kost um. „Ich hatte seit meiner Kindheit eine starke Neurodermitis, insbesondere in den Ellbogen und Kniekehlen, nach der Umstellung sind die Hautprobleme verschwunden“, berichtet die 1,90 Meter große Rechtshänderin. Im Nationalteam war sie die Einzige, die das so konsequent durchzog. Nicht immer fand sie auf Reisen eine vielfältige Auswahl an Speisen vor – im Gegenteil: „Als ich mal mit der Nationalmannschaft in Kroatien war, stand am opulenten Buffet gerade mal ein Teller – mit der Aufschrift Reiswaffeln vegan. Das Gelächter im Team war groß.“

Inzwischen ist das Nationalteam kein Thema mehr – „unfreiwillig“, wie sie betont. Bundestrainer Markus Gaugisch habe ihr in einem Fünf-Minuten-Telefonat aus dem Auto mitgeteilt, dass sie nicht mehr ins System passe. Nach zwölf Jahren mit dem Adler auf der Brust fand sie das schade. Beendet hat sie ihre Nationalmannschaftskarriere aber noch nicht. Sie mache sich Gedanken, dies offiziell zu tun.

Mit der neuen, herausfordernden Aufgabe bei Frisch Auf hat sie eigentlich auch genug zu tun.