Platz 33 hat der Kreis Rottweil landesweit bei der Beherbergungsstatistik 2024 belegt. Und die Zahl der Hotels, Herbergen und Co. nimmt immer weiter ab. Das ist jetzt der Plan.
„Der Kreis Rottweil war kein Tourismusriese und wird auch keiner werden“, sagt Tourismusmanagerin Irmgard Schumacher. Das habe vor allem strukturelle Gründe. Die Anzahl der Hotels, Herbergen und Co. gehe kontinuierlich zurück. Schumacher zeigte nun auf, wer die Sorgenkinder sind – und welche Strategie der Landkreis jetzt verfolgt.
Rund 281 200 Übernachtungen wurden im Jahr 2024 im Kreis Rottweil registriert. Das sind 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Rottweil belegt damit im Landkreis-Vergleich in Baden-Württemberg lediglich Rang 33. Zum Vergleich: 2019, vor Corona, waren es im Landkreis noch mehr als 300 000 Übernachtungen.
In Rottweil seien die Zahlen zuletzt gestiegen, in Schramberg, Sulz und Oberndorf sehe das anders aus, erklärte Schumacher im Kreistag. Die Schließung nur eines Betriebs könne sich allerdings bereits stark in der Statistik niederschlagen, merkte sie an.
66 größere Betriebe im Landkreis
Die Statistik erfasse nur Betriebe ab zehn Betten. 66 dieser Art waren 2024 im Kreis Rottweil gemeldet, im Vorjahr waren es noch 72 Betriebe.
Die Übernachtungsdauer lag durchschnittlich bei 2,4 Tagen. Die kürzesten Aufenthalte gab es in Oberndorf, die längsten im Schramberger Raum.
Für den Zeitraum Januar bis November 2025 ergebe sich nach aktuellem Stand ein Minus von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit steht der Kreis Rottweil allerdings nicht allein da. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg liegt das Minus bei 0,8 Prozent, landesweit bei 0,5 Prozent.
Andere Landkreise hätten ähnliche Probleme, erklärte Amtsleiter Johannes Waldschütz. Der Rückgang bei den Betrieben vollziehe sich seit Jahrzehnten und sei nicht aufzuhalten.
Auslastung schwankt je nach Betrieb
Sonja Rajsp-Lauer (Grüne) erkundigte sich nach der Auslastung der Herbergsbetriebe. Diese liege bei 28 bis 35 Prozent, teilte Irmgard Schumacher mit. Das klingt erst einmal nicht nach viel, allerdings zähle da auch ein Zeltplatz dazu, der nur alle zwei Jahre geöffnet sei. „Wo gute Arbeit gemacht wird, läuft’s“, so ihr Fazit. So sei manch kleiner Betrieb etwa in Epfendorf oder Dornhan beispielsweise sehr gut ausgelastet. Gut vertragen könnte der Landkreis aus ihrer Sicht noch ein höherwertiges Beherbergungsangebot.
Landrat Wolf-Rüdiger Michel gab zu bedenken, dass durch die Pandemie auch viele Geschäftskunden weggebrochen seien – auch weil jetzt mehr digital abgewickelt werde. Tatsächlich stelle man einen extremen Abfall bei den Zahlen ausländischer Gäste fest, den man auf Geschäftskunden zurückführen könne, so Waldschütz.
Kurztrips statt langer Urlaube
Klar sei: „Die Zeit der zweiwöchigen Urlaubsreisen ins Ländle sind vorbei“, meinte Irmgard Schumacher. Stattdessen gehe der Trend zu Kurzurlauben und Tagesausflügen. Eine Entwicklung, die man als Landkreis – ebenso wie die kontinuierliche Abnahme der Zahl der Herbergsbetriebe – kaum beeinflussen könne, stellte Schumacher klar.
Die gute Nachricht: Beim Tagestourismus sei der Kreis Rottweil stark, was auch an seiner heterogenen Struktur liege – mit Städten, kulturellen Einrichtungen, Rad- und Wanderwegen. Von der Freizeitinfrastruktur und dem Kulturangebot profitierten dabei Gäste und Einheimische gleichermaßen.
Wandermarathon geplant
Beim Rad- und Wandertourismus, auf den man sich künftig mehr denn je konzentrieren möchte, gebe es einige eigene Projekte und Kooperationen, darunter etwa das Rad- und Wanderparadies Schwarzwald und Alb mit 30 Radtouren und 39 Wandertouren, von denen 16 durch den Kreis Rottweil führen. Ein neues Projekt ist der geplante Wandermarathon auf dem Eschachweg, der am 12. September stattfinden soll.
Bei weit mehr als zwei Millionen Tagesgästen jedes Jahr sei das übergeordnete Ziel im Kreis Rottweil, Gäste nicht an den Bodensee oder in den Europapark zu schicken, wie es in mancher Tourist-Info im Kreis wohl schon geschehen ist, sondern diese im Kreis Rottweil halten.
Fokus auf Aufwertung der Wege und Information
Im Dezember 2024 habe man einen Prozess für eine Neukonzeption bei der Tourismusförderung gestartet. Dieser beinhaltet die Beteiligung zahlreicher Partner über unterschiedliche Formate wie Interviews und Workshops.
Ein erstes Projekt, das daraus hervorgeht, ist eine zentrale digitale Info-Plattform für Kultur und Tourismus. Im Rahmen der „Aller.Land“-Förderprojekte gebe es ähnliche Bestrebungen, deshalb tue man sich da zusammen, erklärte Schumacher.
Außerdem sollen die Rad- und Wanderwege, darunter der Neckartalradweg, aufgewertet werden. Diesbezüglich werde man auf die betroffenen Kommunen zukommen und auch Fördermöglichkeiten prüfen.