Solche mobilen Lüftungsgeräte könnten in schlecht belüfteten Unterrichtsräumen Abhilfe schaffen. Foto: Otte

Schlecht belüftete Klassenräume und Mensen, in denen sich viele Kinder aufhalten, sollen technische Unterstützung bekommen. Doch was ist die richtige Lösung? Darüber diskutierte der Gemeinderat am Mittwochabend.

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Villingen-Schwenningen - Die Bilder von Kindern, die im Klassenzimmer in dicke Jacken und Wolldecken eingepackt sind, sollen sich im kommenden Winter nicht wiederholen. Durch die Corona-Pandemie ist das Thema Raumbelüftung präsenter denn je und vor allem aufgrund der vorübergehenden Schulschließung gerade in diesem Bereich nun aktuell.

Der Gemeinderat sollte deshalb am Mittwochabend in seiner Sitzung darüber abstimmen, ob und welche technische Belüftungsmaßnahmen im Rahmen möglicher Bundes- oder Landesförderungen angeschafft und installiert werden sollen. Schnell wurde deutlich, dass dies gar nicht so einfach ist. Einerseits wegen der Vielfalt der technischen Lösungen, aber vor allem deshalb, weil gerade das Landesförderprogramm, das für mobile Luftreiniger in Aussicht gestellt wird, bis dato noch gar nicht klar definiert ist. Im Raum steht eine 50-prozentige Finanzierung, unklar ist jedoch, welche Räume tatsächlich gefördert werden könnten.

Auf Bundesebene wird für fest zu installierende Anlagen eine 80-prozentige Förderung in Aussicht gestellt, deren Planung und Installation allerdings zeitlich nicht so umzusetzen sei, dass sie diesen Winter helfen, erläuterte Dieter Kleinhans, Leiter des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft (GHO).

Von den städtischen Schulen seien 142 "schlecht zu lüftende Räume" gemeldet worden. Nachdem Kleinhans allerdings den bislang bekannten Maßstab der Förderfähigkeit ansetzte, blieben noch sechs übrig. Deshalb versuchte die Verwaltung in erster Linie für diese Klassenräume eine schnelle Lösung zu finden. Demnach war klar: Es kann in der Kürze der Zeit eigentlich nur auf mobile strombetriebene Raumlüfter hinauslaufen (siehe Foto). Die Anschaffung pro Gerät liege laut Dieter Kleinhans bei 4000 Euro, eine zusätzliche Frischluftzufuhr durch ein geöffnetes Fenster sei bei diesen Geräten allerdings weiterhin notwendig.

Skepsis durch Erfahrung

Ist das also wirklich die Lösung des Problems, oder – wie es Oberbürgermeister Jürgen Roth nannte – nur ein Placebo? CDU-Stadträtin Katharina Hirt weiß aus Erfahrung, dass diese Geräte "nicht das Heil der Welt" sind. "Ich habe bei mir an der Schule solche Geräte angeschafft. Und es besteht die Gefahr, dass aufgrund des Lärms, den diese Lüfter machen, manch einer einfach den Stecker zieht", berichtete sie. Dennoch sei klar, dass alle im Gremium ein gemeinsames Ziel hätten: "Wir wollen alle Präsenzunterricht und möglichst gute Bedingungen für die Kinder."

Tobias Kratt (Freie Wähler) hätte als Entscheidungsgrundlage gerne eine detaillierte Liste der Räume gehabt, die förderfähig sind und gleichzeitig darauf basierend einen Überblick über die individuell sinnvollen Maßnahmen in Kombination mit einem Fachvortrag über die verschiedenen Techniken. Letzteres sicherte der OB zu, das wird jedoch erst nach der Sommerpause geschehen – zu spät, als dass bis zum Winter tatsächlich etwas in den Klassenräumen und Mensen installiert werden würde. Das verdeutlichte auch SPD-Stadtrat Nicola Schurr: "Die Frage ist, ob wir dann überhaupt noch zum Zug kommen" und meinte damit sowohl die Förderbudgets als auch die hohe Nachfrage bei den Produzenten. Dem pflichtete auch Frank Bonath (FDP) bei: In vielen Büros schafften diese Reinigungsgeräte die Möglichkeit, Besprechungen mit Abstand aber ohne Maske abhalten zu können. "Und das brauchen wir für die Schulen." Wenn man aber abwarte, was letztlich wie gefördert werde und was tatsächlich mit den Förderrichtlinien gemeint sei, sei der Winter vorbei. "Wir tun gut daran, überhaupt etwas abzubekommen."

Fenster öffnen notwendig

Kritisch sieht solche Investitionen mit einem möglichen Placebo-Effekt AfD-Stadtrat Martin Rothweiler. Er glaubt, dass es sehr wahrscheinlich schon beschlossene Sache sei, "was im Herbst auf uns zukommen wird". Demnach denke er, dass die Entscheidungen in diesem Gremium keinen Einfluss darauf haben werden, ob, wie oder wie lange die Schulen und Kindergärten offen sein werden. Zudem gab er zu bedenken, dass die meisten Systeme komplementär zum eigentlichen Lüften seien. "Und dann ist der Hauptkritikpunkt der Eltern eben doch nicht entkräftet, denn man muss dann eben doch die Fenster aufmachen, wenn es kalt ist." Deshalb ist die Meinung seiner Fraktion, schnell dort zu handeln, "wo eben nicht oder schwer zu lüften ist". Alle anderen Entscheidungen seien in Ruhe abzuwägen.

Im Laufe der mehr als eineinhalbstündigen Diskussion wurde deutlich, dass der Beschlussvorschlag der Verwaltung so nicht bestehen bleiben wird. Nach etlichen Forderungen, Vorschlägen und Anmerkungen hatte Oberbürgermeister Roth dann einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorgelegt. Neben der Formalie, die Fördermöglichkeiten von Bund und Land im Blick zu behalten, wird die Stadtverwaltung bei künftigen Generalsanierungen oder Neubauten den Einsatz raumlufttechnischer Anlagen prüfen müssen.

Um die schnelle Umsetzung ging es dann ab Beschlussziffer drei: Demnach sollen für die gemäß der Förderprogramme von Bund und Land schlecht belüfteten Räume Luftreinigungsgeräte angeschafft werden. Die tatsächlichen Kosten, abzüglich der dann erhaltenen Fördersumme, werden über eine noch nicht definierte Haushaltsstelle gedeckt, teilte der Oberbürgermeister mit.

Das Gremium entschied mit 29 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen, diesen Weg zu gehen.

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