Der Ludwigsburger OB Werner Spec muss sich um seine Wiederwahl am Sonntag keine Sorgen machen.
Ludwigsburg - Um seine Wiederwahl muss sich der Ludwigsburger OB Werner Spec keine Sorgen machen: Schon vor der Stimmabgabe am Sonntag gilt als sicher, dass der parteilose 53-Jährige auch in den nächsten acht Jahren im Rathaus auf dem Chefsessel sitzen wird - schon weil es an ernsthafter Konkurrenz fehlt.
Wenn man so will, hat sich Werner Spec jüngst eine ziemlich unnötige Ausgabe geleistet - und nicht nur einen Werbeflyer, sondern auch einige Plakate für den Wahlkampf drucken lassen. Am Rand der B 27 blinzelt deshalb in diesen Tagen der Oberbürgermeister in die Sonne. "Gute Jahre für Ludwigsburg" steht unter dem Konterfei mit dem leicht verkniffen wirkenden Lächeln. Ob der Rathauschef mit dem Satz die vergangenen acht Jahre meint oder ein Versprechen für seine zweite Amtszeit abgibt, bleibt offen. Und auch auf ein Wahlprogramm hat Werner Spec verzichtet.
Wenigstens erinnern die Plakatständer am Straßenrand die Ludwigsburger daran, dass die Barockstadt am Sonntag vor einer wichtigen Weichenstellung steht. Weil es an ernsthafter Konkurrenz für den parteilosen Amtsinhaber fehlt, wird mit einer erbärmlich niedrigen Wahlbeteiligung gerechnet. Schon 2003 hatten nur 26 Prozent der Ludwigsburger ihre Stimme abgegeben - jetzt droht ein noch schlechteres Ergebnis.
Denn von Wahlkampfstimmung kann in Ludwigsburg keine Rede sein. Auch wenn im Rathaus immer mal wieder ein Murren über den fordernden Führungsstil und das bemerkenswert hohe Arbeitstempo des 53-Jährigen zu hören ist, hat keine der im Stadtrat vertretenen Parteien einen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt. Eine arbeitslose Erzieherin und ein von der Piratenpartei unterstützter Techniker aus Vaihingen an der Enz sind deshalb die einzigen beiden Bewerber, die neben Amtsinhaber Spec auf dem Stimmzettel stehen.
Spec will Kurs fortsetzen
Beiden mangelt es nicht nur an den für die Leitung einer mehr als 1000 Mitarbeiter zählenden Stadtverwaltung nötigen Fachkenntnissen. Auch ihr fehlender Bekanntheitsgrad wird am Sonntag spätestens bei der Stimmauszählung deutlich werden. Chancenlos sind die beiden OB-Bewerber auch, weil die Ludwigsburger mit ihrem Rathauschef unterm Strich zufrieden sind. Ohne Werner Spec hätte die Barockstadt keine Bundesliga-Basketballer mehr, und man würde wohl noch immer über den Bau einer Sportarena diskutieren. Der in den ersten acht Jahren durch enormen Tatendrang aufgefallene Hobbykoch krempelte nach seinem Amtsantritt nicht nur die Rathausstrukturen um und trat als Sparkommissar auf die Kostenbremse. Spec schaffte auch in den lange stockenden Verhandlungen um das Einkaufszentrum Wilhelm-Galerie in der Innenstadt den Durchbruch und holte nach der prestigeträchtigen Filmakademie auch die für Schauspieltalente gedachte Theaterakademie des Landes nach Ludwigsburg. Auch in der Energiepolitik findet sich die Barockstadt in einer Vorreiterrolle - mit einem 16 Millionen Euro teuren Holzheizkraftwerk am ehemaligen Güterbahnhof sind die Ludwigsburger Stadtwerke selbst als Stromproduzent aktiv. Das auch von der Region unterstützte Kompetenzzentrum für Energiefragen hat der OB maßgeblich mit angeschoben. Dass quasi nebenbei Millionen in den Ausbau der Schulen, ins neue Stadtarchiv und einen Museumskomplex geflossen sind, gerät da fast schon aus dem Blickfeld.
Ideenlosigkeit jedenfalls können die Ludwigsburger ihrem OB nicht vorwerfen. Viel mehr ärgern sich Stadträte übers mitunter allzu plötzliche Vorpreschen - wie jüngst bei einer Bürgerinformation zum Umbau der Ortsmitte von Neckarweihingen. Weil Spec die Fraktionen nicht über die neuen Vorschläge informiert hatte, erntete er einen Protestbrief. Größter Kritikpunkt an Spec ist seine Baupolitik im Eiltempo: Hinter vorgehaltener Hand stöhnen Bürgervertreter über fehlende Ruhepausen in der Stadtentwicklung und finanzielle Bürden der verwirklichten Großprojekte. Vor allem das Verhältnis zu den Freien Wählern, die den in der Hermann-Hesse-Stadt Calw tätigen OB nach Ludwigsburg gelotst hatten, ist in den vergangenen acht Jahren merklich abgekühlt. Mit der erfolgreichen Kandidatur fürs Regionalparlament hat sich Spec bei den früheren Förderern keine Freunde gemacht - der parteilose OB hat seinen Platz über die CDU-Liste ergattert.
Spec selbst will in seiner zweiten Amtszeit seinen Kurs fortsetzen. "Auch wenn es utopisch klingt: Wir wollen die Stadt aktiv entwickeln und gleichzeitig die Schulden vollends abbauen", verspricht er.