Die Aufnahme einer Wildtierkamera zeigt Luchs Portus. Foto: FVA BW/Wildtiermonitoring

Seit etwa einem Jahr bewegt sich das Luchsmännchen im Schwarzwald. Jetzt Portus gilt seit Dezember im Nordschwarzwald als territorial.

Der Luchskuder Portus ist sesshaft geworden. Darüber informierten die Luchs-Expertinnen und -Experten am Wildtierinstitut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Damit gibt es im ganzen Land nun sechs territoriale Luchse.

 

Vor mehr als einem Jahr, im November 2024, tauchte Portus zum ersten Mal auf den Aufnahmen einer Wildtierkamera im Südschwarzwald auf, heißt es in der Pressemitteilung. „Einen Monat später erschien er dann auf einer anderen Kamera, dieses Mal bei einem Jäger in der Nähe von Bühl, und ab Januar diesen Jahres ließ er sich immer wieder in den Wäldern rund um Pforzheim nachweisen“, lässt Micha Herdtfelder Revue passieren. Er leitet den Arbeitsbereich Luchs und Wolf an der FVA. Mittlerweile hat Portus sein rund 160 Quadratkilometer großes Territorium in den Wäldern östlich des Murgtals etabliert.

Ein halbes Jahr lang im Nordschwarzwald nachgewiesen

Große Beutegreifer wie der Luchs gelten dann als territorial oder sesshaft, wenn sie mindestens sechs Monate in einem Gebiet nachgewiesen werden können. Das ist dank der Daten, die das Monitoring-Team der FVA durch den Sender am Tier erhält, nun der Fall. Somit sind in Baden-Württemberg aktuell sechs Tiere sesshaft. Fünf weitere gelten aktuell noch als umherstreifend.

Vor sechs Monaten mit Senderhalsband ausgestattet

In der Nacht auf den ersten Mai gelang es, den Luchs einzufangen und mit einem Senderhalsband auszustatten. „Das Halsband liefert uns wertvolle Daten für das Luchsmonitoring“, erklärt Herdtfelder, der den Fang und die Besenderung der seltenen Tiere koordiniert. „Es gibt uns einen Einblick in das Leben der Luchse im Land, in ihre Raumnutzung und Ernährungsgewohnheiten.“ Da die Besenderung bei Pforzheim stattfand, wurde der frisch mit Halsbandsender versehene Luchs auf den Namen Portus getauft – in Anlehnung an die Gründersiedlung der Stadt. Traditionell übernimmt der Landesjagdverband Baden-Württemberg die Patenschaft für zugewanderte Luchse. „Überhaupt konnte diese Besenderung nur dank der außergewöhnlich guten Zusammenarbeit von lokaler Jägerschaft, Forstverwaltung und den Veterinären des Zoos Karlsruhe gelingen“, betont Herdtfelder.

Aus dem Schweizer Jura in den Nordschwarzwald

Aus dem Schweizer Jura kommt es regelmäßig zu Zuwanderungen von männlichen Luchsen in den Schwarzwald. Auch Portus hatte diese mehr als 160 Kilometer lange Strecke auf sich genommen. „Dank der Stiftung KORA konnten wir nämlich herausfinden, dass Portus 2023 im Schweizer Jura geboren wurde“, erklärt Micha Herdtfelder.

Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ für mehr Luchse im Land

Damit es nicht nur bei einzelnen männlichen Tieren dieser heimischen Art bleibt, hat das Land 2023 das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ ins Leben gerufen. Durch gezielte Auswilderungen von insbesondere weiblichen Luchsen im Schwarzwald soll der derzeitige Bestand unterstützt und die Fortpflanzung der Tiere ermöglicht werden.

Luchs Portus, aufgenommen von einer Wildtierkamera Foto: FVA BW/Wildtiermonitoring

„Ein weiteres Ziel ist es, den Austausch des künftigen Bestands hier im Land mit den Luchsen im Pfälzer Wald, den Vogesen und dem Jura-Gebirge zu ermöglichen. So schaffen wir miteinander vernetzte Vorkommen, was letztendlich zum Erhalt der Tierart Luchs in ganz Mitteleuropa beiträgt“, sagt Eva Klebelsberg. Sie ist Biologin mit einem Schwerpunkt auf Große Beutegreifer und leitet das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ an der FVA.

Weitere Informationen gibt es beim Wildtierportal des Landes und beim FVA-Wildtierinstitut.