Im Nationalpark Schwarzwald gibt es viel zu entdecken: Auf wilden Abenteuerwegen führt die Reise der Besucher vorbei an unzähligen Tier- und Pflanzenarten. Isabelle Göntgen hat Eindrücke aus dieser nahezu unberührten Natur in einem Wimmelbuch festgehalten.
Heute wimmelt es im Nationalpark Schwarzwald nur so – allerdings auf den zweiten Blick! Denn erst bei genauerem Hinschauen fallen die zahlreichen, kleinen Bewohner des Nationalparks auf. Unter die Vögel, Rehe, Käfer, Pflanzen und Pilze haben sich auch unbekannte Gäste gemischt. „Eine Besonderheit dieses Wimmelbuchs ist es, dass oftmals gar nicht auffällt, wie detailreich die Seiten sind“, erklärt Isabelle Göntgen.
Dem Leser eröffne sich dadurch ein ähnliches Erlebnis wie in der Realität. „Es wimmelt nur so von Tieren, Pflanzen und Pilzen, aber man sieht es auf den ersten Blick gar nicht – genauso wie bei einem echten Besuch im Nationalpark.“ Göntgen: „Das Anliegen dieses Wimmelbuchs ist es, die Natur darzustellen – daher sollte das Hauptaugenmerk nicht auf dem Tourismus liegen“, erzählt sie. Ihre Figuren im Buch seien alle an real existierende Personen, die sie persönlich kennt, angelehnt, wodurch sie noch authentischer wirken.
Reale Schauplätze
Auf den sieben in Doppelseiten dargestellten Bildern des Wimmelbuchs, die geografisch von Norden nach Süden strukturiert sind, werden viele weitläufige Elemente gezeigt. Zu sehen sind beispielsweise der Erlebnisweg Lotharpfad, die berühmten Allerheiligen-Wasserfälle, der Wildsee und die Hornisgrinde.
Beim „Lotharpfad“ handelt es sich Während der Arbeit am Wimmelbuch stand Göntgen in engem Kontakt mit dem Nationalpark, auch mit vielen Spezialisten, um Details abzuklären. »Ich habe zum Beispiel eine lange Liste mit allen möglichen Pilzen bekommen und zunächst alle Pilze auf dieser Liste gezeichnet. Danach wurde von den Spezialisten zugeteilt, welche Pilze wo zu finden sind«, gibt sie Einblick in den Arbeitsprozess. Einige dieser Pilzarten seien nur in Fachliteratur zu finden
Kleine Bewohner
Genau das sei auch das Faszinierende an ihrer Arbeit: „Man wird ganz nebenbei über Dinge aufgeklärt, von denen man noch nie gehört hat.“ So sind auch speziellere Arten wie der für Menschen ungefährliche Pseudoskorpion oder die Wespenkernkeule im Nationalpark Schwarzwald zu finden und nun im Wimmelbuch verewigt. Ebenso wie im Nationalpark selbst muss man eine Weile suchen, um die kleinen Bewohner bei dem ganzen Gewusel um sie herum zu entdecken. Doch genau das macht die Wimmelbücher aus: „Das ist ein Wimmelbuch – da muss es wimmeln“, bringt Göntgen es auf den Punkt. Dabei erlebt und erzählt jedes Tier im Nationalpark seine ganz persönliche Geschichte.
Die Entstehung
Doch wie entsteht ein Wimmelbuch? „Anfangs entwickelt man ein grobes Konzept und geht dann mit dieser Grobskizze zum Kunden, um das geplante Vorhaben gemeinsam zu strukturieren.“ Bei der Arbeit habe sie sich mit Google Maps aus der Vogelperspektive einen Überblick verschafft und bei gemeinsamen Besuchen mit ihrem Sohn im Nationalpark zahlreiche Fotos gemacht. Insgesamt sind in dem Wimmelbuch drei Ebenen zu erkennen: Neben der Normalebene sind einige Abschnitte stark vergrößert, andere aus einer weiter entfernteren Perspektive dargestellt.
Die Illustratorin
Die 1977 in Südkorea geborene und in Baiersbronn aufgewachsene Illustratorin Isabelle Göntgen lebt heute in Oberkirch. Aktuell sei auch ein Wimmelbild für Oberkirch in Arbeit, erklärt sie.
Erst im vergangenen September erschien zudem ein großes Archäologie-Wimmelbuch beim Verlag Regionalkultur, in Zusammenarbeit mit dem Illustrator David Marchal. Der zeitliche Aufwand ist enorm: Pro Seite plant Isabelle Göntgen etwa einen Monat Zeit ein, bei einem normalen Buch etwa eine Doppelseite pro Monat. Meist arbeitet sie an mehreren Projekten parallel und illustriert Kinderbücher für diverse Verlage oder Wimmelbilder. Die Illustrationen von Isabelle Göntgen sind auch auf der Kinderseite des Nationalparks zu finden.
Auf ihrem Instagram-Account kann der Illustratorin bei der Arbeit zugeschaut werden, auch Bilder aus dem Entstehungsprozess dieses Wimmelbuchs sind dort zu finden.
Wimmelbuch-Erfinder
Seitdem das erste Wimmelbuch des Erfinders Alfons „Ali“ Mitgutsch (der vor gut einem Jahr gestorben ist) im Jahr 1968 mit dem Titel »Rundherum in meiner Stadt« beim Ravensburger Verlag erschienen ist, erfreuen sich Wimmelbücher großer Beliebtheit und werden bis heute gerne auch ins Ausland verkauft. Göntgen: „Die Wimmelbücher sind voller Geschichten, die man schon mit Zwei- oder Dreijährigen durchschauen kann. Die Kinder sehen dann zum Beispiel einen Hund im Bild und versuchen dann begeistert, ihn auf der nächsten Seite wiederzufinden.“