Auf Schildern wird davor gewarnt, das Anwesen zu betreten. Sie sind inzwischen in einem schlechten Zustand und werden ersetzt. Foto: Krokauer

Wie geht es weiter mit der Charlottenhöhe in Schömberg? Vor rund einem Jahr schien die verfallene Anlage einen neuen Investor gefunden zu haben. Doch aus dem Geschäft wurde nichts.

Schömberg - Da der bisherige Eigentümer seinen Pflichten nicht nachkam, beantragte die Gemeinde Schömberg ein Zwangsversteigerungsverfahren für die Charlottenhöhe beim Amtsgericht Calw. Am 8. Juni 2021 war es so weit. In einer rund drei Stunden dauernden Bieterschlacht im Hirsauer Kursaal ersteigerte ein Mann aus Mannheim für den sagenhaften Betrag von 1,301 Millionen Euro die etwa 6000 Quadratmeter große Gewerbefläche mit dem verfallenen Anwesen, das einst eine stolze Lungenheilanstalt war. Das gesamte Grundstück ist 31 000 Quadratmeter groß. Der Mann aus Mannheim bezeichnete sich als "Zwischeninvestor", gab sich aber ansonsten recht zugeknöpft. Das Anwesen hat einen symbolischen Verkehrswert von einem Euro. Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz.

 

Der Gemeinde steht Geld zu

Zunächst schien es so, als würde die Gemeinde Schömberg ihre Forderungen in Höhe von rund 350 000 Euro bekommen. Am 22. Juni 2021 bekam der neue Eigentümer den Zuschlag. Bis 2. September 2021 hatte er Zeit, das Geld zu überweisen. Doch der neue Eigentümer ließ die Frist verstreichen und zahlte bis dahin nicht.

Seitdem ist rund ein Jahr vergangen. Und noch immer sind zahlreiche Fragen offen. Hat der neue Eigentümer inzwischen doch noch gezahlt? Wenn nicht: Beantragt die Gemeinde Schömberg erneut ein Zwangsversteigerungsverfahren beim Amtsgericht Calw? Schließlich hat die Kommune Forderungen in Höhe von rund 350 000 Euro. Welche Fragen müssen bis zum Zwangsversteigerungsverfahren noch geklärt werden? Bis wann ist mit einer Entscheidung für ein erneutes Zwangsversteigerungsverfahren zu rechnen? Wer ist überhaupt für die Verkehrssicherungspflicht zuständig, wenn sich der derzeitige Eigentümer nicht darum kümmert? Und was geschieht mit dem Anwesen, wenn sich kein neuer Käufer findet? All diese Fragen richtete unsere Redaktion an die Gemeinde Schömberg. Dort gibt man sich jedoch bedeckt. "Das Thema Charlottenhöhe ist nach wie vor ein laufendes Verfahren, zu dem die Gemeinde keine neuen Erkenntnisse hat, zumal der Eigentümer zuständig ist, ansonsten das Landratsamt", teilte Stefanie Stocker, Pressesprecherin der Gemeinde Schömberg, lediglich dazu mit.

In Sachen Verkehrssicherungssicherungspflicht ist das Landratsamt Calw zuständig, wenn es um die "dauerhafte Sicherung" geht, erklärte Janina Müssle, stellvertretende Pressesprecherin des Landratsamtes Calw, auf Anfrage unserer Redaktion. Wenn "spontan" etwas passiere, müsse sich die Gemeinde Schömberg darum kümmern, sagte sie weiter.

Neue Warnschilder

Mit Schildern vor dem Anwesen wird davor gewarnt, das Gelände zu betreten. Es bestehe Lebensgefahr. Dabei zog die Charlottenhöhe schon Geisterjäger an. Im März 2019 zündeten drei junge Männer Feuerwerkskörper, einen davon in einer Toilettenschüssel. Der Lärm war ohrenbetäubend und löste einen Großeinsatz der Feuerwehr aus. Auch mehr als 30 Jahre alte vertrauliche Akten des Berufsförderungswerks (BFW) wurden im Herbst des vergangenen Jahres gefunden. Dabei hatte das BFW die Anlage 1994 bereits wieder verkauft.

Etwas Neues gibt es dann doch noch. Es werden demnächst neue Schilder aufgestellt, die vor dem Betreten des Geländes warnen, berichtete Müssle vom Landratsamt.

Zur Geschichte

Die Charlottenhöhe wurde 1907 als Lungenheilanstalt eingeweiht. Unter den Festgästen war auch das württembergische Königspaar, wie Hans Schabert vom Geschichtsverein Calw zu berichten weiß. Die Charlottenhöhe begründete mit den Ruf von Schömberg als Davos der kleinen Leute. Mit der Erfindung von Antibiotika wurden Lungenheilanstalten im Ort jedoch überflüssig. Es setzte ein Strukturwandel ein. Zeitweilig gehörte die Charlottenhöhe auch dem Berufsförderungswerk (BFW). Inzwischen verfällt das Anwesen immer mehr.