Staatssekretär Arne Braun (Dritter von links) im Ballsaal Foto: Holderied

Zur Erhaltung des alten Grandhotels Waldlust organisiert der Verein Denkmalfreunde Waldlust regelmäßig Veranstaltungen – doch dafür bedarf es finanzieller Förderung. Aus diesem Grund besichtigte Staatssekretär Arne Braun das Hotel persönlich.

Beim Betreten der Eingangshalle des ehemaligen Grandhotels ist die Vorstellung von Adel und Fürsten, die durch die Räume der „Waldlust“ schreiten nur schwer greifbar. Doch entgegen ihres Erscheinungsbilds war die Unterkunft vor mehr als 100 Jahren ein begehrtes Luxushotel für internationalen Adel.

 

Der Verein Denkmalfreunde Waldlust versucht mit kulturellen Veranstaltungen dem Hotel nach und nach wieder zu neuem Glanz zu verhelfen – das diesjährige Programm startet am 5. Juli. Dafür braucht es nicht nur freiwilliges Personal und Zeit, sondern auch Geld – jedoch sind aktuell keine Förderungen in Aussicht. Um die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung zu realisieren, stattete der Staatssekretär für Wirtschaft, Forschung und Kunst, Arne Braun (Bündnis 90/Die Grünen), dem Hotel jüngst einen Besuch ab.

Das Hotel ist mehr als 120 Jahre alt. Foto: Holderied

Bei einer kurzen Führung verschaffte er sich dabei einen ersten Eindruck: Nach der unscheinbaren Eingangshalle zeigte sich beim Betreten weiterer Räume das Herzstück des Hotels, der Ballsaal, in dem die Vorstellung von Fürsten und Fernsehstars, welche in den Schlafräumen nächtigten, gar nicht mehr abwegig scheint. Auch der Staatssekretär sieht Potenzial: „Das hier ist großartig.“

Arne Braun als zuständiger Leiter des Projekts für „Kultur im ländlichen Raum“ rät dem Verein einen Antrag auf einmalige Projektförderung zu stellen. „Die Kulturförderung der Baden-Württemberg Stiftung wäre eine Möglichkeit“, erklärt Braun. Doch eine staatliche Förderung komme so kurzfristig vor den kommenden Kulturveranstaltungen nicht in Frage. Ein Antrag bis zur ersten Veranstaltung Anfang Juli könne nicht mehr in der Sitzung besprochen werden. Eine Förderung für spätere Projekte stehe zuweilen für künftige Projekte immer noch im Raum.

Die Blütezeit ist vorbei

Das Grandhotel wurde im Jahr 1902 erbaut und erlebte in den 1950er- und 1960er-Jahren seine Blütezeit. Berühmtheiten und Filmstars wie Douglas Fairbanks, Mary Pickford, Willy Brandt und Mark Twain haben schon in den Schlafzimmern des damaligen Luxushotels genächtigt. „Was damals in den 20er-Jahren hier geschaffen wurde, war für Freudenstadt singulär“, erklärt Carl-Christof Gebhardt.

Doch von dem, was Anfang der 1990er-Jahre erbaut wurde, sieht man heute kaum noch etwas. Der Verein Denkmalfreunde Waldlust hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Verfall der „Waldlust“ zu entschleunigen. Aktuell ist das Hotel seit 1985 im Privatbesitz von Wolfgang Thust. Doch Ziel sei es, das Hotel irgendwann einmal zu einem soziokulturellen Zentrum zu machen. Bis es so weit ist, möchte der Verein mit dem Hotel Raum für Kunst und kulturelle Veranstaltungen bieten.

Das Hotel Waldlust war früher ein Luxushotel. Foto: Holderied

Das Programm „Waldlust auf Kultur“ umfasst dabei eine Reihe von Veranstaltungen im laufenden Jahr, die mit dem Kunstsommer am Samstag, 5. Juli, beginnen. Dabei wird die Unterkunft den Studenten der Kunsthochschule Karlsruhe im Rahmen einer Ausstellung zur Verfügung gestellt. Außerdem erwartet Gäste eine Reihe Liveauftritte von Jazzbands und DJs, welche sich in der „Zwitscherstube“ abspielen sollen.

Der Verein zählt aktuell etwa 120 Mitglieder. Aufgrund nur weniger aktiver Helfer suchen die „Denkmalfreunde“ nach Unterstützung, um die „Waldlust“ wieder zu beleben.

Hotel geht insolvent

Im Jahr 2005 meldete das Hotel Insolvenz an, seither ist das damalige Luxushotel kaum noch in Benutzung. Übernachtungen können nur noch vereinzelt auf Anfrage gebucht werden. Ansonsten werde das Hotel eher als Drehort für Dreharbeiten oder Horrorfilme genutzt.