Zur Lossprechungsfeier des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) waren 28 Absolventinnen und Absolventen in den Kursaal nach Schömberg gekommen. Sie wurden eingerahmt von Staatssekretär Patrick Rapp (links) sowie (von rechts) IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub und den DEHOGA-Kreisvorsitzenden Reinhard Gallistl (Enzkreis), Beate Gaiser (Freudenstadt) und Rolf Berlin (Calw). Foto: Alfred Verstl

Hotellerie und Gastronomie sind zusammen mit Maschinenbau und der Automobilindustrie die wichtigsten Branchen in Baden-Württemberg. Und die braucht immer Nachwuchs. 28 Absolventen waren jetzt zu ihrer Lossprechungsfeier gekommen.

Sie wolle an diesem Abend mal nicht strenge Hausherrin sondern charmante Moderatorin sein, sagte Ricarda Becker bei der Begrüßung zur Lossprechungsfeier des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Schömberg. Als die Leiterin des Dehoga-Campus in Calw von den Absolventinnen und Absolventen wissen wollte, was sich in der Ausbildung verbessern ließe, hielten sich die jungen Menschen dann doch lieber zurück.

 

Es dauerte eine Weile, bis sich Alexander Kirindasov aus der Deckung traute. „Ich wünsche mir, dass die Arbeit in der Gastronomie wieder mehr geschätzt wird“, sagte der frisch gebackene Restaurant-Fachmann aus dem Hotel Engel in Baiersbronn-Obertal. Das Ambiente und vor allem die Leistungen von Küche und Service würden kaum noch wahrgenommen. Viele Gäste seien lieber intensiv mit ihren Smartphones beschäftigt.

13 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr weggeworfen

Diesen Ball nahm Patrick Rapp gerne auf. Auch er stelle fest, dass nicht mehr geachtet wird, was viele leisten. Der Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass in Deutschland pro Jahr 13 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Dahinter stecke die mühevolle Arbeit der Landwirte. Der CDU-Politiker rief zu einem Umdenken auf.

Gruppenbild mit Kammersiegern: Drittplatzierter Sascha Möbius (Hotel Bareiss Baiersbronn, hinten von links), Johannes Lauth (Restaurantfachmann Hotel Bareiss), Philipp Willner (Hotelfachmann Hotel Bareiss), Simon Rosenberger (Förderpreis Landkreis Calw, Hotel Berlins KroneLamm, Bad Teinach-Zavelstein), DEHOGA-Geschäftsführer Joachim Schönborn sowie die Kreisvorsitzenden Reinhard Gallistl (Enzkreis), Beate Gaiser ( Freudenstadt) und Rolf Berlin (Calw); sitzend von links: die Kammersiegerinnen Lea Maria Breit (Köchin), Lara Sophie Schmid (Hotelfachfrau und Zusatzqualifikation Hotelmanagement, Berlins Hotel KroneLamm) und DEHOGA-Campus-Leiterin Ricarda Becker. Foto: Alfred Verstl

„Wir müssen den Laden am Laufen halten und uns nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten“, sagte Rapp mit Blick auf die politischen Debatten. Statt mit dem Besorgnis erregenden Anstieg der Unternehmensinsolvenzen beschäftige man sich mit der Cannabis-Freigabe.

Rolf Berlin, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Calw, sticht die Debatte um die Work-Life-Balance gewaltig in die Nase. „Echte Balance entsteht nur durch Arbeit und nicht umgekehrt – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, machte er seinen Standpunkt deutlich. Und das zeichne auch die Branche aus, wo man gemeinsam anpackt, wenn Not am Mann.

Er selbst habe in dem von seinem Hotel bewirtschafteten Wanderheim in Zavelstein mit angepackt, als er sah, dass angesichts des enormen Andrangs an einem herrlichen Sommerabend „Land unter“ in Küche und Service war. Da bindet sich der Senior-Chef persönlich die Schürze um und hilft, bis der Laden wieder läuft, obwohl er eigentlich zu seiner Stammtisch-Runde wollte.

Das sind Situationen, die es in Hotellerie und Gastronomie oft gibt. Auch das haben die jungen Menschen, die jetzt ihre Ausbildung abgeschlossen haben, gelernt. „Ich würde ja gerne am Wochenende da bleiben, aber ich muss arbeiten, mein Betrieb braucht mich.“ Diesen Satz hat Ricarda Becker oft von den Auszubildenden im Campus gehört.

Schlechte Nachrichten einmal für eine Weile vergessen

Insofern könnten die Absolventen trotz aller Kriege und schwelenden Krisen mit Zukunftsfreude statt mit Zukunftsangst auf ihre künftige berufliche Laufbahn blicken, sagte die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald, Tanja Traub. Zumal ein schöner Urlaub oder ein gutes Essen im Restaurant dazu beitragen könne, schlechte Nachrichten für eine Weile zu vergessen.

Im Übrigen sei die Branche von Toleranz und Weltoffenheit geprägt. Das gelte für Gäste wie Beschäftigte gleichermaßen. Herkunft, Hautfarbe und Religion spielten keine Rolle. Der Anteil der Azubis mit Migrationsanteil betrage mittlerweile rund 50 Prozent, so hoch wie in keinem anderen Wirtschaftszweig. Tendenz steigend.

Zusammen mit Maschinenbau und Automobilindustrie stünden Hotellerie und Gastronomie im Wettbewerb um die wichtigste Branche im Land, sagte Erik Schweickert, im baden-württembergischen Landtag Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Ein Platz auf dem Treppchen sei auf jeden Fall gesichert.

Den Absolventen wünschte der FDP-Politiker Antrieb und Freude mit Blick auf das weitere Berufsleben.

Udo Bertsch begrüßte in Vertretung des urlaubenden Bürgermeisters Matthias Leyn die Besucher in der Glücksgemeinde. Der Kursaal biete für eine solche Feier ein ideales Ambiente.