Bianca Franz mit ihrer Betreuungsgruppe Foto: Katharina Deger

Bianca Franz arbeitet seit fünf Jahren als selbstständige Tagesmutter in Loßburg. Bei einem Gespräch mit unserer Redaktion gibt sie Einblicke in ihren Alltag.

„Es ist heutzutage aus finanzieller Sicht einfach schwierig, dass ein Elternteil nach der Schwangerschaft drei Jahre lang daheim bleibt“, erklärt Katharina Deger vom Tageselternverein Landkreis Freudenstadt. Die Vermittler des Vereins sind eine Schnittstelle zwischen Eltern und Tagesmüttern – so ist es auch bei Bianca Franz aus Loßburg.

 

Die 53-Jährige ist gelernte Konditorin, doch es sei schon seit der Schulzeit ihr Traum gewesen, beruflich etwas mit Kindern zu machen. Nach ihrer Schwangerschaft arbeitete sie lange Zeit in der Gastronomie: „So konnte ich in der Gegenschicht von meinem Mann arbeiten, um abwechselnd für unsere Kindern da zu sein“, erklärt Franz. Damals sei ihr noch nicht bewusst gewesen, dass es die Möglichkeit der Betreuung durch Tagesmütter gegeben habe.

Vor zwölf Jahren entschloss sie sich dann, ihrer Berufung nachzugehen. Nachdem sie ihre Qualifikationen – bestehend aus 300 Unterrichtseinheiten – absolviert hatte, arbeitete sie erst Teilzeit als Tagesmutter und machte sich dann vor fünf Jahren schließlich komplett selbstständig.

Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung

Das Angebot der Kindertagesbetreuung wird vom Landkreis gefördert. „Pro Kind und Stunde zahlt man aktuell 2,58 Euro“, erklärt Franz. Für jedes weitere Kind werde der Beitrag etwas geringer. Und: Vom ersten bis zum dritten Lebensjahr gebe es ohnehin den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kita oder einer anderen Tageseinrichtung, sagt Katharina Deger. „Nach dem dritten Geburtstag wechseln die Kinder dann meistens in den Kindergarten“, erklärt sie.

Bianca Franz ist bereits seit zwölf Jahren als Tagesmutter tätig. Foto: Katharina Deger

Vorteilhaft sei, dass man als Tagesmutter flexibel agieren könne, so Franz. „Außerdem kann der Lösungsprozess oft schwer für die Kinder sein“, berichtet sie. Da sei es gerade am Anfang gut, nur eine Bezugsperson zu haben. Die Räume, in denen die Kinder betreut werden, wurden zuvor vom Jugendamt auf Sicherheit überprüft. Dabei werden unter anderem Treppen, Steckdosen und Pflanzen kindersicher gemacht. Außerdem müsse man alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren und alle fünf Jahre seine Lizenz erneuern, erklärt die Tagesmutter.

Von Lego bis zum Bällebad

Der Berufsalltag von Bianca Franz beginnt gegen 6.45 Uhr. „Je nach Bedarf auch schon früher“, so Franz. Dann trudeln nach und nach die ersten Kinder ein. „Wir haben nie mehr als fünf Kinder gleichzeitig, das ist auch gesetzlich geregelt“, erklärt die Tagesmutter. Die letzten Kinder kommen gegen 7.30 Uhr: „Und dann frühstücken wir erstmal zusammen in Ruhe.“ Nach dem Liedersingen können die Kinder ihrem spielerischen Drang freien Lauf lassen – von Lego über Memory bis hin zum Sprung ins Bällebad.

Die Betreuungsräume von Bianca Franz bieten den Kindern viele Möglichkeiten. Foto: Holderied

Mit einem Vierer-Kinderwagen und Gurten für die restlichen Kinder startet in der Regel gegen 9 Uhr der Ausflug an den Mehrgenerationenspielplatz. Dort können sich die Kinder beim Spielen mit Bobbycars und Laufrädern austoben. „1,2, 3, das Spielen ist vorbei“, heiße es dann gegen 12.30 Uhr, dann werde aufgeräumt. Das funktioniere auch tatsächlich, fügt Franz stolz hinzu. Nach dem Mittagessen und einer weiteren Sing- und Spielerunde werden die Kinder wieder abgeholt. Aktuell betreut Bianca Franz etwa bis 14 Uhr.

Doch auch heute noch stoße sie auf Vorurteile und Unwissenheit anderer gegenüber dem Beruf. „Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt oder denken an Nachbarschaftshilfe wie vor 30 Jahren“, erklärt sie. Sie wünsche sich für die Zukunft, dass der Beruf mehr gewürdigt wird. Katharina Deger vom Tageselternverein fügt hinzu: „Die Nachfrage ist auf jeden Fall schon seit längerer Zeit da.“ Zwar seien die Anfragen zeitweise ein bisschen weniger geworden, „aber es zieht nun wieder an.“