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Loßburg Zu viele Milane für Windkraftanlagen

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Einige Rotmilane wurden bei 24-Höfe gesichtet. Foto: Straub Foto: Schwarzwälder Bote

Für den Rotmilan ist der 2,3 Kilometer schmale Höhenrücken von 24-Höfe ein idealer Lebensraum. Er jagt auf den landwirtschaftlichen Flächen und findet im Wald Brut- und Horstplätze.

Loßburg-24-Höfe. Deshalb ist aus Sicht eines NABU-Gutachtens keine der vier Kernzonen, die die Gemeinde Loßburg im Teilflächennutzungsplan dort für Windkraft vorsieht, geeignet. Auf Einladung des Nabu Horb wurde das Gutachten am Freitag im Bürgerhaus vorgestellt. Es widerspricht dem Gutachten, das die Gemeinde Loßburg erstellen ließ, in einigen Teilen.

Lambert Straub, Vorsitzender des Nabu Horb, der auch für Loßburg zuständig ist, hatte zu der Veranstaltung im Vorfeld der Gemeinderatssitzung, bei der am morgigen Dienstag das Thema Windkraft auf der Tagesordnung steht, eingeladen. Unter den 80 Interessierten, die der Einladung folgten, waren nur zwei Loßburger Gemeinderäte, wovon sich Straub enttäuscht zeigte.

Die Gemeindeverwaltung habe selbst einen Gutachter beauftragt. Dieser, so Straub, sei dem Nabu bereits in Horb und drei anderen Orten aufgefallen, weil es bei seinen Gutachten an der nötigen Sorgfalt gemangelt habe.

Er halte es für problematisch, wenn der Vorhabenträger – in dem Fall die Gemeinde Loßburg – sich den Gutachter selbst aussuche. In solchen Fällen könne es im Genehmigungsverfahren zur Anforderung weiterer Gutachten von unabhängiger Seite kommen. Und es könne wie in Dornhan geschehen, dass übersehene oder nicht gewertete Reviere "plötzlich" bei Baubeginn auftauchen und massive Probleme bereiten. Weltweit kommt der Rotmilan nur in Europa vor – mit 20 000 bis 25 000 Brutpaaren. Etwa die Hälfte des Gesamtbestands lebt in Deutschland.

"Wir haben deshalb eine besondere Verantwortung für den Rotmilan", betonte Straub. Besonders stark verbreitet ist dieser Vogel im Oberen Gäu und auf der Baar. Der Rotmilan mit seinem Gabelschwanz, einer Spannweite von rund 1,70 Meter und dem zimtroten Federleib ist ein Suchjäger. Die Gefahr einer Windkraftanlage kenne er nicht, sagte Straub.

Experte macht etwa 15 Reviere der Greifvögel ausfindig

Eine Kollision mit den Rotorblättern sei demnach nur eine Frage der Zeit. Kleinere Vögel und Fledermäuse erleiden Straub zufolge ein Baro­trauma, wenn sie den rotierenden Windrädern zu nahe kommen: Aufgrund des Unterdrucks platzen ihre Lungen. Ganze Schwärme von Zugvögeln seien bedroht, wenn sich plötzlich Windräder auf ihrer Route erheben.

Der Diplom-Biologe und Ornithologe Matthias Klemm aus Tübingen hat im Auftrag des Nabu insgesamt 134 Stunden Beobachtungen auf einem rund 80 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet erfasst. Dabei wurden 15 Rotmilan-Reviere ausgemacht – "eine ziemlich hohe Zahl".

In 24-Höfe erfülle das Milan-Vorkommen dem Nabu-Gutachten zufolge in allen vier Vorrangzonen die Kriterien für ein sogenanntes Dichtezentrum. Bei dreien hat mindestens ein Milan innerhalb von einem Kilometer Radius sein Revier und seinen Horstbaum.

Gutachter Matthias Klemm hält deshalb die Zonen Oberes Weiler/Romishorn, Hallwanger Weg Richtung Betzweiler und Tannenwald, wo bereits zwei 100 Meter hohen Anlagen stehen, für den Bau von Windkraftanlagen wegen eines "signifikant erhöhten Tötungsrisikos" für ungeeignet. Außer dem Rotmilan wäre dort auch der Schwarzmilan betroffen.

Am Hallwanger Weg wurden zudem mehrfach Schwarzstörche gesichtet. Ebenso haben Wespenbussarde und Mäusebussarde Reviere auf der Hochfläche und in den angrenzenden Hangflächen.

Die vierte Zone im Bruckwald an der oberen Traufkante hält Klemm aus naturrechtlicher Sicht für ungeeignet. Dort wurde zwar kein Rotmilan-Revier ausgemacht, dennoch bestehe wegen der topografischen Lage und der Thermik am Hang ebenfalls ein "signifikant erhöhtes Tötungsrisiko".

Das Gutachten, das die Gemeinde Loßburg beim Büro für Faunistik und Landschaftsökologie in Bingen (BFL) in Auftrag gegeben hat, ist seit Donnerstag online unter den Unterlagen für die Gemeinderatssitzung am Dienstag einsehbar. Damit dokumentiert das BFL ähnliche Beobachtungen wie der NABU-Gutachter Matthias Klemm, bewertet diese jedoch an zwei Standorten unterschiedlich. Durch eine Raumnutzungsanalyse, wie sie das Loßburger Gutachten einbezieht, ist in der Konzentrationsfläche Oberes Weiler/Romishorn eingeschränkt im nördlichen Teil eine Windkraftanlage möglich.

Auch im Bereich Tannenwald seien demnach keine "artenschutzfachlichen" Bedenken zu prognostizieren. Einig hingegen sind sich beide Gutachten darin, dass die Konzentrationszonen Hallwanger Weg und Bruckbach nicht genehmigungsfähig seien.

Lambert Straub betonte, dass es dem Nabu nicht um eine Verhinderung gehe, sondern um eine fachliche und objektive Bewertung der nachgewiesenen Greifvögel. Sein Anliegen sei: "Wir müssen jetzt zu einem Umgang auf Augenhöhe kommen, uns gemeinsam die Expertisen anschauen und zu einem Ergebnis kommen, das objektiv trägt und die Situation vor Ort realistisch darstellt."

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