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Loßburg Windkraft-Ausbau könnte schwierig werden

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Seit Monaten sorgt das Thema Windkraft für heftige Diskussionen und Unruhe in Loßburg. (Symbolbild) Foto: dpa

Loßburg - Kurt Winter, Ortsvorsteher von Schömberg, macht seinem Ärger Luft. Als er den neuen "Windatlas" der Landesregierung gesehen habe, sei er schockiert gewesen. Der Löwenanteil der Gebiete, die in puncto Windaufkommen geeignet für mehr Windkrafträder seien, lägen in seinem Revier.

Ein Hektar Wald müsse für ein Windrad fallen. "Und es braucht 200 Jahre, bis der Wald nachwächst", schimpft der aufgebrachte Ortsvorsteher beim "Energiedialog Loßburg". Winters Warnung: "Schömberg wird sich wehren. Wir sehen rot."

Das Kinzighaus in Loßburg ist gut besetzt an diesem Abend, das Interesse offenbar groß. Geladen hat das "Forum Energiedialog" der Landesregierung. Seit Monaten hat das Thema Windkraft für heftige Diskussionen und Unruhe in Loßburg gesorgt, an diesem Abend soll es nun um Konfliktabbau, Beruhigung und "Versachlichung der Diskussion" gehen, wie auch Bürgermeister Christoph Enderle klarmacht. "Die Gemeinde möchte die Energiewende begleiten, sie möchte aber auch die Flächen steuern." Das Dilemma: "Wenn wir keine Flächen ausweisen, ist die gesamte Gemarkung Loßburg frei für Windkraftanlegen. Ich bin sicher, das will auch keiner."

"Wir leben vom Wald und mit dem Wald"

Viele der Anwesenden kommen aus 24-Höfe und Schömberg, den potenziell am stärksten betroffenen Orten in Sachen neuer Windräder. "Die holzen die Wälder ab, dann hat die nächste Generation keinen Wald mehr", schimpft eine besorgte Frau aus 24-Höfe. Alles, was man hinterlasse, sei dann eine "Spargellandschaft". "Wir leben vom Wald und mit dem Wald", sekundiert ein Mann aus Schömberg. Ein anderer sorgt sich besonders um die Bestände des Rotmilans, der durch Windräder gefährdet werde. Eines wird an diesem Abend sehr deutlich: Sonderliche Begeisterung löst die Aussicht auf mehr Windkraftgewinnung vor Ort nicht aus.

Für Ärger hat vor allem der neue "Windatlas" der Regierung gesorgt, den das Stuttgarter Umweltministerium im Mai veröffentlichte. Die potenziellen Flächen, in denen genug Wind weht, seien für 24-Höfe und vor allem für Schömberg massiv ausgeweitet worden, sagt André Leopold vom Rottweiler Ingenieur- und Planungsbüro, das nunmehr einen neuen Planungsentwurf erarbeitet. Der "Windatlas" schaffe jetzt eine völlig neue Grundlage. "Die Flächen haben sich nicht verdoppelt, sie haben sich vervielfacht."

Allerdings macht Leopold klar, dass der Weg bis zu endgültigen Beschlüssen noch weit ist. Und: "Ohne Artenschutz, das ist klar, geht gar nichts." Doch wie Bürgermeister Enderle warnt auch Leopold: "Was wäre denn die Alternative: Wir machen keinen Flächenplan?" Das aber würde bedeuten "Feuer frei für mehr Windkraft" allerorten.

Energiewende ohne Windkraft und Sonnenenergie nicht machbar

Auch Gerd Rosenkranz vom Berliner Thinktank Agora Energiewende, mahnt Handeln an. Ohne Windkraft – und Sonnenenergie – werde die Energiewende nicht gelingen. Und noch eine Erkenntnis brachte der Experte mit: Die Ausweitung erneuerbarer Energie werde für die Menschen auf dem Land viel mehr Veränderungen mit sich bringen. Auch dies sei eine gewaltige Herausforderung. "Für die Leute in der Stadt ändert sich hingegen nichts." Die entscheidende Frage laute: "Wie kriegen wir das für Mensch und Natur erträglich hin?"

Der jüngste Streit über Mindestabstände von Windkrafträdern zu Wohngebieten, den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier jüngst auslöste, sei wohl noch lange nicht gelöst, so Rosenkranz. 1000 Meter Abstand auch zu kleineren Wohneinheiten wollte Altmaier, was heftige Proteste der Windkraftbranche auslöste. "Das Thema wird in Berlin nunmehr auf höchster Ebene behandelt", so Rosenkranz. Ausgang: ungewiss.

Ohne Wenn und Aber für mehr Windkraft in der eigenen, unmittelbaren Nachbarschaft spricht sich eine junge Frau aus Schömberg aus. "Da hab’ ich lieber zehn Windkrafträder vor der Haustür als ein Kernkraftwerk", meint sie. Die Frau erntet keinen Beifall, stattdessen bekommt sie vereinzelte Buh-Rufe zu hören.

Eines steht fest: Der Ausbau der Windkraft in Loßburg dürfte schwierig werden.

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