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Loßburg Wenn es wieder wackelt auf den Friedhöfen

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Kräfte von drei Kilonewton müssen die Grabsteine aushalten. Das Messgerät sieht aus wie ein großes T oder – wie im Bild – wie ein Lenkrad auf Stelzen.Foto: Fuchs Foto: Schwarzwälder Bote

Wer am 14. oder 15. Juli einen Loßburger Friedhof besucht hat, ist vielleicht auf Arbeiter aufmerksam geworden, die eigenartige Geräte an den Grabsteinen ansetzten. Diese wurden nämlich auf Standfestigkeit überprüft. Wenn es einem Stein daran mangelt, sind nun die Besitzer in der Pflicht.

Loßburg. Auf neun Friedhöfen musste an jedem einzelnen der 913 Steine gerüttelt werden, um herauszufinden, welche davon gefährdet sind, umzustürzen. "Man muss sich das so vorstellen", beginnt Gerd Maser, Leiter des Ordnungs- und Standesamts Loßburg, im Namen der Friedhofsverwaltung zu erklären. "Die Mitarbeiter von der Fachfirma Thoma haben Geräte, die aussehen wie der Buchstabe T. Der obere Balken ist der Griff, der untere Teil wird am Grabstein befestigt." Und dann folge der Rütteltest. "Die Steine müssen Kräfte von 300 Newtonmetern aushalten. Das ist viel." Früher seien es sogar 500 Newtonmeter gewesen, denen die Grabsteine standhalten mussten.

"Dieses Mal wurden 36 Steine bemängelt." Das entspreche einer Quote von 3,9 Prozent. "Diese Zahl ist wirklich passabel. Wir haben schließlich auch strenge Winter, denen die Steine ausgesetzt sind." Bei Wind und Wetter könne sich schon mal eine Verankerung lockern. "Deswegen werden die Überprüfungen auch immer im Frühjahr gemacht. Die Steine einmal im Jahr kontrollieren zu lassen, sei Vorschrift."

Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, nicht den Bauhof, sondern eine Fachfirma, die fast nur Grabsteine prüfe, zu beauftragen. "Wir wollten das Thema aus dem Ort raus haben", meint Maser. Ich habe von anderen Gemeinden gehört, dass es am Ende hieß: ›Die Steine waren fest bevor ihr daran gerüttelt habt‹." Man wolle die "Jungs vom Bauhof" vor solchen Anschuldigungen schützen.

Im Notfall werden die Steine umgelegt

Dass die "Nutzungsberechtigten", also die Angehörigen der Verstorbenen, nicht froh über die Nachricht des lockeren Grabsteins sind, liegt nahe. Sechs Wochen haben sie Zeit, um das Grabmal richten zu lassen. "Die Angehörigen, die für die 36 lockeren Steine die Verantwortung haben, werden nun von der Verwaltung angeschrieben und darauf hingewiesen", erklärt Maser. Die müssen die Male vom Steinmetz reparieren lassen. "Man darf das nicht selber machen, weil nur Fachmänner berechtigt sind, an den Grabsteinen zu arbeiten", merkt er an. "Die Betroffenen müssen uns nach spätestens sechs Wochen schriftlich mit Stempel bestätigen, dass die Aufgabe erledigt ist."

Brauche der Steinmetz etwas mehr Zeit, so habe die Gemeindeverwaltung dafür Verständnis. "Aber es muss eine Reaktion kommen." Bleibe diese ganz aus, so werde der betroffene Grabstein "umgelegt." Und zwar nach vorne, auf das Grab, sodass er nicht mehr von alleine umfallen könne.

"Bis jetzt ist zum Glück noch nichts passiert, und das soll auch so bleiben", erklärt Maser den Grund für die ganze Aktion. "Grabsteine wiegen etwa 300 Kilogramm. Wenn einer locker ist und sich jemand dagegen lehnt, während auf der anderen Seite zum Beispiel ein Kind sitzt, will man sich nicht vorstellen, was passieren kann", malt er sich den Fall der Fälle aus.

Wann ein Grabstein im wahrsten Sinn des Wortes fällig sei, das sei ganz verschieden. "Manche stehen 25 Jahre lang, ohne locker zu werden. Aber wir hatten auch schon andere, die nach drei Jahren neu befestigt werden mussten", sagt Maser. "Woran das liegt, kann niemand sagen. Vielleicht am Wetter oder der Arbeit des Handwerkers." Der Steinmetz befestige den Grabstein bei Familiengräbern nach der ersten Beerdigung oft "nicht so bombenfest". Schließlich sei klar, dass der Grabstein bei der nächsten Beerdigung ohnehin wieder weggenommen und neu befestigt werden müsse.

Was ist aber mit den Kosten? Corona und Kurzarbeit, da kommt der lockere Grabstein gelegen. "Nicht alle, aber viele Steinmetze befestigen die Male aus Kulanz glücklicherweise kostenfrei. Sie wollen schließlich in guter Erinnerung bleiben, für den Fall dass ihre Arbeit wieder einmal gefragt ist."

Auch für die Gemeinde seien die Aufwendungen für eine Überprüfung überschaubar. "Wir sind bei 85 Cent pro Grabmal", meint Maser. "Wenn sich damit gefährliche Unfälle verhindern lassen, ist es das allemal wert."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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