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Loßburg Von der Idee zur Schwarzwald-Führung

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Der Blick vom Vogteiturm aus bei schönem Herbstwetter, Acker mit rötlicher Erde bei Nebel oder der Turm von unten im Regen: Schwarzwaldguide Matthias Kober (rechts) weiß, dass es zu jeder Jahreszeit Schönes zu entdecken gibt. Foto: Armbruster/Fuchs

Loßburg - Warum ist der Boden rot? Und warum steht kein Schloss am Schlössle-Eck? Schwarzwaldguide Matthias Kober führt seit mehr als 14 Jahren Wanderer durch den Wald und kennt alle Geheimnisse, die er birgt. Wie sein ungewöhnlicher Arbeitsalltag aussieht und wie aus einer Idee eine handfeste Führung wird, lesen Sie unserem (SB+)Artikel.

"Hübsch", denkt sich der unbedarfte Betrachter des bunten Schwarzwalds. Matthias Kober dagegen denkt bei dem Anblick an Geschichten aus vergangenen Zeiten, geografische Besonderheiten oder die einmalige Pflanzenwelt und ihre Geheimnisse. Für den Schwarzwaldguide startet die Herbstsaison.

Immer wieder überrascht

"Ich bin um fünf Uhr aufgestanden", sagt Kober und lacht. Unter seinen Wanderschuhen knirscht das nasse Herbstlaub auf dem Schotterweg der "Augenblickrunde Vogteiturm". Rodt liegt hinter ihm, den Turm in Sichtweite. Nieselregen fällt auf die blaue Regenjacke des Wanderführers und die Wolken hängen tief über dem herbstlichen Wald, den Wiesen und Feldern. Kober hat den ganzen Morgen genutzt, um zu lesen und zu recherchieren. "Das schöne ist, dass ich selber immer wieder Neues herausfinde, was mich überrascht", meint er.

Kober führt schon seit mehr als 14 Jahren Wanderer durch den Schwarzwald. "Ich bin durch eine Kooperation mit der Loßburg-Info zu meinem Job gekommen", erklärt er. "Meine Vorfahren waren Flößer." Deswegen habe er sich besonders darauf gefreut, Wanderer über den Flößerpfad führen zu dürfen.

Botschafter des Parks

"Es gibt rund 80 Schwarzwaldguides im gesamten Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord", erklärt Loßburgs Tourismuschefin Karin Armbruster. "Aber in und um Loßburg haben wir nur Matthias Kober, der sehr viele Touren macht." Die letzte Ausbildung der Schwarzwaldguides sei im Sommer 2018 gewesen. Die "Botschafter des Naturparks" werden in Kooperation mit der Volkshochschule in zwei Semestern ausgebildet. "Das sind völlig unterschiedliche Leute, manche machen das als Nebenjob, andere sind Rentner", erklärt Armbruster. "Aber sie alle verbindet die liebe zum Schwarzwald", sagt Armbruster.

"Unsere Guides sind wirklich mit Herz dabei", bestätigt Naturpark-Projektmanagerin Stefanie Bäuerle. Als vor einigen Monaten die Broschüre "20 Jahre Naturpark – 20 Lieblingsplätze" vorgestellt worden sei, in der die Guides die schönsten Wanderungsziele präsentierten, sei die Nachfrage nach Führungen noch einmal deutlich gestiegen.

Schätze der Region

Kober kommt an einem Acker vorbei, der nebelverhangene Ortsrand dahinter. "Was fällt hier auf? Der Acker ist rot", sagt er. Das liege am Buntsandstein-Vorkommen. Daher seien auch viele Gebäude in der Umgebung rot, darunter die Stadtkirche in Freudenstadt. Er redet von Alemannenfunden und der Geschichte der Glasmacher. "Glas wurde aus dieser Region exportiert", erklärt er. "Die Glashütten standen im Wald, wo es die Rohstoffe, wie zum Beispiel Sand, gab." Er deutet auf den mächtigen Waldrand, der vor ihm auftaucht. Die Weißtannen mit ihren charakteristischen runden Kronenspitzen scheinen die Wolken zu berühren. "Vor 300 Jahren war dieses Waldgebiet eine Wüste", sagt Kober. Die Bäume seien zu Potasche verbrannt worden, weil diese gebraucht worden sei, um den Schmelzpunkt von Glas zu senken. Heute ist der Wald wieder dicht, die Bäume beeindruckend hoch.

Schönes zu jeder Jahreszeit

Zu jeder Jahreszeit gebe es etwas zu sehen, so Armbruster. "Einige Touren werden das ganze Jahr angeboten." Zum Beispiel die Schäferwanderung. Andere Touren gebe es Saisonal. Streuobstwiesen lassen sich besonders gut im Herbst erkunden, wenn die Äste voller Früchte hängen. Kober führe auch Schneeschuhwanderungen, sofern Schnee liege. Oder E-Bike-Touren im Sommer. Im Wechsel der Jahreszeiten und bei der Wahl der Fortbewegungsmittel – Wanderschuh, Schneeschuh oder Fahrradsattel – erweitere sich der Horizont, habe er einmal gesagt, erinnert sich Armbruster.

Von der Idee zur Tour

"Wenn ich mir eine neue Tour einfallen lasse, brauche ich erst einmal ein Thema", erklärt Kober. "Da nehme ich natürlich Bereiche, die mich interessieren, wie die Flößerei oder die Insektenwelt, denn ich bin auch Imker." Der Zeitrahmen spiele eine Rolle. "Ich muss überlegen, wo die wirklich interessanten Orte liegen." Und dann gehe es ans Lesen und Recherchieren, bis aus der Idee eine handfeste Führung entstanden sei.

"Manche Führungen haben feste Termine, andere mache ich ganz spontan", erklärt Kober. "Einmal habe ich zwei Männer aus Amerika getroffen, die hier Urlaub machten und noch nichts mit ihrem Tag anzufangen wussten." Aber sie hätten sich für Burgen interessiert. Kober habe sich als Guide zu erkennen gegeben und die beiden nach Horb begleitet, wo zufällig auch noch Ritterspiele auf der Burg gewesen seien. Der Wanderführer spricht nicht nur englisch, sondern auch hebräisch und wandert gern mit ausländischen Gästen.

Lebendige Geschichte

Einen Stop auf der Augenblickrunde legt Kober an einer kniehohen, moosbewachsenen Mauer ein. "In Zeiten, als Holz mit Pferden abgefahren wurde, hat man die Holzstämme auf diese Rampen gelegt, um sie dann bequem auf den Wagen rollen zu können", erklärt der Wanderführer. Einige Meter weiter bleibt er an einer ebenso unauffälligen Stelle stehen. Ein Spaziergänger wäre wohl an dem Stein im Boden vorbeigegangen, ohne ihn als historisches Kleindenkmal zu erkennen. Der Grenzstein ist ein Wegweiser, der über sechs Segmente die Hauptrichtungen anzeigt. "Das hier ist die sogenannte Sandwiese", erklärt Kober. Hier werden auch Baumstämme gelagert. Ein Segment im Stein enthält ein Zeichen, das aussieht wie ein Strich mit zwei Querstrichen. "Mit solchen Holzzeichen haben die Bauern früher ihre Stämme markiert", sagt Kober. Das Zeichen sei bis nach Holland erhalten geblieben. So habe man nachvollziehen können, wo der Baum einmal stand.

Der Weg führt aus dem Wald hinaus und kurz darauf steht Kober vor einem imposanten Aussichtsturm.

Viel zu entdecken

Kober schaut vom Vogteiturm aus über die offene Landschaft. Der Turm wurde 2002 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Schwarzwaldvereins Ortsgruppe Loßburg gebaut. Er hat 172 Stufen. Kober weiß, wieso das Schlössle-Eck Schlössle-Eck heißt, obwohl dort heute kein Schlössle mehr steht. Und weshalb der Vogteiturm seinen Namen trägt. Und wie diese ganze Landschaft noch vor 400 Jahren aussah. "Früher war der Schwarzwald undurchdringlich, eine echte Wildnis." Doch verlorene Wildnis wieder herzustellen, sei unmöglich. "Deswegen sollte man die Großvatertanne in Schömberg einmal gesehen haben. Sie ist die nachweislich mächtigste Tanne im ganzen Schwarzwald. Man muss sich einmal das Alter dieses seltenen Riesen vor Augen führen." Der Mann, der die vielen kleinen Geheimnisse um sich herum entschlüsselt hat und lebendige Geschichte sieht, wo andere nur Moos und Stein sehen, scheint einfach alles über den Schwarzwald zu wissen.

"Viele Touristen besuchen den Schwarzwald zum Wandern, aber sie erfahren nichts über Geschichte und Landschaft und nehmen zu wenig von all dem Wissen mit. Das gilt ebenso für viele Einheimische", überlegt Armbruster. "Dabei gibt es da so vieles zu entdecken."

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