Der Adrionshof in Ödenwald bei Loßburg wird im "Tatort: Waldlust" zum Lorenzhof.  Foto: Hopp

Folge Waldlust wird am Sonntag ausgestrahlt. Eigens komponierte Sinfonie. Musik führt Schauspieler. Mit Video

Loßburg - Die Dreharbeiten für den "Tatort: Waldlust" haben vor einem Jahr den einen oder anderen Schaulustigen in den abgelegenen Loßburger Weiler Ödenwald gelockt. Der Krimi soll am Sonntag ein Millionenpublikum fesseln.

Vier Wochen lang drehte ein Team des Südwestrundfunks (SWR) mit rund 40 Mitarbeitern im Januar und Februar vergangenen Jahres den Fernseh-Krimi "Tatort: Waldlust" im und um den denkmalgeschützten Adrionshof in Ödenwald. In der meist eisigen Kälte arbeitete Regisseur Axel Ranisch mit einem Ensemble improvisationserfahrener Schauspieler. Der Ludwigshafener "Tatort" wurde chronologisch gedreht, die Darsteller formulierten die Dialoge aus dem Stegreif.

Ulrike Folkerts (56), die die Star-Kommissarin Lena Odenthal spielt, war von Land und Leuten in Loßburg stark beeindruckt: "Ich hatte viele nette Begegnungen", meinte sie kurz vor Abschluss der Dreharbeiten. In ihrer Freizeit wanderte sie viel im Nordschwarzwald. Schockiert musste sie dabei feststellen, dass es in vielen Dörfern im Hinblick auf die Nahversorgung "gar nichts gibt".

Die Filmkomponistin Martina Eisenreich (36) aus München hat eigens für den "Tatort: Waldlust" eine viersätzige Sinfonie für großes Orchester geschrieben, die von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz eingespielt wurde. Das Werk ist nicht wie üblich die auf den Film abgestimmte Begleitmusik, sondern gibt selbst den Ton an. Eisenreich hat die Komposition zwar nach einem auf zwei Seiten zusammengefassten sinfonischen Programm des Regisseurs geschrieben, den Film selbst schuf Ranisch dann aber nach den Vorgaben der Musik.

Lena Odenthal und ihre Kollegen stoßen beim Coaching-Wochenende auf Mysteriöses

In der Sinfonie sind unter anderem ein Flexaton, auch "singende Säge" genannt, und eine Spieluhr zu hören. Auch fünf Schlagwerker wirken im Orchester mit. So wird die gefühlsmäßige Bandbreite des Krimis zwischen zärtlich, düster und morbide mit recht unkonventionellen musikalischen Mitteln ausgelotet. Eisenreich arbeitet oft mit Ranisch zusammen. Aber das Krimi-Projekt war auch für sie etwas Außergewöhnliches: "Es war faszinierend zu sehen, wie der Regisseur die Bilder auf die Musik gelegt hat", sagt sie rückblickend.

An den Drehtagen habe Ranisch den Schauspielern zunächst die Musik vorgespielt, um sie darauf einzustimmen. Eisenreich gastiert übrigens als Geigerin mit ihrem Quintett beim Schwarzwald Musikfestival am Freitag, 11. Mai, im Kulturpark Glashütte in Baiersbronn-Buhlbach (Kreis Freudenstadt). Das Programm unter dem Titel "Paper Moon" bewegt sich in dem weiten Feld zwischen Filmmusik, neuer Klassik, Jazz und Weltmusik.

Im "Tatort: Waldlust" geht es um ein Coaching-Wochenende, zu dem Odenthal mit ihren Kollegen Johanna Stern (Lisa Bitter), Peter Becker (Peter Espeloer) und Edith Keller (Annalena Schmidt) in ein abgelegenes Hotel im Schwarzwald fährt. Schon bei der Ankunft wird klar, warum Keller das Hotel so günstig bekommen hat: Die guten Tage des Lorenzhofs sind definitiv vorbei. Als die Kommissare im vegetarischen Abendessen dann noch einen menschlichen Knochen finden, ist ihre Ermittlerneugier geweckt.Wenn der "Tatort: Waldlust" am Sonntagabend ab 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird, sitzen natürlich auch viele Loßburger vor dem Fernseher – und das ganz privat. Denn eine offizielle Veranstaltung der Gemeinde zur TV-Premiere gibt es nicht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: