Pfarrer Zakes verabschiedet sich nach zehn Jahren von seiner Gemeinde.Foto: Fuchs Foto: Schwarzwälder Bote

Kirche: Hans-Peter Zakes verlässt die evangelische Gemeinde Loßburg / Vorerst geht es nach Alpirsbach

Zehn Jahre lang war Hans-Peter Zakes evangelischer Pfarrer in Loßburg. Jetzt naht der Abschied von der Gemeinde. Der 60-Jährige hat neue Herausforderungen vor sich. Er wechselt im August vorerst nach Alpirsbach und im kommenden Jahr voraussichtlich nach Freudenstadt.

Loßburg/Alpirsbach. Es hat nichts mit der Stelle zu tun, dass Pfarrer Zakes Loßburg verlässt, sondern mit der Gesundheit. Er muss und will in den kommenden Jahren kürzer treten, doch eine Reduzierung der Arbeitszeit war auf der Stelle in Loßburg nicht möglich. Die betreut Pfarrerin Stefanie Helbling nun zu 50 Prozent, bis ein neuer Pfarrer gefunden ist.

Zakes ist künftig "Pfarrer zur Dienstaushilfe", erst für einige Monate in Alpirsbach, anschließend voraussichtlich in Freudenstadt. Dort gebe es keinen Pfarrer mehr unter 62. "Da bin ich also das Nesthäkchen", scherzt er.

Diakonische Aufgaben und Jugendarbeit werden ihm fehlen

Loßburg werde er vermissen. "In erster Linie wird mir die Gemeinde fehlen", sagt er. "Der Abschied von liebgewonnenen Menschen fällt mir schwer. Auch wenn ich weiß, dass es besser ist, wenn ich jetzt mehr an meine Gesundheit denke." Wichtig waren ihm außerdem die diakonischen Aufgaben. "Da gibt es das Seniorenzentrum Gebrüder-Hehl-Stift, das Kinderheim, das evangelische Mutter-Kind-Kurhaus, den Verein ›Dienet einander‹ für Menschen mit Behinderung, seit 2015 den Arbeitskreis Asyl", zählt er auf. Das alles habe seine Arbeit stark geprägt. Seit 2013 biete die Kirche auch Trauergruppen an. "Mein Frau ist selbstständige Trauerbegleiterin", erklärt er. Das Angebot sei von Personen aller Altersgruppen und Lebenslagen angenommen worden. "Das war etwas Besonderes."

Dieses Thema werde er in Alpirsbach nicht weiterverfolgen, denn es gibt für lediglich 75 Prozent Arbeitskraft viel zu tun. Beide Pfarrer-Stellen in der Stadt seien offen. "Es gibt Pflicht- und Küraufgaben. In Alpirsbach muss ich erst einmal die Pflichtaufgaben bewältigen." Die Jugendarbeit, ebenfalls ein Bereich, den er sehr schätzt, könne er zumindest teilweise, nämlich in Form von Konfirmationsvorbereitung in Alpirsbach weiter betreuen. In Loßburg und auf seinen vorhergehenden Stellen habe er seit 1987 Religionsunterricht gegeben. Mit Kindern und Jugendlichen erlebe man immer wieder Neues und Überraschungen. "Kürzlich habe ich sogar erlebt, dass ein Achtklässler gesagt hat: ›Herr Zakes, ich bin so froh, dass ich wieder in die Schule darf‹", amüsiert sich der Pfarrer. "Das ist in den letzten 30 Jahren noch nicht vorgekommen."

Da zeige sich, wie sehr die Krise die Gesellschaft belaste. "Die Schüler machen sich sorgen, weil es heißt, sie seien die ›Lost Generation‹", so Zakes. "Ich sage ihnen immer, ja, euch sind womöglich Lerninhalte abhanden gekommen. Die könnt ihr, wenn ihr es wollt, noch nachholen. Aber dafür habt ihr jetzt Dinge erlebt und gelernt, die die Generationen vor euch nicht gelernt haben." Mit Frust umgehen, sich auf eine "völlig verrückte, neue Situation einstellen", eine Krise meistern und nicht aufgeben – diese Erfahrungen seien nicht schön, aber wertvoll.

Die Krise habe die Gesellschaft in manchen Bereichen weitergebracht. Er habe eine Affinität zu Digitalem, so der Pfarrer. "Die neuen Kommunikationswege waren herausfordernd und das war auch gut so." Das Analoge habe für ihn als Beziehungsmensch Vorrang, aber auch die Kirche müsse schauen, was sie von den digitalen Errungenschaften beibehalte.

"Pfarrer sein bedeutet, ganz in der Gegenwart zu leben"

"Bei uns geht es um Kommunikation, nämlich um die des Evangeliums. Warum die neuen Wege also nicht weiter nutzen?" Es gebe auch kritische Stimmen, die sagen, wenn Gottesdienste gestreamt werden, ziehen sich einige Gemeindemitglieder völlig zurück. "Diese Bedenken sind sicher berechtigt. Da gilt es, abzuwägen." Zakes vermutet jedoch, dass das Bedienen digitaler Geräte irgendwann zu den Grundkenntnissen gehört, wie das Lesen und Schreiben heute. Auch das sei vor einigen Jahrhunderten nicht selbstverständlich gewesen. "Wer denkt, die Geschichte fängt mit ihm an, irrt sich. Wir leben in der Geschichte und müssen sie immer fortschreiben", zieht der Pfarrer sein Fazit. Er sei interessiert. An Politik, dem Weltgeschehen, einfach an allem. "Für mich heißt Pfarrer sein, ganz in der Gegenwart zu leben."

Loßburg sei mit 2000 Mitgliedern eine große Kirchengemeinde gewesen, "aber auch andere Gemeinden haben ihres", meint er. Künftig sei er nicht mehr mit Verwaltungsaufgaben betraut und die werde er bestimmt nicht vermissen, meint er mit einem Augenzwinkern. Er sei gespannt, was ihn erwarte.

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