Daniela Lang bei der Häkelweltmeisterschaft zwischen den derzeit berühmtesten Häkelmännern, Felix Rohland (links) und Thomas Jaenisch. Foto: Lang

50 Gramm Wolle in knapp elf Minuten verarbeitet. Alles beginnt mit einer Fan-Mütze von Borussia Dortmund.

Loßburg - Es gibt eine Luftgitarren-Weltmeisterschaft. Der Weltrekord im Gummistiefelwerfen liegt derzeit bei 68,03 Metern, und es gibt auch eine WM im Handyweitwurf. Da könnte man eine Weltmeisterschaft im Häkeln schon fast als bieder ansehen. Eine Loßburgerin kam dabei auf den 20. Platz.

Auch lustige Weltmeisterschaften sollten mit Ernst betrieben werden, zumindest was die Wettbewerbsbedingungen anbelangt.

Nicht ganz fair ging es scheinbar bei der Häkelweltmeisterschaft in Zirndorf (Nürnberg) zu. Viele nahmen es mit Humor, andere Teilnehmer beschwerten sich danach über Facebook. Daniela Lang aus Loßburg nahm das Ganze mit gemischten Gefühlen auf. "Es hat riesigen Spaß gemacht", sagt sie.

Aber sie ist auch enttäuscht, denn bei klaren Spielregeln und entsprechender Kontrolle wäre die Loßburgerin nicht auf dem 20. sondern unter den ersten drei Plätzen gelandet, wie sie meint.

Daniela Lang kann schon häkeln seit sie zehn Jahre alt ist. Ihre Oma hat es ihr beigebracht. Das Ganze ist dann wieder eingeschlafen, bis die beiden Mützenhäkler Felix Rohland und Thomas Jaenisch, die zwischenzeitlich eine große Fangemeinde hinter sich haben und gut im Geschäft sind, das Mützenhäkeln zum großen Renner gemacht haben. Daniela Lang häkelte daraufhin ihrem Mann eine Fanmütze von Borussia Dortmund.

Diese kam gut an, und so wurde für die ganze Familie gehäkelt. Dann erfuhr Daniela Lang von der "myboshi- Häkelweltmeisterschaft", die von den beiden männlichen Häkelstars ausgerichtet wurde. Felix Rohland und Thomas Jaenisch selbst wurden beim deutsch-japanischen Skilehreraustausch in Japan von einer japanischen Kollegin in die Geheimnisse des Häkelns eingeweiht und riefen "myboshi" ins Leben.

Mütze heißt auf Japanisch Boshi. Bei dem Wettbewerb sollten 50 Gramm Wolle möglichst schnell zu einem mützenähnlichen Gebilde  verhäkelt werden.  Zur Vorentscheidung hatte Susanne Kochanek von der "Wollblume" in Loßburg eingeladen. Fünf Damen traten an, und schon nach 15 Minuten war Daniela Lang fertig. Weit abgeschlagen war die zweite Teilnehmerin mit 25 Minuten.

Aber auch das ist noch gut, denn normalerweise  benötigt man gut eine Stunde, wenn nicht noch länger, um 50 Gramm Wolle zu verarbeiten. Nach diesem ersten Erfolg setzte sich Daniela Lang daheim fast täglich hin und häkelte im wahrsten Sinne mit der Stoppuhr  vor sich hin. Bestens gerüstet fuhr sie nach Zirndorf, dem Austragungsort der Häkelweltmeisterschaft, um die goldene Häkelnadel. Daniela Lang sah sich 98 Teilnehmern, darunter zehn Männer, gegenüber.Doch Daniela Lang war nicht bange, Sie hatte geübt, und ihre Häkelnadel flog nur so durch die Maschen. Sie übertraf sich mit zehn  Minuten und 52 Sekunden sogar selbst.

Wäre sie bei der ersten Weltmeisterschaft angetreten, hätte sie mit dieser Zeit den zweiten Platz erreicht, doch bei der zweiten Weltmeisterschaft reichte es nur für Platz 20, aber warum? Daniela Lang: "Sechs Minuten und 40 Sekunden war die beste Zeit, gefolgt von sechs  Minuten und 45 Sekunden." Mit Unmut in der Stimme erklärt sie: »Die Teilnehmer, die die ersten Plätze belegten, haben riesige Maschen gehäkelt. Was herauskam, waren keine Mützen, sondern eher wurmähnliche Gebilde." Daniela Lang will aber beim nächsten Mal doch wieder mitmachen. Sie hofft, dass die vielfache Kritik dazu führt, dass es dann klare Regeln gibt.
 
Trotz dieses für sie etwas unbefriedigenden Endes wird Daniela Lang immer wieder auf die Meisterschaft angesprochen. Viele wollen von ihr auch "behäkelt" werden. Im Internet kann man unter http//Dani-Lang.dawanda.com ihre Häkelkünste bewundern.

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