Interview: Bürgermeister Christoph Enderle verrät, was ihn und die Gemeinde in der aktuellen Situation besonders beschäftigt

Loßburg. Der Aufbau eines Markenentwicklungsplans, die Bürgermeisterwahl, die Corona-Krise: 2020 war – gerade auch für Loßburg – ein ereignisreiches Jahr. Bürgermeister Christoph Enderle blickt zurück und auch voraus auf kommende Projekte und Pläne.

Herr Enderle, welche Projekte sind Ihnen als Bürgermeister aus dem Jahr 2020 besonders in Erinnerung?

Nun, hier gibt es viele Projekte zu nennen, aber beispielhaft die Inbetriebnahme der Holzheizzentrale am Schulzentrum, die neue Mensa, die Fertigstellung des Kundencenters bei Arburg, die Erschließung der beiden Baugebiete "Masselstraße III" in Loßburg und "Erweiterung Schulfeld" in Schömberg, Lebensqualität durch Nähe in Wittendorf, ein neuer Dorfplatz und Waaghäusle in Lombach, die Sanierung der Grundschulen Lombach und Loßburg, die neue Fahrzeughalle für 24-Höfe, die Erweiterung des Gewerbegebiets in Betzweiler, die Neuansiedlung der Firma Esslinger und das Sanierungsgebiet Loßburg Ortsmitte. Dann ist da noch der Imagefilm "Natürlicher Dorfurlaub", der Relaunch der barrierefreien Homepage, die Markenentwicklung Loßburg, der Baubeginn des seniorengerechten Wohnprojektes am Gebrüder Hehl Stift, der Baubeginn des Ärztehauses und natürlich auch meine Wiederwahl.

Und was steht in Ihrer Gemeinde an größeren Projekten im Jahr 2021 an?

Endlich die weitere Attraktivitätssteigerung des Zauberlandes durch Bauabschnitt II und der Waldkindergarten Loßburg. Hier schreiben wir demnächst die Stellen aus. Dann die Erschließung des neuen Gewerbegebietes Bahnhof Nord I, der Planungswettbewerb für das Schulareal für die Sanierung des Hallenbades und die Neugestaltung der Sporthalle. Wir wollen das Begonnene abschließen, da wir momentan auch beim Geld auf Sicht fahren, da 2021 selbst für Loßburg herausfordernd wird. Dem Personal tut es auch gut, nicht immer mit 250 Kilometern pro Stunde unterwegs zu sein, da wir oftmals aufgrund der vielen Projekte Abstriche bei der Information der Öffentlichkeit machen mussten, um die Aufgaben bei einem teils 14-Stundentag bewältigen zu können.

Was hat Sie in den vergangenen Monaten besonders geärgert?

Natürlich das kleine Virus, es hat mein Leben und das der ganzen Bevölkerung auf den Kopf gestellt. Geärgert hat mich im ersten "Lockdown" vor allem das kurzfristige Agieren von Bund und Land. Oftmals hat man Sonntagvormittag eine neue Corona-Verordnung erhalten, die am folgenden Montag gegolten hat. Hier waren sonntags Fragen mit den Leitungen der Schulen und Kindergärten mit Formularen und Regelungen zu organisieren, während das Land sich eine Woche Zeit ließ, etwas an die Kommunen und Kreise zu kommunizieren. Das hat unser Personal gefordert. Ich bin mehr als dankbar, dass ich hier bei den Mitarbeitern auf Verständnis gestoßen bin und unterstützt wurde. Es hat mir gut getan, dass wir zusammengehalten haben.

Was haben Sie persönlich wegen der Einschränkungen durch Corona am meisten vermisst?

Nun, ich denke der Kontakt zu Freunden, Bekannten, aber auch zu den Mitmenschen im Allgemeinen. Weder das Dorffest, noch die Partnerschaftsbesuche in Anse, Frankreich, noch in Harta in Ungarn fanden statt. Auch das unbeschwerte Reisen ist im letzten Jahr entfallen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden?

Als erstes würde ich mit meiner Frau das Hochzeitstagessen nachholen, das im letzten Jahr ausgefallen ist. Das tut auch der Gastronomie gut, die ja durch die Beschränkungen in der substanziellen Existenz gefährdet ist. Von meiner Frisur kann ein Friseur ja nicht leben. Freuen würde ich mich, wenn ein toller Sommer 2021 kommen würde und ich mit meinen Kindern ins Loßburger Freibad gehen und unbeschwert die Bürgerinnen und Bürger mit freudigen Gesichtern sehen könnte.

Werden Sie sich impfen lassen?

Ja klar, aber erst wenn ich an der Reihe bin, die vulnerablen Gruppen sollten vor mir dran sein. Bis dahin hoffe ich gesund zu bleiben.

Welche Schwierigkeiten stehen Ihrer Gemeinde durch Corona noch bevor?

Die Situation wird nach Corona eine andere sein. Ich hoffe vor allem, dass unser Einzelhandel überlebt. Zudem hoffe ich, dass wir im touristischen Bereich jedes Zimmer sowie die Gastronomie halten können. Ebenso werden Wirtschaft und Handwerk nicht ungestreift die Lage überstehen, was auch für finanziell kleinere Brötchen sorgen wird. Anpassungen haben wir seit Herbst 2020 schon genug mitgeteilt bekommen. Im Gegenzug steigen die Anforderungen an die Gemeinden immer mehr. Da driften Ansprüche, Wirklichkeit und finanzielle Möglichkeiten stark auseinander. Die erste Tranche Ausfallhilfe vom Bund ist hier nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir können ja vom hohen Standard der Kinderbetreuung nicht abkehren, weil das Geld knapper wird. Die Familien verlassen sich auf uns. Aber dann gehen andere Dinge nicht mehr so großzügig, wie bisher.

Wie steht es um den Zusammenhalt in Ihrer Gemeinde seit Beginn der Corona-Krise?

Bereits während der Flüchtlingskrise hat sich gezeigt, dass ein enormer Zusammenhalt besteht. Jetzt steht der Ort genauso zusammen. Viele Gemeinschaftsaufgaben wurden der Situation angepasst. Es wurde online vorgelesen, es wurden Challenges kreiert, was toll ist, aber den persönlichen Kontakt sicher nicht ersetzen kann.

Auch kleine Gesten der, sagen wir, Nächstenliebe im Alltag, finden vermehrt statt, wie ich beobachte. Zum Beispiel hat eine Baufirma bei der Straßenkreuzung B 294 immer den Senioren auf dem Weg zur Therapie geholfen, über die Gräben und Wegplatten zu kommen. Dafür wurde die Arbeit sogar kurz unterbrochen. Ich hoffe, das hält so an.

Was waren die größten Herausforderungen für die Gemeindemitarbeiter bei der Bewältigung der Corona-Krise?

Wie bereits erwähnt, war es im sozialen Bereich die kurzfristigen Umsetzungen der neuen Verordnungen. Auch das Erklären, warum man nur als systemrelevanter Beruf in den Genuss einer Notfallbetreuung kommt. Die Schließung des Frei- und Hallenbades, Kontaktverbote, Sperrung der Spielplätze. Aber auch die Maskendiskussion und Abstandsregelungen am Arbeitsplatz waren am Anfang schwierig. Permanent Unzufriedene gibt es überall, da braucht man auch ein gutes Stück Gelassenheit.

Können Sie Corona und den Veränderungen vielleicht auch etwas Positives abgewinnen?

Positives kann ich Corona nicht abgewinnen, wenn Menschen sterben. Ich habe aber bemerkt, dass ich im letzten Jahr oft abends noch Zeit mit meinen Kindern hatte, bevor sie ins Bett mussten. Es gab mehr Wochenenden mit der Familie als die ganzen sieben Jahre davor. Wenn Sie es als positiv ansehen, dass ich an mehr als zwei Abenden mit der Familie vespern durfte, dann ja.

Stellen Sie sich vor, es käme, wie im Märchen, eine gute Fee vorbei und Sie hätten drei Wünsche frei. Wie würden die für dieses Jahr lauten?

Grundsätzlich glaube ich ja nicht an die gute Fee, sondern den lieben Gott, aber ich weiß, was Sie meinen. Zuerst würde ich mir für alle Menschen die Befreiung vom Virus wünschen, weltweit.

Ein weiterer Wunsch wäre, dass sich die Demokratie, vor allem in den USA, durchsetzt und die ganzen Despoten ihre Macht verlieren. Ich sorge mich um den Weltfrieden, wenn man die Medien der letzten Tage und diese Fakenews und Medienmanipulationen mitbekommt.

Der letzte Wunsch von den dreien ist vielleicht egoistisch, trotzdem hätte ich gerne endlich eine Ortsumfahrung Loßburg, die für alle verträglich realisiert wird. Aufgrund der frustrierenden Gespräche mit der Politik, wenigstens einen Schritt in Richtung Ortsumfahrung zu kommen, wäre die gute Fee bei diesem Wunsch vermutlich sogar nötig. Nur so lässt sich erklären, dass wir als Gemeinde, obwohl wir bereit wären, alle Planungskosten vorzufinanzieren, nicht weiterkommen. Ich gehe sogar weiter, nach Vorgaben des Bundes auch den Bau einzuleiten, aber nicht einmal hierfür erhalten wir ein Stück Entgegenkommen.

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