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Loßburg Keinen einzigen Tag als Bürgermeister bereut – so kann’s weitergehen

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Christoph Enderle ist seit acht Jahren Bürgermeister in Loßburg – und er möchte es gern bleiben.Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Loßburg. Anstrengend, aber auch spannend und voller Überraschungen. So beschreibt der amtierende Bürgermeister Christoph Enderle seinen Arbeitsplatz in Loßburg. Er erinnert sich an Vertragsverhandlungen vor dem Bau der "Super Alloy Manufaktur" in Betzweiler vor vier Jahren. Zwei Stunden habe er dem taiwanesischen Vertragspartner gegenüber gesessen und sich auf "Brückenenglisch" über Lackieranlagen und Autofelgen unterhalten. "Das war tricky", erinnert er sich und lacht. "Als ich die Bürgermeisterstelle angetreten habe, hätte ich nicht damit gerechnet, einmal in so eine Situation zu kommen." Flexibilität sei wichtig und sie zahle sich aus. "Dafür haben wir jetzt ein Unternehmen, das eine Brücke von Asien nach Europa bildet", sagt er.

Natürlich sei das nicht nur sein Verdienst. "Ich habe eine super Mannschaft", lobt Enderle seine Mitarbeiter. "Ich sehe uns gerne als mittelständisches Unternehmen mit 180 Beschäftigten." Da sei es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. "Bei uns stimmt alles. Ich muss nicht ständig hinterher sein und löschen, wo es brennt", erklärt er sinnbildlich. "Mit meinen Leuten macht die Arbeit Spaß." Das gute Miteinander schätze er besonders.

Was gemeinsam erreicht worden sei, lasse sich sehen. "Wir haben ein Kinderhaus eröffnet, haben den Breitbandausbau vorangebracht, Baugebiete erschlossen und Unternehmen angesiedelt", nennt er ein paar Beispiele. Potenzial sehe er in Loßburg in der "Work-Life-Balance", wie er sagt. Die Gemeinde habe den Ruf, familienfreundlich zu sein. Dazu gehöre es, Arbeitsplätze ebenso wie Freizeitangebote vor Ort zu haben. "Klar, wir haben keine Semperoper", ist sich Enderle bewusst. "Aber selbst wenn wir in Dresden wären, wie oft würden wir die nutzen?" Loßburg sei für seine Verhältnisse gut aufgestellt. "Man ist in fünf Minuten in der Natur, aber auch in zehn Minuten am Zug", bringt er es auf den Punkt.

"In den nächsten Jahren werden uns immer mehr Aufgaben fordern", ahnt er. "Wer hätte früher einmal gedacht, dass die Kommune sich um die ärztliche Versorgung oder Telekommunikationsangebote kümmern muss?" Das gehöre nicht zu den Kernaufgaben. Wer sich den neuen Aufgaben aber nicht annehme, werde abgehängt, ist dem studierten Verwaltungswirt klar. Eine Arztpraxis habe kürzlich angesiedelt werden können. "Die Gemeinden und Städte stehen in einem Konkurrenzkampf zueinander. Und wir sind mit dem Markenkonzept auf dem Weg, konkurrenzfähig zu bleiben."

Was ihm als langfristiges Ziel vorschwebt, sei eine Ortsumfahrung, die das Lärmproblem lösen würde. "Die Durchfahrt ist aber eine Bundesstraße, da haben Land und Bund also auch mitzureden." Die Gemeinde kaufe schon einmal Flächen, die für die neue Trasse gebraucht werden, wenn sie denn einmal kommt. "Da müssen wir einfach dran bleiben", meint Enderle. "Mein Wunsch wäre es, dass Loßburg einmal ein bisschen wird wie Nagold: Die Durchfahrtsstraße ausgelagert und die Innenstadt mit Geschäften belebt." Dieses Thema ist jedoch, wie er meint, das "dickste Brett, das es zu bohren gibt".

Es gebe in Loßburg einige Themen, die jetzt angegangen werden müssen. "Die Digitalisierung der Schulen", zum Beispiel. Beantragte Gelder vom Kultusministerium seien schon da, jetzt stecke man in der Beschaffungsphase. Dann gebe es da noch das Nahwärmeprojekt, die Erschließung von Gewerbegebieten, den zweiten Bauabschnitt im Zauberland oder die Eröffnung einer Aldi-Filiale, deren Bau in diesem Jahr geplant war und durch Corona ins Stocken kam.

Enderle könnte stundenlang von seinen Plänen berichten. Es steht viel an und das Wichtigste sei, wie er meint, die Betroffenen einzubeziehen. "Damals beim Kinderhaus haben wir die dortigen Mitarbeiter bei der Planung ins Boot geholt", nennt er ein Beispiel. "Wenn man von einer Entscheidung nichts wusste, findet man sie oft schlecht, nur weil man nicht einbezogen wurde." Je mehr Personen gefragt würden, umso schwerer werde es aber, auf einen grünen Zweig zu kommen. "Das ist ein Prozess, aber wenn am Ende alle zufrieden sind, war es die Mühe wert", findet Enderle.

Das Koordinieren, das Lösungen suchen, das Knobeln – für ihn ein Ansporn im Beruf. Er genieße die Herausforderungen. Und dass er für die Bürger da sein könne.

Er könne guten Gewissens sagen: "Ich bereue keinen Tag im Bürgermeisteramt." So sehr der Alltag fordere, so zufrieden mache er auch. Man bekomme viel zurück. "Zum Beispiel diese unglaubliche Herzlichkeit bei der Zusammenarbeit mit den Partnergemeinden, das habe ich zuvor nicht gekannt."

Und ist die zweite Wahl nun so spannend, wie die erste vor acht Jahren? "Spannender!", sagt Enderle ohne zu zögern. "Das Bürgermeisteramt ist eine Stelle auf Zeit. Das weiß man von Anfang an." Doch er hänge daran und wünsche sich, mit seiner Mannschaft noch viele spannende Projekte umsetzen zu können. "Ich würde gerne weitermachen wie bisher. Wir müssen abwarten. Letztendlich", so Enderle, "entscheiden die Bürger."

Am Sonntag, 13. Dezember, gehen die Loßburger zur Wahlurne.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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