Auf den Schildern entlang des Weges sind QR-Codes abgebildet – wer sie scannt, bekommt einen Audioguide auf das Handy geladen. Foto: Müssigmann

Flößerpfad führt von Loßburg bis Wolfach. Schilder mit QR-Codes liefern Audioguide aufs Smartphone.

Loßburg - Wer auf dem Flößerpfad im Kinzigtal wandert, braucht gutes Schuhwerk, ein deftiges Vesper und ein Smartphone. Denn auf diesem Weg wird das Handy zur Zeitmaschine.

 

Jetzt soll das Handy auch noch mit in den Wald genommen werden? Muss das sein? Ja. Das Smartphone transportiert die Wanderer weit weg von ihrem Alltag, zurück in die Zeit der Flößer, erzählt ihnen die Geschichte von Kindern, Männern und Frauen, die damals im Kinzigtal gelebt und gearbeitet haben. "Der Weg ist nicht nur zum Ablaufen da - hier hat man Wandern mit Programm", sagt der Schiltacher Bürgermeister Thomas Haas. Auf 32 Kilometern Strecke befinden sich 34 Stationen.

Den Flößerpfad durchs Kinzigtal gibt es schon seit den 90er-Jahren, in den vergangenen drei Jahren wurde er durch Beschilderung und Mitmachelemente deutlich aufgewertet. Seit diesem Jahr erst gibt es auf der gesamten Wegstrecke die multimedialen Komponenten. Auf Schildern entlang des Wegs sind sogenannte QR-Codes abgebildet, die man mit der Smartphone-Kamera scannt. Nötig ist eine mobile Internetverbindung, über die ein Hörstück aufs Handy geladen wird.

Im Kinderaudioguide erzählt ein Kind, wie es die Zeit der Flößerei erlebt hat - die jungen Vorleserinnen kommen aus Schenkenzell (Kreis Rottweil) und Schömberg (Kreis Freudenstadt) und wurden in einem Wettbewerb ausgewählt. Sie lesen die Geschichte von Uli Staiger, dem Sohn des Flößers Johann Staiger, der seinen Vater die Kinzig hinab begleitet. Die Kindertexte hat die Jugendbuchautorin Gabriele Beyerlein speziell für den Flößerpfad geschrieben. Der Erwachsenen-Audioguide und die Schilder entlang des Weges folgen den Eindrücken des Vaters, des Flößers Staiger, der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte. Die Erwachsenen-Sprecher kommen aus Gutach (Ortenaukreis) und Loßburg (Kreis Freudenstadt), des Dialektes wegen.

Trotz des Handys in der Hand drängt sich die Natur ins Bewusstsein. Die Kinzig rauscht. Am Start des Pfads in Loßburg ist sie noch schmal, zu schmal für die Flößerei. Aber wer sie ein Stück ihres Weges begleitet, kann beobachten, wie aus dem kleinen Bächlein ein Fluss wird. Am Waldhang rechts schleicht eine Familie konzentriert zwischen den Bäumen umher und blickt ständig auf den Waldboden. Sie probieren eine zweite Neuerung am Flößerpfad aus, das Geocachen. Schon das erste Schild am Wanderparkplatz in Loßburg gibt ein Rätsel auf: Mit verstecken Koordinaten muss ein Schatz gefunden werden. Der Weg dahin ist mit vielen Hinweisen gepflastert, die wiederum im Wald versteckt sind. Die suchende Familie im Wald versammelt sich plötzlich am Fuße eines kräftigen Baumes: Zwischen den Wurzeln haben sie das erste Versteck gefunden. Die Augen der Kinder strahlen - jetzt ist der Ehrgeiz der jungen Schatzsucher geweckt. Schon geht es weiter.

Auf dem Weg sind drei Multicaches versteckt, das heißt, dass jeder Fund Hinweise für das nächste Versteck liefert. Neben neuen Hinweisen gibt es in jedem Versteck einen Stempel, der in die Flößer- Stempelkarte oder in den Flößer-Rätsel-Bogen eingetragen wird.

Im Kinzigtal ist man stolz auf die Flößergeschichte. Bürgermeister Thomas Haas sagt: "Die Flößerei ist was Authentisches, dieser Themenweg ist nirgendwohin übertragbar." Manchmal habe man unterwegs das Gefühl, man sei im Gebirge, wie die Kinzig da über die Steine rauscht.

Die neue Ausschilderung verläuft durchgängig auf der gesamten Strecke, weil die Anlieger-Kommunen zusammenarbeiten und sich die Kosten, die für Einrichtung, Erhaltung und Bewerbung des Wegs anfallen, teilen. 120.000 Euro hat der Pfad in seiner aktuellen Form gekostet - der Naturpark hat 65.000 Euro übernommen, 55.000 Euro haben sich die Gemeinden Loßburg, Alpirsbach, Schenkenzell, Schiltach und Wolfach geteilt.

Die multimediale Wanderung hat langfristig auch finanzielle Vorteile, sagen die Geldgeber-Gemeinden: Man kann länger mit den aufgestellten Schildern arbeiten, weil die Audio-Dateien, die sich hinter den aufgedruckten QR-Codes verbergen, unkompliziert aktualisiert werden könnten, ohne am Schild etwas ändern zu müssen. Der Schwarzwald ist inzwischen auf Besucher aus aller Welt angewiesen und eingestellt: Der Audioguide spricht zwar nur "Schwarzwälderisch", die Flößerpfad-Broschüren aber gibt es in vielen unterschiedlichen Sprachen.

Info: Flößerpfad von Loßburg bis Wolfach

Der Pfad

Der Weg ist in zwei Abschnitte geteilt: von Loßburg bis Alpirsbach und von Alpirsbach bis Wolfach.

Barrierefrei

Der Abschnitt zwischen Halbmeil und Wolfach (5 Kilometer) gilt als barrierefrei und ist für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer geeignet. Allerdings ist zu bedenken, dass auf dieser Strecke rund 35 Höhenmeter zu überwinden sind. Rollstuhlfahrer benötigen eine Begleitperson.

Verkehrsanbindung

Mit der Kinzigtalbahn kann man zurückfahren, wenn es einem zu viel wird. Täglich fährt sie im Stundentakt durch die Orte entlang des Weges. Bahnhalte befinden sich in Loßburg-Rodt, Alpirsbach, Schenkenzell, Schiltach Stadt, Schiltach Bahnhof, Halbmeil und Wolfach.

Ausschilderung

Es gibt Flößerpfadwegweiser. Falls keiner zu entdecken ist, können Wanderer im Zweifel der gelben Raute des Schwarzwaldvereins folgen.

Audioguide/Geocaching

Wer kein Smartphone hat, kann sich ein Audioguide-Gerät oder einen GPS-Empfänger fürs Geocaching in den Touristinformationen von Loßburg, Alpirsbach, Schenkenzell, Schiltach oder Wolfach ausleihen. Wer kein mobiles Internet besitzt, kann sich den Audioguide vorab aus dem Internet auf einen MP3-Player laden. Fürs Geocaching können Wanderer Flößer-Stempelkarte und Flößer-Rätsel-Bogen ebenfalls im Internet herunterladen oder diese in den Tourist-Infos abholen.

Mehr Informationen:

www.floesserpfad.de