Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Loßburg Gerd Class: "Ich bin hier glücklich"

Von
Gerd Class hat sich in 24-Höfe schnell eingelebt. Foto: Meinert Foto: Schwarzwälder Bote

Dass er einmal Ortsvorsteher von 24-Höfe wird, hätte sich Gerd Class nicht träumen lassen. "Ich habe den Job nicht angestrebt", sagt der 52-jährige Rechtsanwalt und lächelt dabei. Wie die Jungfrau zum Kind sei er zu dem neuen Amt gekommen.

Loßburg-24-Höfe. Schließlich wohnt Class ja erst seit gut zwei Jahren in 24-Höfe. Er sei zuvor viel rumgekommen in der Welt, hat zeitweise in der Provence in Südfrankreich gelebt und in San Francisco. Seit 1. November ist er nun offiziell im Amt, manches fühlt sich noch sehr neu an. Doch die Maxime, mit der er die Herausforderung angehen will, sei völlig klar: "Ich will das ordentlich machen."

Class empfängt in Gummistiefeln und Strickjacke, das Haus ist für den Besucher nicht ganz leicht zu finden. "Das alte Bauernhaus haben wir abreißen müssen, da war nichts mehr zu retten", erzählt er.

Seit März 2017 leben er und seine Ehefrau Manuela in dem neuen Heim, in der Wohnstube sieht man die Holzscheite im Ofen brennen, es ist wohlig warm, gemütlich, die Einrichtung modern. Wie er denn ausgerechnet nach 24-Höfe gekommen sei? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. "Wir haben uns einen Traum verwirklicht."

Dabei ist der Weg, den er gegangen ist, weit und verschlungen: geboren in Calw, aufgewachsen in Haiterbach bei Nagold, dann Jurastudium in Tübingen, ein Jahr in Frankreich, nach Staatsexamen und Referendariat nochmals Studium in den USA. Bewegte Jugendjahre könnte man das nennen.

Als er 30 war, kam er schließlich zurück ins "Ländle", seitdem arbeitet er als Anwalt. Zwar sei die Kanzlei, in der er tätig ist, in der Nähe von Tübingen, doch Dank des Internets könne er viel von Zuhause aus arbeiten. Was auffällt, wenn Class erzählt: Er lächelt viel, es ist das offene Lächeln eines Mannes, der sich in seiner Haut rundum wohl zu fühlen scheint. Der Traum, den er und seine Frau sich verwirklicht haben, nennt er "naturnahes Leben". Zwei Pferde seien bereits gekauft, "wir sind gerade dabei, das Gelände pferdefähig zu machen", der Stall sei noch nicht ganz fertig. Auch Hühner wolle man sich zulegen, zwei Hunde sind jetzt schon mit von der Partie.

Auch ansonsten habe er sich bestens eingelebt. Er sei in der Feuerwehr, nehme am Vereinsleben teil, überhaupt hätten ihn die Leute herzlich aufgenommen. "Das ist letztlich ja auch der Grund, dass ich den Job übernommen habe", sagt er. "Man will zeigen, dass man dazugehört."

Rund 260 Menschen leben in 24-Höfe, Class muss die genaue Zahl in seinen Akten nachschauen. Zwar hat er bei den jüngsten Kommunalwahlen gar nicht kandidiert, doch der bisherige Amtsinhaber wollte nicht mehr und aus dem siebenköpfigen Ortschaftsrat habe niemand den Job des Ortsvorstehers übernehmen wollen. "Dann hat man mich halt gefragt", sagt Class.

Und was sind die Probleme, die auf den frischgebackenen Ortsvorsteher zukommen? Bei der Frage wird Class, der gelernte Jurist, vorsichtiger, er spricht langsamer und bedächtiger, sucht nach passenden Formulierungen. "Was sich abzeichnet, ist das Thema Windkraft." Viel mehr könne er nicht sagen, noch sei die Angelegenheit "in der Planungsphase", auch von "Widerstand" wolle er ausdrücklich nicht reden. "Es gibt Diskussionen", sagt er stattdessen vielsagend. "Ich könnte mir vorstellen, dass es hier zu Friktionen kommt."

Mit seinem Amts als Ortsvorsteher ist er nun sozusagen Mädchen für alles am Ort. Er hat die Oberaufsicht über das Schlachthaus, muss bei Überschwemmungen und Unglücken eingreifen, zu seinen Aufgaben gehört es auch, die Straßen regelmäßig abzufahren, um mögliche Schäden zu orten. Seine Jobbeschreibung laute: "Ich muss gucken, dass alles läuft." Einmal wöchentlich halte er Sprechstunde für alle Bürger.

Ist das ein Idyll, in dem er und seine Frau leben? "Eigentlich schon, ein Stück heile Welt", lautet die Antwort. Zum Abschluss des Gesprächs sagt Class dann den Satz: "Ich bin hier glücklich." Doch er habe "irgendwie Angst, dass das zu abgedroschen klingt." Das will er nämlich auch nicht.

Artikel bewerten
0
loading

Ihre Redaktion vor Ort Freudenstadt

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren richtigen Namen (Vor- und Nachname) und eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Ihr Passwort können Sie frei wählen. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Der Benutzername ist Ihre E-Mail-Adresse.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

loading