Den Menschen die Tür ins Gotteshaus öffnen ist nach wie vor das Ziel des neuen Pfarrers der Gemeinde Fürnsal-Oberbrändi.Fotos: Evangelische Kirchengemeinde Foto: Schwarzwälder Bote

Kirche: Pfarrer berichtet von seinem Gemeindedienstantritt in turbulenten Zeiten / Kreative Ideen, um in Kontakt zu bleiben

Ein halbes Jahr ist die Investitur von Pfarrer Andreas Heid her. Nun erzählt er von seinen ersten Begegnungen und Erfahrungen in diesen "besonderen" Zeiten in der Kirche Fürnsal-Oberbrändi. Ein kreatives kirchliches Leben ist trotz allem möglich.

Loßburg-Oberbrändi/Dornhan-Fürnsal. Nach "prägenden und erfüllenden Jahren" auf der Schwäbischen Alb zog es den evangelischen Pfarrer Andreas Heid im September des vergangenen Jahres mit seiner katholischen, aus dem Raum Rottweil stammenden, Frau Birgit in den mittleren Schwarzwald. Passender könnte die gemeindeleitende Stelle in der ländlich geprägten Region für den naturverbundenen Pfarrer nicht sein. In Loßburg-Oberbrändi bewohnen die beiden ein Ferienhaus. Das Fürnsaler Pfarrhaus ist aufgrund von Renovierungsarbeiten derzeit noch nicht bezugsfertig.

Besonders gerne verbringt das Ehepaar die gemeinsame Freizeit im Schwarzwald beim Radfahren und wandern. Mit der Aussicht auf einen neuen Lebensabschnitt trat der 52-Jährige im Herbst seinen Dienst an, um "den Menschen die Tür ins Vaterhaus Gottes weit aufzumachen". Er mag gerade kleinere Kirchengemeinden mit familiärem Charakter. Eine gute Gemeinschaft, Gottesdienste und Gemeindegesänge betrachtet er "als Gottes Geschenk und Gabe". Gemeinsam den Glauben zu leben und mit Unternehmungen auch ganz praktisch miteinander unterwegs zu sein: all das begeistert den Bibelkenner und geselligen Menschen. Genau diese Geselligkeit jedoch wird durch die derzeitige Situation sehr erschwert.

Doppelter Lockdown durch Corona und Wintereinbruch

"Weihnachten war turbulent", blickt Heid zurück. Aufgrund der zu dieser Zeit sehr hohen Inzidenzwerte im Landkreis Rottweil habe der Gottesdienst in Dornhan-Fürnsal kurzfristig abgesagt werden müssen. Der Heiligabend-Gottesdienst für Oberbrändi hingegen habe, inklusive eines besinnlichen Sologesangs im Freien mit Orgelspiel aus der Kirche, stattfinden können. Heid erzählt weiter: "In Fürnsal waren Kirchengemeinderäte mit einem ausgedruckten Vorschlag für einen Weihnachtsgottesdienst für die eigenen vier Wände von Haus zu Haus gezogen. Ebenso ließen sie in der folgenden Woche den Haushalten einen Impuls auf einer Postkarte für Neujahr zukommen. So konnten wir in Kontakt bleiben mit unseren Mitgliedern."

Als belastend empfand der evangelische Pfarrer den starken Schneefall und damit verbundene, zeitweise Straßensperren im Januar, was er gar als "doppelten Lockdown" bezeichnet. Denn aufgrund der Lage habe sich die Fahrzeit von Oberbrändi nach Fürnsal einmal gar auf satte 45 Minuten verlängert. So sei durch das wilde Schneetreiben ein Pendeln vom einem Gottesdienst in den anderen einmal nicht möglich gewesen. Und so habe er die Predigt einer Liebenzeller Schwester übernommen, die selbst mit der Organistin in Oberbrändi blieb. Nach überstandener Fahrt nach Fürnsal musste Heid die Organistin "durch eine Musik aus der Konserve" ersetzen. Besondere Zeiten erfordern eben Kreativität.

Die anderen Monate, außerhalb des wilden Schneetreibens, erlebte der 52-Jährige hingegen trotz der Corona-Lage persönlich als sehr schön. In seinen ersten Monaten im Dienst konzentrierte sich der Pfarrer darauf, die Kirchengemeinde und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter besser kennenzulernen, das eingeschränkte Gemeindeleben mit Gottesdiensten zu organisieren, Sterbebegleitung zu leisten und auf Wunsch auch Hausabendmahlsfeiern anzubieten. Besonders freut sich Heid darauf, wenn das Gemeindeleben inklusive Treffen von Chören, Gruppen und Kreisen wieder möglich werden wird. Dabei verliert er in einer Zeit der schlechten Nachrichten nicht den Optimismus und schreibt den Sommer diesen Jahres noch nicht ab.

Der auch durch die eigene Vita mit der Gemeinschaftsbewegung in Württemberg verbundene Protestant lobt die "gute Zusammenarbeit mit dem Liebenzeller Gemeinschaftsverband und der EC-Jugendarbeit" vor Ort. Mit Gemeinschaftspastor Markus Friedl stehe er in gutem Austausch. Dasselbe gelte für den württembergischen Christusbund in Fürnsal und für die "Evangelische Allianz", die Netzwerke schaffe. Heid ist es ein Anliegen, dass "landeskirchliche Gemeinschaften in die Gemeindearbeit vor Ort integriert und personell involviert sind". Das Gemeindeleben werde durch die persönlichen Kontakte und Gespräche getragen, wenngleich derzeit trotz Vorsichtsmaßnahmen manches via Telefon und über neue Kanäle stattfinden müsse.

Konfirmandenunterricht per Video dank technikaffinem Vikar

So erzählt Heid gerne über den dank des "technikaffinen jungen Vikars" Ruben Bühner per Videokonferenz organisierten Konfirmandenunterricht, und schildert seine Erfahrungen in gemeinsamen, digitalen Begegnungen mit der Evangelischen Kirchengemeinde Wittendorf und Lombach und Pfarrerin Regina Stierlen. Zu dritt bildeten die Geistlichen das "Plenum" für die Videokonferenz mit den Konfirmanden, die sich zu kleinen Arbeitsgruppen, ebenfalls online, zusammenfinden und sogar anonyme Gebetsanliegen abgeben können. "Mein Anliegen ist, dass wir das Wort Abstandhalten im räumlichen Sinne sehen, aber doch das Gemeinschaftsleben nicht vergessen und auch in diesen Zeiten voneinander hören", so Heid. Für die Zukunft möchte der vom Pietismus geprägte Pfarrer auch die Begegnung mit seinen Gemeindegliedern in den katholisch geprägten Ortsteilen der Gemeinde suchen, die ökumenische Zusammenarbeit sowie das Miteinander mit den Gemeinschaftsverbänden und freikirchlichen Netzwerken ausweiten und "das Wort der Hoffnung des Glaubens in die Zeit der Angst und der Sorge um die Gesundheit hineinsprechen."

In diesem Sinne bestärke ihn noch vor Beginn der Fastenzeit bereits ein österlicher Blick: Osterkerzen als Symbol für das ewige Leben würden schon vorbereitet und bekämen einen besonders schönen Platz in den Gottesdiensträumen. Und so gilt für Heid, komme was wolle, auf ganz unterschiedlichen Wegen und Kanälen auch weiterhin: "den Menschen die Tür ins Vaterhaus Gottes weit aufzumachen".

"Wir fühlen uns sehr wohl hier. Wir haben schöne Begegnungen und fühlen uns richtig gut aufgenommen", resümiert Pfarrer Heid auch im Namen seiner Ehegattin nach einem ersten halben Jahr in der Kirchengemeinde Fürnsal-Oberbrändi.

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